Der Tank steht bei einem Viertel, es ist Freitag, und ich habe keine Lust, dafür nach Sassnitz zu fahren. In den letzten Jahren war das mein einziger Tankhafen – Ostküste, große Bunkerstation, funktioniert. Aber vierzig Seemeilen für hundert Liter sind kein Wochenende.
Also die Frage, die ich mir vorher nie gestellt habe: Wo kann man auf Rügen eigentlich sonst noch Diesel bunkern? Ich dachte, das sei schnell beantwortet. Es war das Gegenteil.
Die erste Überraschung: Sassnitz hat am Wochenende zu
Die Bunkerstation im Stadthafen Sassnitz betreibt die Firma HAPS. Auf deren Seite steht schwarz auf weiß:
Öffnungszeiten: Vom 1. Juni bis 30. August, Mo – Fr 09:00 – 11:00 Uhr. Außerhalb der Öffnungszeiten nur nach telefonischer Absprache.
Zwei Stunden am Tag, werktags, drei Monate im Jahr. Ich habe dort jahrelang getankt, ohne das je gelesen zu haben – weil ich immer angerufen habe. Und genau das ist der Punkt, an dem diese Recherche interessant wurde.
Zu finden ist sie am Westkai an der Hafenstraße, und zwar am nördlichen Ende: erst kommt das U-Boot-Museum, dann der Anleger der Adler-Schiffe, und dahinter liegt die Bunkerstation – dort, wo auch die Berufsschiffe festmachen. Nicht an den Schwimmstegen der Marina, sondern gegenüber. Man verholt dafür einmal quer durch den Hafen und geht längsseits.
Bei uns kam nach dem Anruf immer jemand. Nicht sofort: Einmal habe ich den Mann morgens aus dem Bett geklingelt, und ein bis zwei Stunden später stand er am Kai. Aber er kam. Die Öffnungszeiten sind hier keine Grenze, sondern eine Telefonnummer.
Warum ich diese Liste anders gebaut habe als sonst
Beim Weitersuchen bin ich auf ein Problem gestoßen, das ich so nicht erwartet hatte: Die Auskunftslage zum Tanken ist im Netz erstaunlich schlecht. Revierportale, Charterseiten und Foren nennen Häfen mit Diesel, die auf ihrer eigenen Seite kein Wort darüber verlieren. Eine Seite behauptete sogar, es gebe in Lauterbach keine Tankstelle mehr – während der Betreiber der dortigen Marina sie ausdrücklich aufführt.
Bei Liegegebühren wäre das eine Unschärfe. Beim Kraftstoff ist es etwas anderes. Wer mit Vierteltank losfährt, weil in einer Liste ein Hafen stand, und an einem Kai ohne Zapfsäule ankommt, hat ein echtes Problem. Deshalb gilt für diesen Artikel eine strenge Regel:
- In die Liste kommt nur, was der Hafen selbst schreibt – auf seiner eigenen Seite oder auf der seines Tankstellenbetreibers.
- Alles andere bleibt draußen, auch wenn es plausibel klingt und in drei Revierführern steht.
- Wo Zeiten fehlen, steht das da, statt dass ich welche erfinde.
Das hat die Liste kürzer gemacht, als sie sein könnte – und ehrlicher. Vier Häfen, bei denen wir selbst bisher Diesel angegeben haben, sind dabei rausgeflogen. Dazu unten mehr.
Was am Wochenende sicher geht
Drei Stationen veröffentlichen Zeiten, die das Wochenende ausdrücklich einschließen. Das ist die Antwort auf meine Ausgangsfrage.
Schaprode ist damit der verlässlichste Punkt auf der Karte. Was dort aus dem Schlauch kommt, ist allerdings kein fossiler Diesel, sondern HVO100 – ein Paraffindiesel aus Rest- und Abfallstoffen nach EN 15940. Er läuft in praktisch jedem Dieselmotor, hat eine höhere Cetanzahl und altert im Tank deutlich besser. Wer sich unsicher ist, ob sein Motor freigegeben ist, schaut ins Handbuch; die meisten Hersteller haben HVO in den letzten Jahren nachgezogen.
