Der Zicker See ist der am besten dokumentierte Ankerplatz auf ganz Mönchgut – und der am besten geschützte. Hinter einer nur 250 Meter breiten Einfahrt öffnet sich eine Fläche von rund 1.500 mal 800 Metern, an mehreren Stellen 2 bis 3,7 Meter tief. Wer einmal drin ist, liegt bei praktisch jeder Windrichtung ruhig. Hineinzukommen verlangt allerdings, an der richtigen Tonne abzudrehen.
Ankergrund und Schutz
Der Grund ist außen Feinsand, weiter innen Schlick mit hohem Schluffanteil – beides hält gut. Bemerkenswert: Im Umkreis von 1,2 Seemeilen sind nur dreizehn Steine verzeichnet. Das macht den Zicker See zum steinärmsten Ankerplatz im ganzen Revier, was bei Rügen keine Selbstverständlichkeit ist.
Beschrieben wird sehr guter Schutz bei allen Windrichtungen, lediglich bei starkem Westwind kommt etwas Schwell herein. Eine Gegenstimme aus der Praxis: Ein Vercharterer empfiehlt den Platz ausdrücklich bei Südwest und warnt bei Nordost vor einem „kurzen, unruhigen Stopp“. Beide Einschätzungen nebeneinander zu kennen, ist mehr wert als eine geglättete Aussage.
Ansteuerung
Der Durchgang vom Bodden ist die Herausforderung: nur 250 Meter breit, die Fahrrinne darin knapp 30 Meter und laufend baggerbedürftig. Außerhalb der Betonnung fällt die Tiefe schnell unter einen Meter, dazu stehen Stellnetze der Fischer. Bis kurz vor den Ankerplatz gilt also ohne Wenn und Aber: im Fahrwasser bleiben.
Der Abzweig selbst ist der Punkt, an dem es schiefgehen kann. Das betonnte Fahrwasser kommt von Thiessow nach Nordwesten herauf und schwenkt an der Engstelle zwischen Kirkenort im Norden und der Landspitze Klein Zicker Ort im Süden nach Westen ab, weiter Richtung Kaming. Der Ankerplatz liegt südlich davon, und die tiefe Rinne dorthin geht genau am Tonnenpaar T 5 (grün) und T 6 (rot) ab: rund 190 Meter auf etwa 140 Grad. Breit ist sie nicht, auf der Karte gut hundert Meter.
Wer zu früh abdreht, sitzt. Südlich des Fahrwassers, westlich von T 5, zeigt die Karte 0,7 und 0,6 Meter – gut hundert Meter neben der Stelle, an der 3,7 Meter stehen. Zwischen tief genug und aufgelaufen liegt hier kaum eine Schiffslänge Versatz.
Was rechtlich gilt – und das ist hier entscheidend
Der Zicker See liegt vollflächig in Schutzzone II des Biosphärenreservats Südost-Rügen. Grundsätzlich ist das Befahren außerhalb der Fahrwasser dort untersagt. Es gibt aber eine Ausnahme, die die Verordnung eigens für Sportfahrzeuge geschaffen hat: In Höhe der Zickersee-Einfahrt darf man vom Fahrwasser aus bis zu 200 Meter nach Norden oder Süden am Westufer entlang – bei mindestens 100 Metern Uferabstand.
Genau in diesem Korridor liegt ein eingetragener Ankerplatz mit zwei Dalben, rund 166 Meter vom Ufer. Das passt exakt.
Eine Frage bleibt offen, und sie ist wichtig: In den Schutzzonen I und II ist das Nächtigen außerhalb fester Gebäude verboten. Ob das auch das Übernachten an Bord erfasst, ist nicht abschließend geklärt. Wer hier eine Nacht bleiben will, fragt das Biosphärenreservatsamt in Putbus. Und: Rechtlich maßgeblich ist immer die amtliche BSH-Seekarte, nicht die Karte im Faltblatt.
