Die Fisher 30 Northeaster gehört zu den seltensten und zugleich spannendsten eigenständigen Modellen der berühmten Fisher Motorsegler. Gebaut wurde sie zwischen 1973 und 1979 von Fairways Marine in England, in einer Stückzahl von rund 100 Booten. Heute gilt sie als gesuchte Rarität: robust, seetüchtig und mit dem typischen Charakter, den Fisher-Yachten seit jeher auszeichnet.
Eines dieser Boote ist unsere Telsche, Baujahr 1978. Mit ihr sind wir auf der Ostsee, rund um Rügen und entlang der Küste unterwegs – und sie ist für uns mehr als ein Boot, sie ist Teil der Familie.





Entstehung der Fisher 30 Northeaster
Die Fisher 30 Northeaster entstand aus einer besonderen Situation: Die Werft suchte nach einem erweiterten Rumpfkonzept der beliebten Fisher 30, um mehr Innenraum zu schaffen. Der Bootsbauer L.B. Pinkney inspirierte das Projekt, und schon bald wurde ein breiterer Rumpf mit mehr Volumen entworfen.
1973 gingen die ersten Northeaster in Serie, zunächst häufig als Fischer- und Arbeitsboote, später vor allem als komfortable Motorsegler. Mit ihrer Länge von 9,15 m, einer Breite von 3,15 m und rund 6,5 Tonnen Gewicht bot sie eine enorme Solidität. Dazu kam das typische Ketsch-Rigg, das die Fisher-Reihe prägte.
Ihren Namen erhielt die Northeaster übrigens von Pinkneys Heimat an der nordöstlichen Küste Englands in Middlesbrough – eine Hommage an die Ursprünge des Projekts.
Die Segeleigenschaften der Fisher 30 Northeaster

Die wohl häufigste Frage, die ich zu Telsche von anderen Seglern bekomme, lautet: „Wie segelt sich denn so ein Boot im Vergleich zu einer Segelyacht?„
Trotz einer relativ kleinen Segeltragzahl von 8,89 ist Telsche trotzdem in der Lage ab bereits 8-10 Knoten Wind ohne Motor gut 4 Knoten Fahrt durchs Wasser auf Halbwind Kurs zu machen. Bis 20 Knoten Wind muss bei Telsche nicht gerefft werden und mit ihrer Comfort Ratio von 38,3 geht sie sehr angenehm durch die Wellen – die schmalere Fisher 30 kommt rechnerisch auf 43,9, rollt dafür aber ausgeprägter.
Ab Werk fuhr die Northeaster einen Volvo Penta mit 36 PS. In Telsche arbeitet heute ein alter VW-Golf-2-Dieselmotor mit 50 PS, der für den Marinebetrieb umgerüstet wurde. Dieser bewegt Telsche allein problemlos mit 5 Knoten durchs Wasser und verbraucht dabei ca. 2 Liter Diesel die Stunde. Mit ihrem 200-Liter-Dieseltank – ab Werft waren 227 Liter vorgesehen – ergibt das eine Reichweite allein unter Motor von rund 500 Seemeilen, mit vernünftiger Reserve etwa 450.
Beim Kreuzen auf Anwind Kursen gegen den Wind ist bei Telsche aber bei 50-60 Grad bei ca. 3 Knoten Fahrt durchs Wasser rein unter Segeln bereits Schluss.
Die maximale Rumpfgeschwindigkeit von Telsche liegt bei ca. 6,7 Knoten und ist vor allem auf Raumwind Kursen ab ca. 15 Knoten Wind unter optimalen Bedingungen zu erreichen.
Alle Schoten für die Segel werden über Umlenkrollen zu den seitlichen Schiebetüren geführt, wo sie auch die beiden Genua Winschen und in Summe vier Klampen befinden, so dass man Telsche problemlos Einhand segeln kann, ohne den geschützten Bereich des Steuerhauses zu verlassen.
Lediglich für das Setzen und ein Einholen der Segel muss man sich direkt an die Masten begeben.
Design und besondere Merkmale
Fast alles Holz auf Telsche ist Teakholz. Als Decksbelag wurde bei Telsche nachträglich Flexi-Teak verlegt und damit die für Fisher Boote klassischen Treadmaster Beläge ersetzt.
Mit ihrem hohen Schanzkleid und der darauf sitzenden Reling bietet Telsche seiner Crew sehr viel Schutz während der Fahrt an Deck und es besteht die Möglichkeit einmal komplett um das Boot herum zu gehen.