In Stralsund steht die Station der Firma Borbe – dieselbe, die auch Barhöft, Vieregge und Wiek versorgt. Sieben Tage die Woche, zwei Zeitfenster am Tag, und der einzige Ort im Revier, an dem ich eine Angabe zur Bezahlung gefunden habe.
Und dann die Pointe, für mich jedenfalls: In Lauterbach gibt es Diesel. In meinem Heimathafen. Nicht in der Marina, in der ich liege, sondern ein paar hundert Meter weiter westlich im Stadthafen – und laut Revierangaben in der Sommersaison von Mittwoch bis Samstag. Der Betreiber der Marina führt die Tankstelle selbst auf, die Öffnungszeiten stammen aus einer Charterbeschreibung und nicht vom Hafen, deshalb würde ich vorher anrufen. Aber vierzig Seemeilen nach Sassnitz waren es dafür nie.
Die Entdeckung: Wiek auf Wittow
Ein Hafen ist mir dabei erst durch die Betreiberliste aufgefallen. Wiek auf Wittow stand in unserem eigenen Revierteil bisher ohne jede Angabe zum Tanken – wir hatten schlicht nichts dazu. Borbe führt dort eine Station mit biofreiem Diesel und Super.
Das ist die nördlichste Tankmöglichkeit im Revier und für alle interessant, die von Hiddensee oder um Kap Arkona herum kommen. Zwischen Schaprode und Glowe lag auf unserer Karte bisher nichts – tatsächlich liegt dazwischen Wiek. Dasselbe gilt für Vieregge im Breetzer Bodden, wo wir bisher nur „Tankstelle“ ohne Sorte stehen hatten.
Die vollständige Liste – zehn Häfen mit Beleg
Sortiert nach dem, was für die Planung zählt: ob die Zeiten das Wochenende einschließen.
| Hafen | Kraftstoff | Zeiten laut Betreiber |
|---|---|---|
| Schaprode | Benzin, HVO100 | täglich 8–11 und 15–18 Uhr |
| Stralsund | Gasöl, biofreier Diesel, Super, Propangas | täglich 7:30–13:30 und 16:30–18:30 Uhr, Mai bis September |
| Vitte | Diesel | täglich 8–9 Uhr, April bis Oktober |
| Lauterbach, Stadthafen | Diesel | Mittwoch bis Samstag 11–16 Uhr, Sommersaison |
| Barhöft | Gasöl, biofreier Diesel, Super | ganzjährig, außerhalb der Saison Rufbereitschaft |
| Glowe | Super, biofreier Diesel, Gasöl | ausgehängte Zeiten oder Absprache mit dem Hafenmeister |
| Vieregge | biofreier Diesel, Super | keine Zeiten veröffentlicht |
| Wiek auf Wittow | biofreier Diesel, Super | keine Zeiten veröffentlicht |
| Kröslin | Benzin, Diesel | keine Zeiten veröffentlicht |
| Sassnitz | Gasöl | Mo–Fr 9–11 Uhr, nur 1. Juni bis 30. August |
Dazu kommt die Marina Neuhof am Strelasund, die derselbe Betreiber versorgt – die haben wir bisher nicht im Revierteil.
Gasöl ist Diesel – nur ein anderes Wort
Eine Stolperfalle, über die ich selbst gestolpert bin: Auf mehreren Seiten steht nicht „Diesel“, sondern „Gasöl“. Das ist kein anderer Kraftstoff. Gasöl ist der Begriff aus dem Mineralölhandel und der Berufsschifffahrt für dasselbe Mitteldestillat, aus dem auch Straßendiesel gemacht wird – zolltariflich dieselbe Warenposition. Der Tankwart an der Landstraße schreibt „Diesel“, der Bunkerbetrieb, der Fischer und Fahrgastschiffe beliefert, schreibt „Gasöl“.
