Die Insel Rügen ist ein Traum für jeden Segler. Rund Rügen Segeln zu gehen ist ein Erlebnis was man nicht vergessen wird. Auf kaum einer anderen Strecke wechseln die Landschaften so schnell: Kreidefelsen, die steil ins Wasser fallen, stille Bodden mit spiegelglatter See, das raue Kap Arkona, die autofreie Insel Hiddensee und kleine Häfen im Mönchgut, die wirken wie vergessene Orte.
Genau das macht Rund Rügen so faszinierend: Du kannst die Insel fünfmal umrunden – und jede Reise fühlt sich neu an. Mal segelst du von Hotspot zu Hotspot, über Sassnitz, Hiddensee, Lauterbach. Mal ziehst du dich zurück, ankerst vor Vilm oder in der Having-Bucht und siehst tagelang mehr Vögel als Menschen. Und jedes Mal schreibt die Insel ein neues Kapitel in dein Logbuch.

Die Route im Überblick
Eine Umrundung von Rügen hat für mich nie nur mit Seemeilen zu tun – sondern mit Erinnerungen. Etwa 100 Meilen sind es rundherum, doch je nach Wind, Zeit und Laune fühlt es sich jedes Mal anders an.
Start in Stralsund oder Lauterbach – für uns ist Lauterbach fast schon Routine: hier liegt Telsche, hier beginnt und endet jede große Fahrt. Stralsund kenne ich vor allem durch das Warten vor der Brücke und den Ausflügen in die Altstadt
Ostküste – ich habe mit meinen Kindern schon im Steuerhaus gestanden und gestaunt, wie die Kreidefelsen im Abendlicht fast rosa leuchten. Ein Bild, das sich tief einbrennt.
Nordküste – am Kap Arkona bin ich leider schon in schlechtes Wetter geraten. Plötzlich war die ruhige Runde ein Kampf gegen Wind und Welle – ein Moment, der Demut lehrt.

Westen – Hiddensee ist Sehnsuchtsort für uns alle. Vor allem der lange Steg am „Langen Ort“ in Vitte: hier legen wir an, wenn wir zur Ruhe kommen wollen. Für meine Familie ist dieser Hafen ein kleiner Fixpunkt – einer, von dem wir immer wieder erzählen.
Süden – das Mönchgut lieben wir. Besonders Thiessow: drei Strände, ein kleiner Fischerhafen, und das Ganze nur einen Segeltag von Lauterbach entfernt. Für uns das perfekte Wochenendziel, wenn wir mal „kurz raus“ wollen.
Alternative: der Jasmunder Bodden – wenn man bei Vitte in den Rassower Strom abbiegt, taucht man in eine völlig andere Welt ein. Der Große Jasmunder Bodden ist still, weit, fast wie ein Binnensee. Hier kann man weit ab vom Touristenstrom in Ruhe Ankern. Für mich der perfekte Ort, um mich auszuklinken – weit weg vom Trubel, mitten im Grünen.
Ob wir die Runde in zwei Tagen durchsegeln oder zwei Wochen genießen – es ist beides möglich und einfach jedes mal anders.
Warum es hier so viele Häfen gibt
Wer von der Kieler Bucht oder aus der Flensburger Förde herkommt, merkt den Unterschied nach zwei Tagen: Rund um Rügen liegt alle paar Seemeilen ein Hafen. Das ist kein Gefühl, das lässt sich zählen.
Im Hafenregister des Online-Hafenhandbuchs esys.org – einer der wenigen Quellen, die alle deutschen Ostseereviere nach derselben Systematik führt – stehen für Rügen und die Bodden rund 21 Häfen. Das nächstgrößere Revier, der Peenestrom bei Wolgast, kommt auf etwa zwölf, die Mecklenburger Bucht ebenfalls, die Lübecker Bucht mit Fehmarn auf elf, die Kieler Bucht auf zehn. Schlei, Usedom und Flensburger Förde liegen bei acht bis neun.
Rechnet man zusammen, was seemännisch zusammengehört – Rügen, Strelasund, Greifswalder Bodden und Hiddensee –, kommt man auf gut dreißig Häfen. Der zweitgrößte Verbund, Usedom mit dem Peenestrom, liegt bei etwa zwanzig.
Ein Hinweis zur Einordnung, weil die Zahl leicht falsch gelesen wird: Das ist keine Aussage über Liegeplätze. Nach Liegeplätzen liegt Schleswig-Holstein mit rund 30.000 weit vorn, gegenüber etwa 14.000 an der gesamten Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Dort stehen aber wenige sehr große Marinas – eine davon mit 1.400 Plätzen. Für einen Törn zählt nicht, wie viele Boote irgendwo liegen können, sondern wie viele verschiedene Ziele in Reichweite sind. Und da ist das Verhältnis umgekehrt.
Der eigentliche Unterschied taucht in keiner Statistik auf: Ankerplätze werden in solchen Registern gar nicht geführt. Die Förden und Buchten Schleswig-Holsteins bieten davon wenige – die Bodden dagegen sind voll davon, rundum von Land umschlossen und flach genug, um fast überall zu ankern. Auf dieser Seite stehen inzwischen über fünfzig Häfen und Ankerplätze, alle auf einer Insel von rund fünfzig Kilometern Kantenlänge. Eine vergleichbare Dichte aus beidem kennen wir an der deutschen Ostsee sonst nicht.
Unsere Lieblingshäfen rund um Rügen
Es gibt unzählige Häfen auf Rügen – aber ehrlich gesagt laufen wir immer wieder die gleichen an. Nicht, weil es nichts anderes gäbe, sondern weil jeder dieser Orte für uns seine eigene kleine Geschichte hat.
Stadthafen Sassnitz
Man kommt auf einem Rund Rügen Törn kaum um ihm herum. Am meisten Spaß macht es am Abend: mit Bademantel und Zahnbürste an der Promenade entlang zum Waschhaus, vorbei an den Touristen, die einen neugierig mustern.
Einmal im Jahr wieder hier Diesel auf Telsche gebunkert. Viele Nutzen den Hafen als Absprung für den Schlag in den Greifswalder Bodden bei westlichen Winden.
Logbuch Einträge:

