Telsche

Logbuch eines Motorseglers

Blick über den Wieker Bodden nach Hiddensee, am Horizont der Dornbusch mit dem Leuchtturm, im Vordergrund Schilf

Wiek auf Wittow

Foto: Andreas Wolf 01, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ca. 150 Plätze EDEKA und Bäcker im Ort Fähre nach Hiddensee
Sebastian Küpers
Sebastian Küpers 16.08.2026 · 4 Min. Lesezeit

Wiek liegt auf Wittow, der Halbinsel im Norden Rügens, und hat etwas, das im Revier selten ist: einen Supermarkt und einen Bäcker im Ort. Wer die Boddenhäfen kennt, weiß, wie viel das wert ist – anderswo besteht die Versorgung aus einem Dorfladen oder einem Brötchenservice.

Der Hafen

Rund 150 Liegeplätze für Segelyachten an einer neuen Pier mit Heckpfählen. Die Sanitäranlagen gelten als sehr gepflegt, es gibt Waschmaschine und Trockner, WLAN beim Hafenmeister, einen E-Bike-Verleih und einen überdachten Grillplatz für etwa dreißig Personen – letzteres eine hübsche Idee für einen Abend mit mehreren Crews.

Genau genommen ist „Hafen Wiek“ zwei Anlagen: das Hafendorf im Nordbecken direkt an der Kreidebrücke und die Marina im Südbecken, mit je eigenem Betreiber und eigener Rufnummer. Ein Revierführer nennt für das Nordbecken 2,60 bis 3,00 Meter Wassertiefe, für das Südbecken 3,00 Meter – von uns nicht selbst nachgemessen, aber bei 1,30 Metern Tiefgang ohnehin unkritisch. Zur Liegegebühr ließ sich weiterhin nichts Belastbares finden; wer das genau wissen will, ruft am besten direkt bei einer der beiden Anlagen an.

Die Kreidebrücke

Der Hafen wurde 1890 für die Fischerei gebaut, diente aber vor allem einem anderen Zweck: dem Kreidetransport von Arkona. Davon steht noch die Kreidebrücke von 1914, 130 Meter lang und 4,5 Meter breit – einer der frühen Stahlbetonbauten der Ostseeregion und damit ein Stück Industriegeschichte, das man so an der Küste selten findet. In Betrieb ging sie nie: Der geplante Kreideabbau am Kap Arkona kam durch den Ersten Weltkrieg nicht mehr zustande, und danach stand dem Vorhaben der inzwischen erklärte Naturschutzstatus des Kaps entgegen.

2014 wurde sie für rund 2,3 Millionen Euro zur Promenade umgebaut. Von dort schaut man auf Hiddensee und nach Dranske. Wer vom Wieker Bodden kommt, hat sie ohnehin schon als Landmarke bei der Ansteuerung im Blick.

Im Ort und per Rad

Im Ort steht die St.-Georg-Kirche, deren Bau um 1400 mit dem Chor begann – eine der größten Hallenkirchen der Insel. Ihr barocker Altar von 1747/48, geschaffen von Michael Möller, zeigt nahezu lebensgroße Figuren der Evangelisten. Sehenswert sind auch die seit 1920 im Bauhausstil errichteten Kurkliniken im Ort.

Für eine Radtour lohnt sich das rund zwölf Kilometer entfernte Fischerdorf Vitt an Kap Arkona: dreizehn reetgedeckte Häuser, seit DDR-Zeiten als Flächendenkmal geschützt, weshalb dort nie Betonbauten entstanden sind. Ein Hinweis zur Einordnung: Immer wieder liest man, Vitt sei 1973 als einziger Ort der DDR ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen worden. Das kann nicht stimmen – die UNESCO-Welterbeliste gibt es erst seit 1978, ihre allererste deutsche Stätte war der Aachener Dom, ebenfalls 1978. Die tatsächliche, belegbare Geschichte ist trotzdem bemerkenswert genug: ein DDR-Fischerdorf, das dank früher Unterschutzstellung bis heute unverfälscht dasteht.

Von hier weiter

Ab dem Hafen fährt eine Fähre nach Hiddensee – praktisch für einen Tagesbesuch, ohne drüben einen der knappen Liegeplätze suchen zu müssen. Die Wittower Fähre über den Rassower Strom liegt acht bis zehn Fahrminuten entfernt.

Kap Arkona und die Schaabe sind von hier aus Ausflugsziele, und der Ankerplatz im Wieker Bodden liegt direkt vor der Tür – für den Fall, dass man lieber vor Anker als am Steg übernachtet.

Aus der Praxis: was Segler berichten

Der Hafen Wiek ist älter, als die Anlage vermuten lässt: Ende des 19. Jahrhunderts angelegt, Mitte der 1930er Jahre ausgebaut, ab 2001 modernisiert. Die heutige Marina wurde 2003 eingeweiht und ist auf bis zu 150 Sportboote ausgelegt. Wer nur die Kreidebrücke von 1914 kennt, übersieht, dass hier alles andere neu ist.

Am Platz gibt es eine kleine Werft und einen Bootsmotorenservice – zusammen mit dem EDEKA und dem Bäcker im Ort macht das Wiek zu einem der wenigen Häfen im Norden, in dem man sowohl den Proviant als auch eine Panne erledigen kann.

Eine Angabe bleibt offen, und wir schreiben sie bewusst nicht. Zur Liegegebühr ließ sich auch in dieser Runde nichts Belastbares finden – dazu weiter unten mehr. Bei 1,30 Metern Tiefgang ist die Wassertiefe in beiden Becken unkritisch; wer tiefer geht, ruft vorher direkt bei Marina oder Hafendorf an, nicht nur bei der Tourist-Information: 038391 76870. Eine geratene Zahl wäre hier gefährlicher als eine fehlende.

Häufige Fragen

Gibt es in Wiek einen Supermarkt?

Ja, einen EDEKA und einen Bäcker im Ort – das ist im Boddenrevier die Ausnahme. Am Hafen selbst gibt es zusätzlich eine Fischbude, ein Eiscafé und eine Pizzeria.

Wie tief ist der Hafen Wiek?

Dazu ließ sich keine belastbare Angabe finden, ebenso wenig zur Liegegebühr. Für Boote mit rund 1,30 Metern Tiefgang ist das erfahrungsgemäß unkritisch; wer tiefer geht, fragt vorher bei der Tourist-Information nach: 038391 76870.

Komme ich von Wiek nach Hiddensee?

Ja, ab dem Hafen fährt eine Fähre. Das ist oft praktischer, als drüben einen der knappen Gastliegeplätze zu suchen. Die Wittower Fähre über den Rassower Strom liegt acht bis zehn Fahrminuten entfernt.

Was hat es mit der Kreidebrücke auf sich?

Der Hafen wurde 1890 für die Fischerei gebaut und diente vor allem dem Kreidetransport von Arkona. Die Kreidebrücke von 1914 ist einer der frühen Stahlbetonbauten der Ostseeregion; 2014 wurde sie für rund 2,3 Millionen Euro zur Promenade umgebaut, mit Blick auf Hiddensee und Dranske.

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