Schaprode ist der Hafen, über den Hiddensee lebt. Von hier fahren die Fähren zur autofreien Insel, hier kommt an Land, was drüben gebraucht wird. Für Segler ist er vor allem eins: ein gut ausgestatteter Stützpunkt an der Westküste, mit 220 Liegeplätzen, Diesel, Kran und Werkstattservice – und damit einer der wenigen Häfen im Revier, in dem man auch eine Panne beheben kann.
Der Hafen
Betrieben wird er von der Rügener Hafen- und Touristik GmbH. Die 220 Plätze liegen an modernen Schwimmstegen, 40 davon sind für Gäste reserviert. Strom schaltet der Hafenmeister frei, Wasser gibt es am Steg, dazu WC und Duschen. Bemerkenswert für ein Boddenrevier ist die Vollausstattung: Diesel- und Benzintankstelle, Gas, Slipanlage, Bootskran, Motorenservice und eine Entsorgung für Müll, Altöl und Fäkalien.
Zwei Angaben konnte ich nicht verlässlich klären: Die Liegegebühr steht weder auf der Hafenseite noch im Buchungssystem – dort wird auf Direktkontakt verwiesen. Und die kursierende Wassertiefe von 3,0 Metern wirkt für dieses Revier hoch; möglicherweise bezieht sie sich auf die Fährrinne. Bei 1,30 Metern Tiefgang ist das kein praktisches Problem, aber wer tiefer geht, ruft besser vorher an.
Ansteuerung
Von der Leuchttonne 27/N2 des Hiddensee-Fahrwassers geht es zum Tonnenpaar „Sch 1″ und „Sch 4″, rechtweisender Kurs 87 Grad, danach 161 Grad im betonnten Fahrwasser bis in den Hafen.
Wichtig: Außerhalb des Fahrwassers liegen Steine. Das ist keine allgemeine Vorsichtsformel, sondern eine ausdrückliche Warnung der Reviersbeschreibungen. Wer hier abkürzen will, findet Grund, den er nicht sucht.
Was den Ort ausmacht
Schaprode ist ein Fährhafen mit Dorf drumherum, keine Marina-Kulisse. Es gibt eine Dorfkirche, einen Sandstrand und den Blick hinüber nach Hiddensee. Vor allem aber liegt der Ort am Rand des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft – wer von hier weiterfährt, ist schnell in einem Revier, in dem andere Regeln gelten als vor der Küste.
Wer Hiddensee besuchen will, ohne dort einen der knappen Liegeplätze zu suchen, kann in Schaprode festmachen und mit der Fähre übersetzen. Für einen Tagesausflug ist das oft die entspanntere Lösung.
Aus der Praxis: was Segler berichten
Schaprode klingt nach großem Hafen – 220 Liegeplätze, Diesel, Kran, Werkstatt. Wer einläuft, findet etwas anderes vor, und das ist die erste nützliche Information: Der Yachthafen ist im Kern ein langgezogener Steg entlang des Ufers, kein Becken mit Boxengassen. Eine Reviersbeschreibung zählt entsprechend nur 170 Plätze für Yachten bis elf Meter. Beide Zahlen kursieren; die Liegesituation beschreibt die zweite besser.
Das Anlegemanöver ist hier anspruchsvoller als die Ausstattungsliste vermuten lässt. Bei Westwind steht kräftiger Strom im Hafen, und im Wasser treibt viel loses Seegras. Beides zusammen heißt: mehr Fahrt als gewohnt, damit das Ruder greift, und die Leinen früh klar. Wer sich am Steg entlang aufschießen lässt, wird versetzt.
Und eine Warnung, die man vorher gelesen haben will: Der Schutz ist bei starkem Westwind eingeschränkt – und bei Sturm fahren die Fähren durch das Yachtbecken. Das ist keine Randnotiz, sondern der Grund, bei angesagtem Weststurm einen anderen Hafen zu wählen. Die Fähren nach Hiddensee haben hier Vorrang vor allem anderen, das ist der Zweck dieses Hafens.