Hafen Thiessow
Klein, überschaubar, aber perfekt für einen Hafentag. Drei Strände in drei unterschiedliche Himmelsrichtungen gleich um die Ecke, den alten Lotsenturm besteigen, ein kleiner Fischerhafen und zweimal die Woche Rügenmarkt – ideal, wenn wir einen Tag einfach nur am Meer verbringen wollen.
Logbuch Einträge:
- Ein Tagestörn nach Thiessow zum alten Lotsenturm
- Das erste Mal bei bis zu 7 Beaufort mit Telsche auf dem Bodden unterwegs

Vitte, Lange Ort (Hiddensee)
Einer unserer Sehnsuchtsorte. Es fühlt sich fast wie ein Naturhafen an, und bei Windstille paddeln wir mit dem SUP direkt vom Hafen aus in den Bodden hinaus. Die Sanitäranlagen könnten modernen sein, aber das verzeiht man dem sonst so schönen Hafen schnell.
Logbuch Einträge:

Stralsund Stadthafen
hier legen wir nicht wegen der Romantik an, sondern für den Landgang: Ein Besuch im Ozeaneum gehört für uns dazu, genauso wie ein Bummel durch die Altstadt. Der Stadthafen liegt einfach super zentral, man hat die tolle alte Hansestadt direkt vor Augen und die Gorch Fock häufig im Blick.

Lauterbach (Im-Jaich)
Unser Heimathafen. Wenn wir Rund Rügen Segeln ist dieser Hafen Start und Ziel zugleich – aber auch objektiv einer der bestgepflegten Häfen der Region, mit perfekter Ausstattung. Und dann noch die besondere Atmosphäre, wenn mehrmals am Tag der Rasende Roland pfeifend und dampfend vorbeifährt.
Logbuch Einträge:

Greifswald-Wieck
Streng genommen schon Festland aber beim Segeln Rund Rügen häufig ein fester Teil der Route, trotz des kleinen Abstechers. Viel Charme durch die Promenade, und die holländische Zugbrücke ist jedes Mal ein Highlight und lecker Fisch kann man hier auch gut essen.
Logbuch Einträge:

