Eine ungemütliche Nachtfahrt

Das war eine abenteuerliche Nachtfahrt. Halleluja! Wir haben Swinemünde in der Fahrrinne verlassen und sind raus in dunkle Nacht.

Was wir nicht bedacht hatte : durch den ordentlichen Ostwind der letzten Tage stand noch knapp ein Meter Welle aus Nordost und das gepaart mit 5 Knoten und weniger Wind war eine üble Kombination.

Wir sind ca. 90 Minuten mit Kurs auf Bornholm gegen die Wellen angestampft, aber uns wurde klar, dass wir das jetzt nicht 18 Stunden durchhalten werden.

Die erste Vomex wurde einem Crewmitglied gereicht, welches auch keine 20 Minuten später in der Koje verschwand und den Rest der Nachtfahrt durchschlief. 

So entschieden wir uns kurzer Hand lieber mit den Wellen Richtung Sassnitz für die nächsten 10 Stunden abzulaufen. Wir tauschten Stampfen gegen Rollen und für ein paar Stunden auch den Motor gegen Segel, da der leichte Wind uns mit den Wellten von Achtern immerhin noch mit 4,5 Knoten durch die komplette Finsternis schob.

Ich bin vor gut 25 Jahren das letzte mal bei Nacht gesegelt. Damals von Italien rüber nach Elba im Sommer. Ich hatte es in romantisch verklärter Erinnerung. Sternen klare Nacht, hier und da Lichter von anderen Booten und wundervolle sommerliche Abendluft an Deck.

Gestern war das exakte Gegenteil. Es war super kalt trotz Deckhaus – der Refleks Ofen ging aus und bei dem Wellengang wollte niemand unter Deck länger als 2 Minuten verbringen, um ihn wieder anzuwerfen – ich konnte draußen nix anderes als meine Positionslaternen schwach erkennen und dann zog auch noch dichter Nebel auf.

Ohne Radar, Kartenplotter und AIS wäre das nicht möglich gelesen. Wir passierten noch die eine oder andere Boje, ein paar Frachtschiffe auf Rede und sahen das AIS Signal von einem Rettungskreuzer vor Sassnitz.

Wirklich keinerlei optische Referenz mehr zu haben und nur noch auf den Kompass zu schauen und nach Gefühl mit den Wellen zu steuern geht auch definitiv auf den Magen. Nach 4 Stunden hat es mich gerissen und ich musste kurz die Fische füttern. Danach war aber alles wieder fein und eine Tüte Chips wirkte ihre Wunder. 

Wir waren heilfroh als knapp 10 Stunde nach dem Verlassen von Swinemünde langsam gegen 5:30 nicht nur das Licht zurück kam, sondern auch das Leuchtfeuer vom Stadthafen Sassnitz vor uns auftauchte und wir endlich festmachen und müde in die Kojen kriechen konnten.

Weiter mit Tag 5: Endlich Segeln bei Sonnenschein oder Du schaust in Telsches Logbuch, wo Du eine Übersicht über alle Abenteuer findest.


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2 Gedanken zu “Eine ungemütliche Nachtfahrt

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