Telsche

Logbuch eines Motorseglers

Der traumhafte Steg in Vitte Lange Ort

Yachthafen Vitte-Lange Ort

Der traumhafte Steg in Vitte Lange Ort

Ca. 150 Plätze Max. Tiefgang 2,5 m Nur bei Tageslicht Autofreie Insel
Sebastian Küpers
Sebastian Küpers 15.08.2026 · 5 Min. Lesezeit

Vitte ist das Versorgungszentrum der autofreien Insel Hiddensee – und der Yachthafen Vitte-Lange Ort, gut 500 m nördlich des Ortskerns, mit rund 150 Plätzen ihr eigentlicher Seglerhafen. Der kommunale Fährhafen im Ort bietet nur wenige, unruhigere Gastplätze am Kai, dafür die einzige Diesel-Tankstelle der Insel.

Ansteuerung

Bestimmendes Thema ist das Fahrwasser: Der Vitter Bodden ist außerhalb der betonnten Rinnen extrem flach, mehr als 2,50 m Tiefgang gehen nicht, und Abkürzen zwischen den Tonnen verbietet sich. Die Zufahrtstonnen zum Yachthafen liegen nur von März bis Oktober aus; nachts sollte man die Ansteuerung ganz lassen. Begegnungsverkehr mit Fahrgastschiffen einkalkulieren.

Liegen & Ausstattung

Strom und Wasser am Steg, Duschen, Sauna, Waschmaschine, kostenloses WLAN, Kiosk mit Brötchenservice und Fahrradverleih direkt am Hafen. Im Juli und August ist der Lange Ort regelmäßig voll – früh einlaufen oder Päckchen einplanen. Hafenmeister: +49 163 3228923.

An Land

Hiddensee ist weitgehend autofrei – das Fahrrad ist das Inselverkehrsmittel. Vom Hafen: zehn Minuten zu Fuß an den Weststrand, mit dem Rad zum Leuchtturm Dornbusch oder zum Gerhart-Hauptmann-Haus in Kloster. Zum Hafengeld kommt die Kurabgabe der Insel.

In Vitte selbst lohnen sich drei Ziele zu Fuß: Rund 1,1 Kilometer entfernt informiert das Nationalparkhaus mit Ausstellung und dem Erlebnispfad „De Lütt Küst“ über die Natur der Insel. Etwa 850 Meter entfernt steht das Hexenhaus, eine 1755 erbaute Fischerkate und das älteste Haus Vittes – Sommerwohnsitz von Adolf Reichwein, Pädagoge und Mitglied des Kreisauer Kreises, der 1944 in Berlin-Plötzensee wegen seines Widerstands gegen die Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Seit 1981 steht das Haus deshalb unter Denkmalschutz und öffnet am Tag des offenen Denkmals. Und wer Puppentheater mag, findet in der Seebühne Hiddensee mit der angeschlossenen Homunkulus-Figurensammlung – rund 200 handgefertigte Figuren – einen ungewöhnlichen Programmpunkt für einen Landgang.

Unser Törn-Tipp

Hiddensee war der Sehnsuchts-Stopp auf dem Rückweg unseres Rund-Rügen-Törns – nachzulesen in Teil 2.

Aus der Praxis: was Segler berichten

Vitte hat zwei Häfen, und die Wahl zwischen ihnen ist die eigentliche Entscheidung: der Lange Ort für die Nacht, der Kommunalhafen für alles, was der Lange Ort nicht kann.

Wie man im Langen Ort liegt: Die Anlage mischt Dalbenboxen, Bojenplätze und Fingerstege über fünf Steganlagen – es gibt also nicht die eine Anlegesituation, auf die man sich einstellt. Reserviert wird nicht, vergeben wird nach Ankunft. Der Hafenmeister ist nach ADAC-Angaben nur zweimal am Tag im Büro, morgens und am späten Nachmittag; wer dazwischen einläuft, macht erst einmal fest und klärt später.

Zum Andrang: Im Juli und August ist der Hafen regelmäßig voll, und – das ist der Satz, der in mehreren Reviersbeschreibungen fast wörtlich wiederkehrt – auch frühes Einlaufen ist in der Hochsaison keine Garantie für einen Platz. Viele Yachten liegen hier tage- oder wochenweise und nutzen das Schiff als Ferienwohnung, es wird also wenig frei. Päckchenliegen ist bei Andrang die Regel; im Forum ist von chaotischer Päckchenbildung die Rede, in Vitte wie in Kloster und Neuendorf.

