Wenn man vom Pferd fällt, soll man möglichst schnell wieder aufsteigen. Das erste mal wieder alleine mit Telsche abzulegen, nach unserem missglücktem Versuch nach Kopenhagen zu segeln, erinnerte mich an dieses Sprichwort.
Es waren bereits 7 Wochen vergangen und ich hatte ein leicht mulmiges Gefühl wieder die Leinen loszuwerfen. Ich war nicht wieder schnell aufs Pferd gestiegen und hatte daher durchaus leichte Selbstzweifel und einige Bedenken plötzlich im Kopf.

Das Wetter schien mir aber gut zureden zu wollen. Denn da war diese Sommerfrische an der Küste. Lediglich 3 Windstärken und eine sehr ruhige See war zwischen Lauterbach und der Insel Vilm auszumachen. Es war warm, angenehm warm. Nicht zu heiß, nicht zu kühl.
Die Sonne war allerdings nicht zu entdecken und es regnete sogar leicht, als ich auf Telsche alle Vorbereitungen traf.
Ich erwischte mich mehrere Male wie ich mir sagte: “Ach, bleib bei dem Wetter doch lieber im Hafen, wenn keine Sonne scheint und es sogar leicht regnet ”, aber ich musste rausfahren, um wieder Vertrauen in das Boot und mich selbst zu gewinnen. Außerdem lockte die Aussicht auf einen ruhigen Abend vor Anker liegend.

Die gerissene Genua war mittlerweile ersetzt worden und ich war neugierig wie sich Telsche segeln würde. Nach erfolgreichem Ablegen legte ich das Ruder bei westlichem Winden auf Kurs Süd und setzte alle Segel.
Ich bin dieses Jahr eigentlich fast nie unter 15 Knoten Wind aus Richtung Ost und entsprechend ordentlichem Wellengang mit Telsche unterwegs gewesen und jetzt ganz gemütlich mit 3 Knoten ohne Welle durchs Wasser zu ziehen, war eine angenehme neue Erfahrung.

Dabei habe ich auch einen neuen Lieblingsplatz auf Telsche entdeckt: einfach in die Schiebetür gesetzt. Man sitzt halb draußen, hat den Wind im Gesicht und kommt mit einer Hand problemlos ans Ruder und hat alle Instrumente im Blick.
Jetzt im Sommer vermisst man ein offenes Cockpit doch sehr. Ich umrundete langsam die Insel Vilm, um dann die Einfahrt der Fahrrinne zur Having Bucht im Norden anzusteuern.
Telsche ließ sich problemlos Trimmen und hielt schnurstracks den Kurs. Ein echter Vorteil des Langkielers mit Ketsch Rigg.


Ich schulde immer noch Seedorf einen Besuch. Ein YouTube Video von der Einfahrt in den Naturhafen hatte mich schon vor Jahren für diese schöne Ecke von Rügen begeistert und einen großen Beitrag dazu geleistet, dass ich schlussendlich mit Telsche Lauterbach zum neuen Heimathafen erkoren habe.
Heute war mir aber nach Ankern zu mute und so gesellte ich mich zu einem andern Boot was bereits südlich der Gefahrentonne zur Einfahrt von Seedorf lag.

Ich liebe es vor Anker zu liegen. Die Ruhe wenn alles zum Stehen kommt und man nur noch sanft im Windschatten der Küstenlinie um den Anker schwojt.
Es wurde Abendessen unter Deck gekocht und dann verholte ich mich aufs Dach des Steuerhauses von Telsche. Den Grossbaum im Rücken und die Beine vom Dach baumelnd saß ich einfach nur da und war Gast im Naturschauspiel, was sich vor mir abspielte.


Vögel, Kühe, Fische und Schwäne führten bis in den Sonnenuntergang ein Stück auf unterschiedlichen aber irgendwie zusammenhängenden Bühnen auf und um so länger ich hinschaute, um so mehr Details entdeckte ich um mich herum.
Der Himmel sollte eigentlich in dem Abendstunden noch aufreißen, aber er folgte dieser Vorhersage nur zögerlich und gab schlussendlich nur noch einen letzten bezaubernden Blick auf einen rotes Band hinter der hügeligen Landschaft preis, kurz bevor es dunkel wurde.
Die Nacht war ruhig und ich heilfroh, dass ich wirklich abgelegt hatte um einfach ein paar Stunden zu Segeln und am Ende in dieser lagunenartigen Bucht zu landen.

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Hallo Sebastian,es ist immer wieder schön deine Berichte zu lesen 😊👍Diese Sais
Danke, das freut mich!