Ankern rund Rügen
Bevor es an die einzelnen Plätze geht, ein Hinweis, der wichtiger ist als jede Platzempfehlung: Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist das Ankern mit der Absicht zu übernachten untersagt. Das betrifft große Teile Westrügens. Welche Zonen gelten, wo die Grenzen verlaufen und warum bei Kabeln und Pipelines eine 300-Meter-Regel greift, steht ausführlich in unserem Ankerplatz-Guide.
Tiefer einsteigen: unsere Hafen- und Ankerguides
Dieser Artikel beschreibt die Runde. Für die Details zu einzelnen Zielen haben wir zwei eigene Guides, die deutlich weiter gehen:
- Im Hafen-Guide steht zu jedem Hafen ein eigenes Porträt mit Liegeplatzzahlen, Wassertiefen, Preisen mit Jahresangabe, Telefonnummer des Hafenmeisters und den Eigenheiten der Ansteuerung – von Altefähr und Schaprode über Baabe, Sellin und Gager bis zu den drei Häfen auf Hiddensee. Dazu Wiek auf Wittow, Gustow und der Yachtclub Strelasund am Dänholm.
- Im Ankerplatz-Guide geht es um Ankergrund, Windschutz und Rechtslage – mit eigenen Seiten zum Zicker See, zur Hagenschen Wiek, zur Tromper Wiek und zum Wieker Bodden.
Es gibt so viele Ankermöglichkeiten rund um Rügen, dass man sie kaum alle aufzählen kann. Und oft entscheidet ohnehin das Wetter, welcher Platz gerade der schönste ist. Manche Spots sind nur bei optimalen Wetterbedingungen möglich – andere bieten fast immer Schutz.
Vitt bei Kap Arkona
Mein absoluter Lieblingsplatz! Wenn das Wetter passt, ankern wir hier garantiert. Zwischen dem alten Fischerdorf Vitt und dem Kap liegt man fast wie in einer Postkarte: Steilküste, Natur, völlige Ruhe.

Thiessow am Kleinen Zicker oder Glewitzer Wiek
Diese beiden Plätze bieten Schutz bei fast jedem Wetter. Wer eine sichere Bucht sucht, wird hier fündig und liegt wirklich sehr ruhig mitten in der Natur.

Insel Vilm (Ostseite)
Die Insel selbst darf man nicht auf eigene Faust betreten, aber auf der östlichen Seite zu ankern ist bei westlichen Winden ein Traum. Besonders an heißen Sommertagen, wenn man vom Boot direkt ins Wasser springt und das Naturparadies in Sichtweite hat.

Dänische Wiek vor Greifswald und Having-Bucht
für uns Orte der Stille. Hier haben wir schon traumhafte Abende verbracht, wenn die Sonne langsam untergeht und man außer dem leisen Gluckern des Wassers nichts hört.
Rügen vom Anker aus zu erleben ist etwas völlig anderes als vom Hafen aus. Mal sucht man Schutz, mal den besonderen Moment – und beides findet man hier reichlich. Auf der dänischen Wiek kann an wunderbar mit dem Dinghi ans Ufer paddeln und Spazieren gehen.
Logbuch Einträge:

Der Jasmunder Bodden – Rügen von innen erleben
Nicht jede Rund-Rügen-Umrundung führt über die offene Nordküste. Wer Zeit hat und Lust auf eine ruhigere Alternative, biegt bei Vitte auf Hiddensee nach Osten ab und fährt über den Rassower Strom in den Großen Jasmunder Bodden.
Plötzlich wirkt Rügen ganz anders:
- Weite, stille Wasserflächen – eher wie ein Binnensee, mit Seeadlern am Himmel.
- Häfen wie Ralswiek oder Polchow, die man auf einer klassischen Außenrunde nie sehen würde.
- Ankerplätze mitten im Grünen, oft völlig einsam.
Die Navigation verlangt Aufmerksamkeit: enge Zufahrten, flache Stellen, strikt der Betonnung folgen. Aber wer sich die Zeit nimmt, erlebt eine ganz andere Seite von Rügen – fast ein „Törn im Törn“.

