Während Telsche noch ohne Masten im Yachthafen Schmöckwitz in Berlin stationiert war, habe ich mehrmals auf dem Müggelsee geankert und übernachtet – und diese Anker Erlebnisse zählen mit zu den schönsten, die ich rund um Berlin hatte.
Der große Müggelsee ist mit 7,4km2 Wasserfläche der größte Berliner See gelegen im Osten der Stadt. Ich bin eines Freitags Abends nach Feierabend gemeinsam mit einem guten Freund mit Telsche rausgefahren, um im Sonnenuntergang zu Grillen und einfach einen gemütlichen Abend an Bord zu haben.

Der Keilriemen gab auf den ersten Metern sein üblichen Quietschen von sich und dann tuckerte Telsche mit uns entspannt über den Seddinsee und Gosener Kanal in die Müggel Spree.
Auf der Müggel Spree am Ende eines langen Sommer Tages unterwegs zu sein, ist wie über einen Rummel zu laufen. Man schiebt sich durch die Massen von Wassersportlern, die irgendwie auf dem Weg nach Hause oder Richtung Müggelsee unterwegs sind.
Kanufahrer, Stand-Up Paddler, unzählige kleine Motorboote mit Außenbord Motor, Hausboote mit angetrunkenen Crews am Feiern, Kindern in Schlauchbooten, große Motoryachten bei denen man sich fragt, was sie auf Binnengewässern verloren haben und selbst mit Tretbootfahrern ist hier zu rechnen.
Links und rechts die Zahlreichen Gartengrundstücke von „Neu-Venedig“ mit ihren kleinen privaten Liegeplätzen, Stegen, Bootsgaragen und vor allem den unzähligen sehr flachen Kanälen, die von der Müggelspree abzweigen und jedem Grundstück Zugang zum Wasser gewähren.
Hat man diesen Slalom überstanden öffnet sich nach dem DRLG Turm auf Backbord die Weite des Müggelsees und die breite Fahrrinne, die einmal über den See führt und die Boote mit Motorantrieb nicht verlassen dürfen.

Wenn man auf dem Müggelsee ankert, muss man es einer Meinung nach exakt in der Mitte des Sees tun. Nur dann hat man am frühen Morgen das unvergleichliche Erlebnis mitten auf diesem großen See zu liegen.
Der Haken ist aber, dass wir ja die Fahrrinne nicht verlassen durften. So suchten wir uns einen Platz genau auf der Linie zwischen zwei roten Bojen der Fahrrinne und versucht uns so zu platzieren, dass die Wasserschutzpolizei – die hier häufig patrouilliert – keinen Grund zum Meckern hat, man aber auch kein wirkliches Hindernis in der Fahrrinne darstellt.
Sobald der Anker festgefahren war hüpften wir zur Abkühlung noch einmal ins erfrischende Nass und machten uns danach gleich daran den Gasgrill am Heck von Telsche aufzubauen.
So kurz vor Sonnenuntergang sind dann nur noch wenige Boote auf dem Müggelsee auszumachen und man erkennt schon auf Anhieb wer alles den gleichen Plan hat, hier heute eine Nacht vor Anker zu verbringen.

Brav an der Fahrrinne zu Ankern hat nur einen großen Haken: die Fahrrinne ist auch der einzige Ort auf den östlichen Berliner Gewässern, wo Motorboote mehr als 10 Km/h fahren dürfen. Das führte beim Grillen immer wieder dazu, dass wir zu zweit stark damit zu kämpfen hatten, dass weder Grillgut noch Bier über Bord geht, wenn noch ein Boot mit Vollgas durch die Fahrrinne am späten Abend saust und dabei Wellen wir wie auf der Ostsee produziert.
Wir schlüpften mit vollem Magen in die Achterkoje von Telsche und dank Wechselrichter und HD Fernseher schauten wir uns noch einen Film nach Sonnenuntergang an, bevor es endgültig in die Kojen ging.
Die Nacht war ruhig und eines der schönsten Dinge beim Ankern für mich ist, dass man auf ganz natürliche Art und Weise von den ersten Sonnenstrahlen geweckt wird, wenn die Dunkelheit verschwindet und man mit einem Blick durch die Luke erkennt, dass der Himmel langsam von Schwarz in ein dunkles blau übergeht und die Sterne beginnen zu verblassen.
Ich wachte vermutlich irgendwann zwischen 4 und 5 Uhr morgens auf und als ich mich ins Steuerhaus von Telsche verholt habe, erwartete mich folgender Anblick:

Ein langer rot orangener Streifen tauchte am Horizont auf und draußen war es noch schön kühl von der Nacht. Ich schnappte mir kurzer Hand meinen Schlafsack und entschloss den Rest des morgens an Deck zu verbringen, um den Sonnenaufgang zu geniessen.


Anfangs habe ich mich noch tief im Schlafsack vergraben, doch mit jeder Stunde die verging und die Sonne weiter hervorkam, um so wärmer wurde es und am Ende war es so heiß, dass ich mich wieder freiwillig unter Deck begab, um den ersten Kaffee des Tages zu kochen.

Die Zeit alleine an Deck in absoluter Ruhe ist wirklich einzigartig und so auch nur beim Ankern zu erleben. Das Wasser ist Spiegel glatt und wird lediglich von Vögel unterbrochen, die zur Landung ansetzen oder von Fischen die kurz die Oberfläche streifen. Die Bewegungen und das schwojen des Bootes ist fast komplett zum erliegen gekommen und mitten in diesem Naturschauspiel mit dem eigenen Boot zu ankern, bestätigt einem alles richtig gemacht zu haben, als man sich entschieden hat Bootseigner zu werden.
Der nächste Sommer steht nun vor der Tür und ich kann nur jedem mit einem Boot rund um Berlin empfehlen einmal den Weg auf den Müggelsee zu finden und dort exakt in der Mitte des Sees den Anker zu werfen und eine Nacht zu verbringen.

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