Eine Badeleiter am Heck erleichtert nicht nur das Schwimmengehen, sondern auch das an Bord kommen, wenn Telsche rückwärts in einer für die Ostsee typischen Box liegt. Der Bug von Telsche ist so hoch, dass es nur den sportlichsten gelingen mag von einem Steg aus über den Bugkorb an Bord zu gelangen.
Der Innenbereich von Telsche besteht im Kern aus vier Bereichen. Zwei Kabinen vorne und achtern, dem zentralen Steuerhaus, sowie einem Salon mit integrierter Kombüse und angrenzender Nasszelle.
Ein besonderes Highlight ist der nachträglich eingebaute Refleks Diesel Ofen, der über Kupfer Rohre auch zwei Heizkörper im Steuerhaus mit heizen kann.
Dazu passend: Welche Technik wirklich an Bord ist →




Seetüchtigkeit und Revier
Die Fisher 30 Northeaster wurde für Nordsee und Atlantik konzipiert – und zeigt dort ihre Stärken. Ihr hoher Freibord, die tiefe Schanz und das geschützte Steuerhaus machen sie zur idealen Begleiterin auf Nord- und Ostsee.
Mit Telsche haben wir genau das erlebt: warme Fahrten im Steuerhaus, während andere Crews im Ölzeug im Cockpit frieren. Ein Boot, das Sicherheit vermittelt, auch wenn es draußen ungemütlich wird.

Produktion und heutiger Status
Zwischen 1973 und 1979 wurden rund 100 Exemplare der Fisher 30 Northeaster gebaut. Telsche selbst ist Baunummer 086. 1981 löste die Fisher 31 die Dreißiger-Baureihe ab – ein Fuß länger, breiter, mit angehobenen Gangborden und Sluprigg statt der Ketsch. Von ihr entstanden allerdings nur 35 Stück, und ich habe ehrlicherweise noch nie eine in echt gesehen.
Heute ist die Fisher 30 Northeaster ein gesuchter Klassiker auf dem Gebrauchtmarkt. Viele Eigner restaurieren ihre Boote liebevoll, und in der Fisher Owners Association lebt die Tradition weiter.

Fazit – ein Boot mit Seele
Die Fisher 30 Northeaster ist mehr als ein Motorsegler. Sie ist ein Boot, das Geborgenheit bietet, wo moderne Yachten oft nur auf Geschwindigkeit setzen. Mit ihrem bulligen Rumpf, dem gemütlichen Teak-Ausbau und der Seetüchtigkeit eines Langkielers ist sie ein Stück maritimer Geschichte.
Und sie lebt weiter – in jedem Hafen, in dem ein Boot wie unsere Telsche liegt und Geschichten erzählt.
Häufige Fragen
Wie viele Fisher 30 Northeaster wurden gebaut?
Zwischen 1973 und 1979 produzierte Fairways Marine in England rund 100 Exemplare der Fisher 30 Northeaster. Damit zählt sie zu den seltensten eigenständigen Modellen der Fisher-Reihe.
Worin unterscheidet sich die Fisher 30 Northeaster von der Fisher 30?
Die Fisher 30 Northeaster hat kein Cockpit, sondern dafür eine Achterkabine mit zwei weiteren Kojen. Das Steuerhaus ist größer und hat im Vergleich zur Fisher 30 seitliche Türen. Darüber hinaus ist es ein „Walk-Around“ Boot, was das Einhand segeln erleichtert.
Wie sind die Segeleigenschaften der Fisher 30 Northeaster?
Trotz ihrer massiven Bauweise segelt die Northeaster zuverlässig. Sie erreicht auf Halbwind-Kursen ab 8–10 Knoten Wind etwa 4 Knoten Fahrt. Auf Raumwind-Kursen liegt die Rumpfgeschwindigkeit bei bis zu 6,7 Knoten.