Wie lange dauert eine Rund-Rügen-Umrundung?
Die ehrliche Antwort: So lange, wie du willst. Rund Rügen Segeln bietet einem viele Varianten. Rügen ist groß genug, dass eine komplette Umrundung Respekt verdient – aber klein genug, dass man sie in kurzer Zeit schaffen kann. Genau darin liegt der Reiz: Du kannst deine Runde sportlich, klassisch oder genüsslich gestalten – und jedes Mal fühlt sie sich anders an.
- 1–2 Tage Non-Stop
Für Sportliche oder wenn die Zeit knapp ist: Mit gutem Timing an Brücke in Stralsund und ohne viele Stopps lässt sich die Runde tatsächlich in ein bis zwei Tagen am Wochenende fahren. Wir haben schon Crews getroffen, die das wie einen Marathon innerhalb von 24 Stunden mit schnellem Boot durchgezogen haben. Ich habe es noch nie gemacht, micht reizt aber einmal Rund Rügeln Segeln non-stop durchaus. - 5–7 Tage (die klassische Variante)
Das ist für viele der Standard-Urlaubstörn: Start in Lauterbach oder Stralsund, über Sassnitz die Kreidefelsen sehen, dann rüber nach Hiddensee, zurück durch die Bodden mit Stopps in Thiessow oder Gager. Jeden Tag 15–25 Seemeilen, genug Zeit für kleine Landgänge und Hafentage. So haben wir unsere meisten Rund-Rügen-Erfahrung gemacht – und es war genau das richtige Maß. - 10–14 Tage (Genussrunde)
Wenn du Zeit hast, dann wird Rügen erst richtig vielfältig. Hafentage auf Hiddensee, zusätzliche Stopps in Seedorf, mehrere Nächte vor Anker in den vielen Buchten oder die ausführliche Erkundung des Jasmunder Boddens. Hier kannst du dir wirklich deine eigene Mischung zusammenstellen: mal Stille in einer einsamen Bucht, mal Trubel in Sassnitz oder Stralsund. Für uns ist diese Variante die schönste, weil man Rügen nicht nur umrundet, sondern wirklich erlebt.

