Das ist einer der Plätze, für die man das Revier segelt. Unter der fünfundvierzig Meter hohen Steilküste aus Kreide und Geschiebemergel, am nördlichsten Punkt Rügens, zwischen dem Kap und dem alten Fischerdorf Vitt. Wenn der Wind stimmt, liegt man dort, wo sonst die Ausflugsdampfer vorbeifahren – und abends, wenn die Busse weg sind, gehört einem die Gegend.
Wann es geht – und wann nicht
Der Wind entscheidet alles. Das Land liegt hier im Westen, und es liegt nah: Bis zum Fuß der Steilküste sind es keine dreihundert Meter. Von Südwest über West und Nordwest bis Nord deckt sie, und bei ablandigem Wind steht das Wasser darunter glatt.
Nach der anderen Seite steht nichts. Von Nordost über Ost bis Süd ist die offene See, ohne jede Deckung – bei auflandigem Wind aus diesen Richtungen ist der Platz sofort unhaltbar, und man liegt dann auch noch mit einer Steilküste im Rücken.
Reviersbeschreibungen sind an dieser Stelle nüchtern: Die Nordküste Rügens eignet sich in erster Linie für kurze Ankerpausen, nicht für die Nacht. Übernachten wird nur bei stabiler, ruhiger Wetterlage und anhaltendem mäßigem Westwind als vertretbar beschrieben. Das passt zur Lage: West ist hier die ablandige Richtung.
Praktisch heißt das: Man plant Vitt als Mittagsstopp oder als Belohnung an einem ruhigen Tag ein, und man plant gleichzeitig, wo man hinfährt, wenn der Wind dreht. Wiek auf der anderen Seite von Wittow und der Wieker Bodden sind die naheliegenden Rückzugsorte – gerade bei östlichen Lagen, die diesen Platz unmöglich machen. Die Tromper Wiek liegt auf derselben Seite und hilft dann nicht.
Der Grund ist Kies, die Tiefe fünf Meter – der Punkt liegt genau auf der Fünf-Meter-Linie, die hier dicht unter Land verläuft. Weiter draußen fällt es rasch auf sechs und zehn Meter ab.
Was man dafür bekommt
Vitt ist ein denkmalgeschütztes Fischerdorf – reetgedeckte Katen in einer Schlucht, dazu eine kleine Kapelle, keine Hotels. Der Hafen ist ein Fischereihafen und für Yachten kein Ziel, aber mit dem Beiboot kommt man an Land – wie weit das erlaubt ist, steht weiter unten.
Oben auf dem Kap stehen zwei Leuchttürme, ein Peilturm und die Reste der slawischen Jaromarsburg. Rund achthunderttausend Menschen kommen jedes Jahr hierher – tagsüber ist entsprechend viel los. Wer vor Anker liegt, hat den Vorteil des Timings: früh morgens und am Abend ist die Gegend leer, und genau dann ist das Licht an der Kreideküste am besten.
Rechtlich ist der Platz unkompliziert: Er liegt außerhalb des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft, das Ankerverbot mit Übernachtungsabsicht greift hier also nicht. Mehr zur Rechtslage im Ankerplatz-Guide.
Mit dem Beiboot an Land
Das darf man, und es steht sogar ausdrücklich im Gesetz. § 27 Absatz 1 NatSchAG M-V erlaubt jeder Person, den Ostseestrand auf eigene Gefahr zu betreten – und im selben Absatz: „Das Anlanden und Auflegen von Booten der Küstenfischerei, von motorlosen Sportbooten und von Sportbooten, die mit einer Antriebsmaschine ausgerüstet sind, deren größte Nutzleistung weniger als 3,69 kW beträgt, ist gestattet.“ 3,69 Kilowatt sind knapp fünf PS. Ein Ruderdinghi geht also immer, ein Beiboot mit dem üblichen kleinen Außenborder auch – ab sechs PS nicht mehr.
Der Satz beginnt allerdings mit einem Vorbehalt: „Soweit durch Rechtsvorschrift nichts Anderes geregelt ist.“ Schutzgebietsverordnungen gehen also vor. Auf Wittow gibt es zwei Naturschutzgebiete, Nordufer Wittow mit Hohen Dielen und Nordwestufer Wittow und Kreptitzer Heide – beide liegen an der Nord- und Nordwestküste westlich des Kaps. Für den Abschnitt zwischen Kap Arkona und Vitt haben wir keines gefunden. Das FFH-Gebiet Steilküste und Blockgründe Wittow reicht bis ans Kap heran, begründet für sich genommen aber kein Betretensverbot.
Praktisch stellt sich die Frage ohnehin kaum: Man landet im Dorf. Vitt hat einen Strand, dort liegen die Fischerboote, und an diesem Abschnitt ist den ganzen Tag Betrieb – von den achthunderttausend Besuchern im Jahr kommt ein guter Teil hier vorbei. Nichts, wo ein Beiboot mehr störte als der Rest.
Was man nicht tut, ist unter der Wand anlanden. Der Nordstrand zwischen den Leuchttürmen und dem Gellort ist seit dem Klippenabbruch im Winter 2011/12 gesperrt – das ist die andere Seite des Kaps, aber fünfundvierzig Meter Kreide und Geschiebemergel über dem Dinghi sind auch hier keine gute Idee.
Wer von See kommt, spart sich dabei den ganzen Landzugang: Autos bleiben in Putgarten, von dort geht es zu Fuß, mit dem Rad, der Kap-Arkona-Bahn oder der Kutsche weiter. Eine Eintrittskarte fürs Gelände gibt es nicht – bezahlt werden das Parken, die Bahn und der Eintritt in Leuchttürme, Peilturm und Bunkermuseum. Vom Strand bei Vitt hinauf zum Kap ist es rund ein Kilometer.
Häufige Fragen
Kann man vor Vitt bei Kap Arkona ankern?
Ja, bei ablandigem Wind. Das Land liegt im Westen: Von Südwest über West und Nordwest bis Nord deckt die Steilküste aus keinen dreihundert Metern Entfernung. Offen ist es von Nordost über Ost bis Süd – aus diesen Richtungen ist der Platz unhaltbar. Der Grund ist Kies, die Tiefe fünf Meter.
Darf man dort übernachten?
Rechtlich ja, der Platz liegt außerhalb des Nationalparks. Seemännisch nur bei stabiler, ruhiger Wetterlage – und mit einem Plan, wohin man ausweicht, wenn der Wind auf Ost dreht.
Kann ich in Vitt mit dem Boot in den Hafen?
Nein, das ist ein kleiner Fischereihafen und für Yachten kein Ziel. Mit dem Beiboot darf man aber anlanden: § 27 Absatz 1 NatSchAG M-V gestattet das Anlanden motorloser Sportboote und solcher mit weniger als 3,69 kW – knapp fünf PS. Vom Strand bei Vitt sind es rund einen Kilometer hinauf zum Kap Arkona. Eine Eintrittskarte fürs Gelände gibt es nicht.

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