Dazu gehört, was man vor Ort sieht: Am Zicker See liegen an Sommerabenden regelmäßig Boote über Nacht, genau wie in der Having. Ein Rechtsgrund wird daraus nicht – was viele tun, macht nichts erlaubt. Es ist aber ein Hinweis darauf, dass die Frage in der Praxis nicht so eindeutig behandelt wird, wie der Verordnungstext klingt, und dass uns keine Auslegung bekannt ist, die das Schlafen an Bord ausdrücklich erfasst.
Gustavia: der Hafen, der nie gebaut wurde
Die alten Dalben im Ankerplatz sind ein Rest von etwas Größerem. 1806 vermaßen die schwedischen Offiziere Boye und Gripenberg den Zicker See mit dem Auftrag zu prüfen, ob sich hier ein Kriegshafen anlegen ließe. Im Bericht vom August 1806, mit einem Stadtplan von Oberstleutnant Baron Sparre, beschrieben sie das Becken als geeignet für 300 bis 400 Schiffe – als Basis eines Hafenorts, der den Namen „Gustavia“ tragen sollte. Aus den Napoleonischen Kriegen und der Besetzung Rügens wurde nichts daraus: 1811 zerstörten französische Truppen die bereits errichteten oberirdischen Anlagen. Geblieben ist der Zicker See als das, was er vorher war und bis heute ist: ein Zufluchtsort für Schiffe, kein Hafen.
An Land in Klein Zicker
Am Ortseingang von Klein Zicker, direkt am Bodden, liegt der Imbiss „Am Bodden“ – ab Ostern geöffnet, für Fischbrötchen und Kaffee mit Blick aufs Wasser. Der Ort selbst ist klein: Campingplatz „Surfoase Mönchgut“ und ein Wassersportzentrum machen die Südspitze Mönchguts zu einem der beliebteren Spots für Surfer und Kiter der Insel. Ein Rundwanderweg führt weiter zu den Zickerschen Bergen mit Blick über Mönchgut und den Greifswalder Bodden.
Der Zicker See ist der geschützteste Platz auf Mönchgut, aber nicht der einzige: Der Hafen Thiessow liegt am selben Gewässer, die Hagensche Wiek nördlich davon – und bei leichtem Ostwind lohnt die Steilküste bei Groß Zicker mehr als jeder von beiden.
Häufige Fragen
Darf man im Zicker See ankern?
Der Zicker See liegt vollflächig in Schutzzone II. Für Sportfahrzeuge gibt es eine ausdrückliche Ausnahme: In Höhe der Einfahrt darf man vom Fahrwasser aus bis 200 Meter nach Norden oder Süden am Westufer entlang, bei mindestens 100 Metern Uferabstand. Dort liegt auch ein eingetragener Ankerplatz mit zwei Dalben.
Darf man dort über Nacht bleiben?
Das ist die offene Frage. In den Schutzzonen I und II ist Nächtigen außerhalb fester Gebäude verboten; ob das Übernachten an Bord darunterfällt, ist nicht geklärt. Vor einer Übernachtung beim Biosphärenreservatsamt Südost-Rügen nachfragen.
Wie tief ist der Zicker See?
An mehreren Stellen 2,0 bis 3,7 Meter. Die Einfahrt ist der Engpass: nur rund 250 Meter breit, die Fahrrinne darin knapp 30 Meter und laufend baggerbedürftig. Der Abzweig zum Ankerplatz geht am Tonnenpaar T 5/T 6 nach Südost ab – westlich davon zeigt die Karte südlich des Fahrwassers 0,6 und 0,7 Meter.
Wie ist der Ankergrund?
Außen Feinsand, weiter innen Schlick mit hohem Schluffanteil – beides hält gut. Im Umkreis von 1,2 Seemeilen sind nur dreizehn Steine verzeichnet, das ist der steinärmste Platz im Revier.

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