Die Brücken bestimmen den Törnplan
Auf einer Rügen-Runde gibt es eine Handvoll Momente, in denen nicht das Wetter über den Tag entscheidet, sondern eine Uhrzeit. Die Ziegelgrabenbrücke im Rügendamm öffnet sechsmal am Tag, und wer sie verpasst, wartet je nach Tageszeit bis zu vier Stunden. Das ist die eine Information, die man vor dem Ablegen im Kopf haben sollte – nicht die einzige, aber die wichtigste.
Alle Zeiten hier stammen aus der Bekanntmachung für Seefahrer 371/25 des WSA Ostsee vom 10. Dezember 2025, gültig bis einschließlich 31. Dezember 2026. Das ist die amtliche Quelle; was in Hafenführern und Ferienportalen steht, ist oft älter.
Ziegelgrabenbrücke – das Nadelöhr im Strelasund
Sie liegt bei 54°18,5′ N · 013°06,7′ E im Zuge der L 296 und verbindet Stralsund über den Dänholm mit Rügen. Wer den Strelasund von Süden nach Norden durchfährt oder umgekehrt, muss hier durch – die Alternative wäre außen herum um ganz Rügen.
Täglich um 05:20 · 08:20 · 12:20 · 15:20 · 17:20 · 21:30 Uhr.
- Die Brücke öffnet höchstens 20 Minuten.
- Sportboote müssen ihre Absicht anzeigen, und zwar rund zehn Minuten vor der Öffnung, indem sie sich in Leitwerknähe oder bei den Wartedalben aufhalten. Wer weiter draußen kreist, wird nicht als wartend erkannt.
- Zusätzlich kann man das Aufforderungssignal geben: zwei lange Töne. Es ersetzt das Warten am Leitwerk nicht, unterstützt es aber.
- Geschlossen bietet die Brücke 6 Meter Durchfahrtshöhe – für die meisten Motorboote reicht das, für jeden Mast nicht.
Praktisch heißt das: Die Etappe nach oder von Stralsund plant man rückwärts von einer dieser sechs Uhrzeiten. Wer die 17:20 verpasst, hat noch die 21:30 – und läuft dann im Dunkeln ein. Wer die 21:30 verpasst, übernachtet, wo er ist. Der Yachtclub Strelasund und das Wassersportzentrum Dänholm Nord liegen beide südlich der Brücke und sind die naheliegenden Wartehäfen.
Wiecker Klappbrücke – der Weg nach Greifswald
Die hölzerne Klappbrücke von 1887 bei 54°05,7′ N · 013°27,0′ E ist ein technisches Denkmal und wird bis heute von Hand bedient. Sie trennt Greifswald-Wieck von allem, was weiter den Ryck hinaufliegt – und damit vom Museumshafen in der Stadt. Die Durchfahrtsbreite beträgt 10,70 Meter.
Die Zeiten wechseln mehrfach im Jahr. Für 2026 gilt:
- 27.04. bis 13.09.: täglich 9 · 10 · 11 · 13 · 14 · 15 · 16 · 17 · 18 · 19 · 20 Uhr – die dichteste Taktung des Jahres, nur 12 Uhr fällt aus.
- 14.09. bis 11.10.: täglich 9 · 10 · 11 · 13 · 14 · 15 · 16 · 17 · 18 · 19 Uhr.
- 23.03. bis 26.04. und 12.10. bis 25.10.: täglich 9 · 11 · 13 · 15 · 17 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen zusätzlich 10 · 14 · 16 Uhr.
- 26.10. bis 08.11.: täglich 9 · 11 · 13 · 15 Uhr.
- 09.11. bis 18.12. und 02.01. bis 20.03.: nur montags bis freitags 9 · 11 · 13 · 15 Uhr, und nur nach Voranmeldung am Vortag zwischen 8 und 12 Uhr beim Hafenamt Greifswald, 03834 853629-33.
- 19.12. bis 31.12. und 21.03. bis 22.03.: keine Öffnung.
Dazu drei Eigenheiten, die man kennen sollte: Die Brücke öffnet nur bei Bedarf und nur bis Windstärke 7. Die Vorfahrt regelt eine Lichtsignalanlage – zweimal Rot heißt, beide Seiten sind gesperrt und die Brücke wird bei Bedarf geöffnet, einmal Rot heißt, die eigene Seite ist gesperrt, einmal Grün heißt freie Fahrt. Und während des Greifswalder Fischerfests am 18. und 19. Juli 2026 öffnet sie nur viermal täglich; wer in diesen Tagen hinein- oder hinauswill, fragt vorher unter 03834 85362933 nach.
Wenn der Törn weitergeht
Drei weitere Brücken derselben Bekanntmachung, für alle, die nach Usedom oder auf den Darß weiterfahren:
- Peenebrücke Wolgast (54°03,3′ N · 013°47,2′ E), der Weg nach Usedom: vom 16.03. bis 15.10. täglich 05:45 · 07:45 · 12:45 · 17:45 · 20:45 Uhr, dazu 23:45 Uhr nur vom 01.06. bis 30.09. und nur für die Berufsschifffahrt nach Anmeldung. Vom 16.10. bis 15.03. täglich 05:45 · 08:45 · 12:45 · 17:45 Uhr, die 20:45 Uhr wiederum nur für Berufsschifffahrt nach Anmeldung. Öffnung höchstens 15 Minuten.