Zur Ansteuerung, ergänzend zur Kursanweisung im Datenblatt: Die Steine liegen dicht unter der Wasseroberfläche und seeseitig vor der Hafeneinfahrt – sie sind nicht zu sehen. Landseitig sind die Tiefen sehr gering, dazu stehen Stellnetze. Die Tiefenangabe von 3,0 Metern, an der wir bisher gezweifelt haben, ist übrigens plausibel: Eine Reviersbeschreibung nennt 3 bis 5 Meter.
Der Engpass an Land
Die Sanitäranlagen sind modern und sauber – und für die Größe des Hafens deutlich zu klein. Eine Nutzerbeschreibung zählt nach: ein WC für Damen, zwei für Herren, bei entsprechend wenigen Duschen. Bei 220 Plätzen ist das die Rechnung, die man morgens um acht bezahlt. Wer flexibel ist, geht früher oder später.
Ein Widerspruch, den wir nicht auflösen konnten: Der Betreiber führt Wasser am Steg, eine Nutzerangabe sagt, es gebe dort Strom, aber kein Wasser. Wer knapp im Tank ist, fragt beim Hafenmeister nach, statt sich darauf zu verlassen.
Dafür ist der Ort selbst angenehmer, als ein Fährhafen es sein müsste. Neben dem Fähranleger liegt ein breiter Sandstrand mit Jollen- und Surfbrettverleih, es gibt einen Grillplatz am Hafen, Schillings Gasthof und die Alte Schule zum Essen, dazu reetgedeckte Häuser mit geschnitzten Türen und die St.-Johannes-Kirche – mit einem Chor aus dem frühen 13. Jahrhundert Rügens drittälteste Kirche, auch wenn das heutige Kirchenschiff erst um 1450 gotisch und kleiner neu errichtet wurde. Die Orgel stammt von 1895. Und nach der letzten Fähre wird es still – der Betrieb, der den Tag bestimmt, hört abends schlagartig auf.
Gutshaus Vaschvitz
Rund acht Kilometer entfernt liegt Vaschvitz, erstmals 1250 in einer Bestätigungsurkunde erwähnt und bis nach 1525 einer der ältesten Besitzstände des Klosters Bergen. Nach Reformation, Landreform und wechselnden Eigentümern verfiel das Gut, bevor es seit Mitte der 1990er-Jahre saniert wurde: das klassizistische Gutshaus vom Ende des 18. Jahrhunderts, dazu Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude. Aus dem ehemaligen Stallgebäude wurde die Kunstscheune Vaschvitz, in der heute Konzerte, Lesungen und Ausstellungen stattfinden.
Von Schaprode führen die Fahrwasser weiter nach Vitte und Neuendorf auf Hiddensee. Nordöstlich liegt am Breetzer Bodden der junge Yachthafen Vieregge, südlich auf Ummanz der Fischereihafen Waase. Nördlich schließt sich der Gellenstrom mit der Bock-Reede an – dort gelten allerdings die strengsten Befahrensregeln des Reviers.
Häufige Fragen
Wie viele Liegeplätze hat der Hafen Schaprode?
220 Liegeplätze an Schwimmstegen, davon 40 für Gäste. Damit ist er einer der größeren Häfen an der Westküste Rügens.
Gibt es in Schaprode Diesel?
Ja, es gibt eine Diesel- und Benzintankstelle, dazu Gas. Zusammen mit Slipanlage, Bootskran und Motorenservice ist Schaprode einer der wenigen Häfen im Revier, in dem sich auch eine Panne beheben lässt.
Worauf muss ich bei der Ansteuerung achten?
Strikt im betonnten Fahrwasser bleiben – außerhalb liegen Steine. Der Weg führt von Leuchttonne 27/N2 zum Tonnenpaar Sch 1 und Sch 4 auf Kurs 87 Grad, dann 161 Grad bis in den Hafen.
Komme ich von Schaprode nach Hiddensee?
Ja, die Fähren zur autofreien Insel fahren direkt ab dem Hafen. Für einen Tagesbesuch ist das oft praktischer, als drüben einen der knappen Gastliegeplätze zu suchen.

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