Wer in Sassnitz tankt, bekommt also ganz normalen Bootsdiesel, auch wenn auf der Seite Gasöl steht. Nicht daran vorbeifahren.
Der Fachbegriff, auf den es wirklich ankommt: biofrei
Interessanter als Gasöl versus Diesel ist eine Unterscheidung, die im Revier auffällig oft ausdrücklich genannt wird. Borbe führt in Stralsund, Barhöft, Vieregge und Wiek „Diesel BIO frei“, Glowe schreibt „biofreien Diesel“. Das ist kein Marketingwort.
Straßendiesel enthält bis zu sieben Prozent FAME, also Biodiesel aus Pflanzenöl. Der zieht Wasser und ist ein hervorragender Nährboden – die berüchtigte Dieselpest ist genau das: mikrobieller Bewuchs an der Grenzschicht zwischen Wasser und Kraftstoff. In einem Auto, das seinen Tank alle zwei Wochen leerfährt, spielt das keine Rolle. In einem Boot, dessen Tank von Oktober bis April steht, ist es der Unterschied zwischen einem sauberen Filter und einem verstopften.
Wer die Wahl hat, tankt vor dem Winterlager biofrei. Dass gleich fünf Stationen im Revier das ausdrücklich anbieten, ist eine gute Nachricht, die in keinem Revierführer steht.
Was ich nicht behaupte
Vier Häfen, für die wir bisher selbst Diesel angegeben hatten, stehen nicht in der Liste – weil ihre eigenen Seiten nichts dazu sagen, auch nicht auf den Unterseiten zu Ausstattung und Liegeplätzen:
- Seedorf – weder auf der Hafenseite noch auf der Liegeplatzseite ein Wort zu Kraftstoff.
- Greifswald-Wieck – das Hafenamt der Hansestadt nennt ausdrücklich nur Frischwasser zum Bunkern.
- Gager – die Seite der Marina ist im Aufbau und enthält bisher nur Kontaktdaten.
- Gustow – der Betreiber führt viel Service auf, Kraftstoff ist nicht dabei.
Das heißt ausdrücklich nicht, dass es dort keinen Diesel gibt. Es heißt, dass ich es nicht belegen kann – und dass ich niemanden mit halbem Tank dorthin schicke. Sellin ließ sich gar nicht prüfen, der Server antwortet nicht.
Wir haben unsere Ortsseiten entsprechend korrigiert. Das ist unangenehm, aber die Alternative wäre schlechter.
Der eigentliche Befund
Nach zwei Tagen Recherche ist meine Antwort auf die Ausgangsfrage nicht die Tabelle. Sie ist das hier: Das Revier tankt nach Absprache.
HAPS in Sassnitz schreibt „außerhalb der Öffnungszeiten nur nach telefonischer Absprache“. Barhöft hat außerhalb der Saison Rufbereitschaft. Glowe schreibt, getankt wird „zu den ausgehängten Tankzeiten oder unter Absprache mit dem Hafenmeister“. Drei von vier Stationen mit veröffentlichten Zeiten sagen im selben Atemzug, dass die Zeiten nicht die Grenze sind.
Zwei Stunden am Vormittag sehen im Netz aus wie ein Ausschlusskriterium. In Wirklichkeit sind sie eine Telefonnummer. Wer mit Vierteltank ins Wochenende fährt, braucht keine Öffnungszeiten, sondern die richtige Nummer und die Bereitschaft, sie zu wählen. Bei uns kam immer jemand – einmal, nachdem ich ihn morgens geweckt hatte, ein bis zwei Stunden später.
Ich fahre dieses Wochenende trotzdem nicht nach Sassnitz. Ich gehe die vierhundert Meter in den Stadthafen.

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