- Zecheriner Brücke (53°52,0′ N · 013°49,7′ E): täglich 05:45 · 08:45 · 12:45 · 16:45 · 20:45 Uhr. Vom 01.10. bis 31.03. entfallen 05:45 und 20:45, und 16:45 wird nur nach Anmeldung bis 15:00 Uhr bedient.
- Meiningenbrücke zwischen Bresewitz und Zingst (54°24,5′ N · 012°40,0′ E): in der Saison – Montag der 12. bis Sonntag der 44. Kalenderwoche – täglich 09:45 · 11:55 · 17:45 · 20:00 Uhr. Außerhalb nur montags bis freitags um 10:30 Uhr.
Für alle diese Brücken gilt dieselbe Grundregel wie am Ziegelgraben: rund zehn Minuten vorher am Leitwerk oder an den Wartedalben zeigen, dass man durchwill. Und weil kurzfristige Änderungen vorkommen, lohnt der Blick auf ELWIS am Tag vor der Etappe – dort stehen die aktuellen Bekanntmachungen für Seefahrer.
Wer im Ernstfall kommt
Rund um Rügen liegen mehr Stationen der Seenotretter, als die meisten vermuten – und fast alle werden von Freiwilligen getragen. Es lohnt zu wissen, wer wo liegt, denn die Entfernung zur nächsten Einheit ist eine Größe in der Törnplanung wie Wassertiefe und Brückenzeit.
- Sassnitz – Seenotrettungskreuzer HARRO KOEBKE, 36,5 m, mit Tochterboot NOTARIUS. Die schwerste Einheit im Revier, elf Hauptamtliche und zwölf Freiwillige, fünf Personen rund um die Uhr an Bord. Die Station besteht seit 1866.
- Greifswalder Oie – Seenotrettungskreuzer BERTHOLD BEITZ, 20 m, mit dem Arbeitsboot ELSE. Sieben Seenotretter, drei davon im Vierzehn-Tage-Wechsel an Bord. Gilt als die einsamste Station der DGzRS.
- Stralsund – Seenotrettungsboot HERTHA JEEP, 9,5 m, im Stadthafen an der Fährbrücke. 26 Freiwillige, keine Hauptamtlichen.
- Lauterbach – Seenotrettungsboot GERHARD ELSNER, 10,1 m, seit 2023. Elf Freiwillige. Deckt den Strelasund und den Bodden bis zur Oie ab.
- Vitte auf Hiddensee – Seenotrettungsboot NAUSIKAA. 19 Freiwillige, zuständig für die flachen Fahrwasser rund um die Insel bis Kap Arkona.
- Glowe – Seenotrettungsboot KURT HOFFMANN, seit 2005. Die nächste Hilfe für die Tromper Wiek.
- Breege am Breeger Bodden – Seenotrettungsboot MANFRED HESSDÖRFER, getragen von 15 Freiwilligen. Die jüngste Station in Mecklenburg-Vorpommern.
Dazu kommen weiter östlich Freest und Zinnowitz und westlich Zingst und Prerow. Der Notruf läuft über UKW-Kanal 16 oder DSC, an Land über 124 124. Und wer die Arbeit unterstützen will: Die DGzRS finanziert sich ausschließlich aus Spenden, nicht aus Steuermitteln.
Wetter & Revier – so vielfältig wie die Runde selbst
Rügen zeigt dir auf gut 100 Seemeilen fast jedes Gesicht der Ostsee – und jede Laune des Windes. Genau deshalb gehört zur Törnplanung immer auch ein Blick auf die jeweilige Revierseite:
- Enge Wasserwege zwischen Hiddensee und Rügen
Der Bodden ist wunderschön – aber eng, betont und belebt. Bei Gegenwind wird Kreuzen schnell zur Schieberei, und manchmal bleibt nur: Motor an und sauber im Fahrwasser bleiben. Außerhalb der Tonnenstriche wird es a) sehr schnell flach und b) sind die Fischer extrem aktiv – Netze und Stangen frühzeitig ausgucken. - Kap Arkona – Respektzone
Das Kap kann binnen Minuten deutlich rauer werden. Ich bin dort selbst schon „aus heiterem Himmel“ in Schwierigkeiten geraten. Kap-Effekt, Reflektionen, Winddreher – hier planst du lieber Zeitpuffer und fährst mit wachem Blick. - Greifswalder Bodden – flach heißt nicht sanft
Bei östlichen und nordöstlichen Lagen baut sich im Flachwasser gern eine kurze, steile Hackwelle auf. Unterschätzt man leicht. Wenn man sich drauf einstellt kein Problem. Aber es sollte nicht zu einer völlig unerwarteten Überraschung werden. - West vs. Ost – keine Dogma-Richtung, aber Tendenzen
Der Wind kommt hier meistens aus West oder aus Ost – aus Nord oder Süd weht es selten. Viele Westlagen machen die Nord und Ostküste etwas angenehmer (weniger onshore-Welle), dafür böig im Küstenlee. In Summe würde ich sagen ist Westwind immer angenehmer wenn man dann im Uhrzeigersinn fährt. Ostwind sollte man dann gegen andersrum fahren, um es sich nicht unnötig schwer zu machen.
Kleiner Praxis-Tipp:
Starker Ost und du läufst Lauterbach an? Die Insel Vilm liegt kurz davor und gibt dir eine Winddeckung, in der du in Ruhe die Segel bergen kannst – dann entspannt die letzten Meter in den Hafen.

