Endlich Segeln bei Sonnenschein

Nach den Strapazen der Nachfahrt hat heute der Tag wieder alles gut gemacht. Es ging damit los, dass die Bunkerstation in Sassnitz extra für uns die Pforten geöffnet hat, damit wir unseren Dieseltank auffüllen konnten.

Direkt neben dem U-Boot im Hafen ging es längs zur Bunkerstation und wir hatten einen sehr unterhaltsamen Schnack mit dem Personal über die Tatsache wie ungewöhnlich es für diese Jahreszeit ist, dass jemand anruft und einen Motorsegler betanken möchte.

Wir haben gut 70 Liter Diesel von Berlin nach Sassnitz verbraucht. Gerechnet gegen die Motorstunden ergibt das ca. 2,3 Liter pro Stunde. Und das bei häufig laufendem Refleks Ofen. Ganz gut. Auch wenn man sagen muss, dass der Ofen uns mehrmals im Stich gelassen hat und sich von seiner zickigen Seite zeigte.

Ich denke dass beim Verbrauch sich hier auch bereits das Motorsegeln bezahlt gemacht hat, was uns erlaubt hat mit wesentlicher geringer Drehzahl bei gleicher Geschwindigkeit voranzukommen. Was wir sonst mit 3.600 Umdrehungen mit meinem alten VW Golf 2 Diesel in Telsche machen, geht auch auf einmal mit 2.200 Umdrehungen und gesetzten Segeln.

Mit vollem Tank ging es dann wieder auf in den dichten Nebel, der sich einfach nicht lichten wollte. Radar und AIS gaben ihre Warnsignale von sich. Es wurde mit dem Kompass navigiert. So suchten wir uns den Weg durch die Trübe Suppe der Prorer Wiek und motorten erstmal gegen den leichten Wind in Richtung Mönchsgut.

Zum Glück hatte sich der Wellengang komplett beruhigt und wir hatten vielleicht noch 0,2 Meter Welle. Das fühlte sich gleich viel besser an als das was wir die Nachtfahrt zuvor erlebt haben. Uns wurde aber auch klar, dass sich hier auch die Nachteile der Motorsegler Bauweise von Telsche schlichtweg bemerkbar machen.

Durch das Ruderhaus mit seiner sehr hohen Sitzposition über der Wasserlinie ist man einfach viel anfälliger fürs Schaukeln, als jemand der im tiefen Cockpit einer klassischen Segelyacht sitzt. Setzte man sich heute bei Telsche unten in den Salon spürte man fast gar keinen Wellengang mehr.

Wir dachten schon, dass uns der Nebel niemals mehr verlassen würde und setzten Kurs auf den Greifswalder Bodden. Und dann kam sie: die Sonne. Sie brach erst hier und da durch den Nebel. Wir konnten erstmalig auf diesem Törn ein wenig Küstenlinie von Rügen entdecken und als wir vollkommen auf dem Bodden angekommen waren, war es auf einmal fast wie Sommer!

Die Sonne schien herrlich, das Meer war plötzlich Spiegelglatt und eine leichte Briese von 3-5 Knoten schob Telsche zusätzlich zum Motor übers Wasser.

Sogleich wurde eine provisorischer Autopilot installiert und die gesamte Crew saß draussen in der Sonne und kontrollierte den Kurs alle paar Minuten per Blick durchs Fenster.

Es gibt doch nichts schöneres als ein wenig Wind in den Segeln, die Sonne im Gesicht und eine glatte Wasseroberfläche unterm Bug zu haben. Vergessen waren die 10 Stunden Stampfen und Rollen durch die dunkle Nacht. Vergessen war der Nebel, die Kälte und der mangelnde Wind der letzten Tage.

So hatte ich mir das vorgestellt mit Telsche auf der Ostsee! Wir suchten uns unsere Route vorbei an der Insel Vilm und dann auf in den leeren Hafen „Im Jaich“ von Lauterbach, der ab jetzt der neue Heimathafen von Telsche sein wird.

Das Anlegen bei Seitenwind in den für die Ostsee typischen Boxen mit Dalben will zwar erstmal noch geübt werden, aber ich bin schon jetzt sehr happy nach einem Jahr der Vorbereitungen in Berlin endlich dort angekommen zu sein, wo ich immer mit einem Boot hinwollte: auf der Ostsee.

Ich habe jetzt noch zwei Tage übrig. Meine Crew hat mich heute Abend verlassen und morgen steht ganz im Zeichen des Einhandsegelns. Bin gespannt wie ich hier alleine wieder aus der Box raus und rein kommen werde. Wenn der Wettbericht für morgen stimmt, sollte es aber ein toller Segeltag auf dem Bodden werden.

Weiter mit Tag 6: Einhand auf dem Bodden unterwegs oder Du schaust in Telsches Logbuch, wo Du eine Übersicht über alle Abenteuer findest.


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