Zum Tiefgang: Die Tiefen liegen zwischen 1,50 und 2,50 Metern, je nach Steg. Mit 1,85 Metern kommt man unter, aber nicht in den innersten Reihen – wer tief geht, sagt es beim Anlaufen. Bei der maximalen Länge widersprechen sich die Quellen: Die einen nennen 13 Meter, die anderen 15. Für Boote unserer Größe ist das folgenlos, für lange Schiffe nicht.

Der Kommunalhafen als Plan B: Er liegt gut 500 Meter südlich im Ort, man macht längsseits im Päckchen fest, und mit rund drei Metern ist er der tiefste Platz der Insel – dorthin gehen die Schiffe, die im Langen Ort nicht mehr unterkommen. Der Preis dafür ist die Ruhe: Fährbetrieb, Ausflugsschiffe, Tagesgäste. Dafür steht hier die einzige Diesel-Tankstelle Hiddensees, und die Fischbude am Hafeneingang hat bis 20 Uhr auf.

Wenn beide voll sind, bleibt der Anker: nördlich der grünen Tonne K9 liegt man bei passender Wetterlage in etwa 2,50 Metern. Die Schutzzonen des Nationalparks im Vitter Bodden sind dabei strikt zu beachten – mehr dazu im Ankerplatz-Guide.

Ein Wort zu den Bewertungen des Langen Ort, weil sie im Netz auf den ersten Blick vernichtend aussehen: Auf einem der Portale steht der Hafen bei zwei von fünf Sternen, mit elf Ein-Stern-Urteilen. Liest man sie, betreffen sie fast alle den früheren Hafenmeister und dessen Umgang mit Gästen – die härtesten stammen aus 2014. Der Hafen hat inzwischen den Betreiber gewechselt; seit 2022 sind die Stege überarbeitet, Sauna und Fahrradverleih kamen dazu, und die neueren Stimmen beschreiben saubere, gepflegte Anlagen. Wer nur auf die Sternezahl schaut, bewertet einen Hafen, den es so nicht mehr gibt.

Die Seenotretter vor Ort

In Vitte liegt das Seenotrettungsboot NAUSIKAA, 2006 bei Fassmer gebaut und von 19 freiwilligen Seenotrettern gefahren. Ihr Gebiet ist genau das, was diese Gegend schwierig macht: die flachen, engen Fahrwasser auf der Boddenseite, dazu ostwärts bis Wiek und Kap Arkona und südwärts in den Strelasund.

Im Sommer mischen sich hier Berufs- und Sportschifffahrt, Ausflugsfähren und Fischerboote auf engem Raum. Eine Station, die ihr Revier auswendig kennen muss.

Die Künstlerhäuser von Vitte

Ein Spaziergang durch Vitte führt an mehreren Häusern vorbei, die nach früheren Bewohnerinnen benannt sind. Rund 900 Meter nördlich des Hafens steht das Asta-Nielsen-Haus „Karusel“: 1922/23 vom Berliner Architekten Max Taut für die Familie Müller gebaut, kaufte es 1929 die dänische Stummfilmschauspielerin Asta Nielsen und verbrachte hier mit ihrer Familie viele Sommer – unter den Gästen sollen auch Joachim Ringelnatz und Gerhart Hauptmann gewesen sein. Seit 1975 steht das Haus unter Denkmalschutz, 1989 erwarb es die Gemeinde von den Erben, 2014/15 wurde es saniert.

Das Henni-Lehmann-Haus, 1907 vom Schweriner Architekten Paul Ehmig entworfen, diente der Familie Lehmann bis 1937 als Sommervilla, danach der Gemeinde bis 1991 als Rathaus. Seit dem Jahr 2000 beherbergt es als Haus des Gastes eine Bibliothek und Veranstaltungsräume, benannt nach der Malerin Henni Lehmann, die den Hiddenseer Künstlerinnenbund mitbegründete.

Ihr gehörte einst auch die Blaue Scheune, ein niederdeutsches Hallenhaus vom Anfang des 19. Jahrhunderts, ursprünglich Scheune, Backstube und Wohnhaus eines Müller- und Bäckermeisters. Als letztes erhaltenes Rauchhaus der Insel zog der Rauch hier durch Ritzen im Dach statt durch einen Schornstein ab. Henni Lehmann erwarb das Haus 1920 und strich es blau; bekannt wurde es durch die Ausstellungen des Künstlerinnenbundes. Ab 1955 malte hier der Künstler Günter Fink, dessen Witwe Helga Fink bis zu ihrem Tod 2022 im Haus wohnte – seither ist die Blaue Scheune ein Museum.

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