Immer wieder Rund Rügen Segeln – Unser Fazit
Rund Rügen Segeln ist kein Törn, den man einmal abhakt. Es ist ein Revier, das sich jedes Mal neu zeigt – mal wild am Kap Arkona, mal still in der Having-Bucht, mal quirlig in Sassnitz, mal entschleunigt in Vitte. Man kann die Insel in zwei Tagen umrunden oder in zwei Wochen erleben, und doch bleibt am Ende das Gefühl, noch längst nicht alles gesehen zu haben.
Für uns ist jede Runde ein neues Kapitel im Logbuch von unserem Motorsegler Telsche. Mal treiben wir von Hafen zu Hafen, mal liegen wir still vor Anker, mal kämpfen wir gegen Wind und Welle. Und immer wieder merken wir: Rügen hat so viele Gesichter, dass man nie dieselbe Runde zweimal segelt.
Wer hier unterwegs ist, wird schnell verstehen, warum wir immer wieder zurückkehren – und warum wir sagen: Rund Rügen segeln heißt, immer wieder neu zu entdecken.
Wer alle Reisen von unser in der Übersicht sehen will schaut einfach in Telsches Logbuch.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Umrundung von Rügen?
Alles ist möglich: sportlich in 1–2 Tagen Non-Stop, klassisch in 5–7 Tagen mit Stopps, oder genussvoll in 10–14 Tagen mit Hafentagen und Ankernächten. Wir haben schon alle Varianten erlebt – jede hat ihren eigenen Reiz.
Welche Häfen lohnen sich besonders bei Rund Rügen?
Unsere Favoriten sind Sassnitz (für die Kreidefelsen), Thiessow (für Strände & Fischerhafen), Vitte auf Hiddensee (Sehnsuchtsort), Lauterbach (unser Heimathafen), Stralsund (für Ozeaneum & Altstadt) und Lohme (wenn man die Kreidefelsen direkt erkunden will).
Wo sind die schönsten Ankerplätze auf Rügen?
Das hängt vom Wetter ab: mein Lieblingsplatz ist bei Vitt unter Kap Arkona. Sicher und fast immer möglich sind Kleiner Zicker/Thiessow und Glewitzer Wiek. Vilm ist perfekt für einen Badestopp, Having-Bucht und Dänische Wiek für stille Abende.
Welche Wetterlagen sind bei Rund Rügen schwierig?
Bei Ostwind wird die Nordküste rauer (onshore-Welle am Kap Arkona), der Greifswalder Bodden baut kurze, steile Hackwellen auf, und im Strelasund sowie im Vitter Bodden wird Kreuzen gegenan schnell mühsam. Westlagen sind meist entspannter, aber auch dort können Kap-Effekte und Böen überraschen.
Was muss man bei der Navigation beachten?
Die Fahrwasser zwischen Hiddensee und Rügen sind eng, betonnt und stark befahren. Hier bleibt man unbedingt in den Tonnenstrichen. Fischer sind außerhalb aktiv – Netze und Stangen muss man ständig im Auge haben. Brückenöffnungszeiten bei Stralsund unbedingt im Voraus checken.
Ist Rund Rügen auch für Familien geeignet?
Ja. Die kurzen Etappen, die Vielfalt der Häfen und die vielen Ankerbuchten machen es familientauglich. Mit Motorsegler im Steuerhaus sogar bei Regen entspannt – unsere Kinder lieben besonders die Kombination aus Strandtagen (Thiessow) und Stadtausflügen (Stralsund).
