Einhand auf dem Bodden unterwegs

Heute war mein letzter voller Segeltag auf Telsche. Nachdem meine Crew gestern Abend abgereist war, hiess es heute: Einhandsegeln!

Es gab heute bis zu 10 Knoten aus Südwest über den Greifswalder Bodden und das lied ein einfach mal den ganzen Tag konsequent den Motor aus zu lassen und in aller Ruhe die Segeleigenschaften von Telsche zu erproben. Heute musste keine Strecke zurückgelegt werden. Gemütlichen Segeln stand im Vordergrund – ganze ohne jeglichen Zeitstress, irgendwo ankommen zu müssen..

Dazu musste ich vorerst allerdings alleine aus der Box. Am Vorabend habe ich mir noch unzählige Youtube Videos zum Thema „Einhand in die Box“ angeschaut und dabei wirklich gute Tipps bekommen. Ich hatte einen klaren Plan, wie ich wieder alleine reinkomme.

Um aber auch kontrolliert rauszufahren fehlen mich ausreichend lange Leinen. Mein längster Festmacher ist 15 Meter lang, bei gut 9 Meter Boot und vermutlich 12 Meter langer Box. Ich brauche daher eigentlich 2x 25-30 Meter Leine, mit ich mich kontrolliert bei eingekoppeltem Motor auf zwei Seiten auf Slip über die Winschen rausfieren kann. Die Leinen werden jetzt bestellt.

Ich hatte aber Glück und es war de-facto windstill im Hafen heute früh. Einfach alle Leinen losgeworfen und entsprechend abgedrückt. Noch ohne Nachbarn links und rechts ging das auch mal gut.

Ich habe dann alle Segel gesetzt und mir fest vorgenommen nicht aus Ungeduld einfach den Motor zu starten. Selbst wenn ich nur mit 2 Knoten oder weniger dahin dümpeln würde.

Es ging dann aber gut los und auf Halbwind Kurs lief Telsche gut 4 Knoten bei 8 Knoten Wind. Das macht mich mehr als froh und lässt das Segler Herz höher Schlagen. Meine Erwartungen waren nicht all zu hoch bei einem schwerfälligen Motorsegler mit entsprechend kleiner Segelfläche.

Worüber ich heute wirklich erstaunt war: wie kursstabil Telsche unter Segeln läuft. Einmal getrimmt, kann ich das Ruder einfach loslassen und Dank der schwerfälligen Langkiel Bauweise + Ketsch Rigg, bleibt Telsche dann einfach auf Kurs, bzw. folgt sogar einfach dem Wind bei kleinen Veränderungen.

Ich hab mir dann vorgenommen zu schauen ob ich es schaffe nach Greifswald hoch zu kreuzen. Kreuzen ist im Prinzip die Achilles Ferse von diesem Boot. Es ist einfach unmöglich mit Telsche hoch am Wind zu laufen und nach vielem Probieren musste ich heute feststellen: bei 60 bis max. 50 Grad am Wind ist bereits Schluss!

Damit kommt man gegen den Wind nicht weit und macht Kreuzen nicht wirklich praktikabel. Aber man soll ja eh am Besten dahinsegeln, wo der Wind einen hinweht und flexibel in der Routenplanung sein 😉

Ich wollte eigentlich vor unserer Reise noch einen Autopiloten System von Raymarine in Telsche verbaut haben. Habe das aber leider alles nicht mehr in Berlin geregelt bekommen Anfang des Jahres.

Umso toller war es, dass ich heute trotzdem Autopiloten Feeling hatte. Ich konnte gemütlich auf den Sitzbänken im Steuerhaus rumlümmeln, Kaffee kochen, mir Brote schmieren, meine Festmacher Leinen überprüfen, Lesen und andere Dinge tun, während Telsche im Schnitt mit 3 Knoten gegen den Wind Richtung Greifswald ankreuzte.

Die Wenden gelangen mir auch von mal zu mal besser. Einmal kurz vor der Wende abzufallen, um einen Knoten mehr Speed zu machen und dann die Genua kurz back stehen lassen, wirkt wunder und verhindert dass man beim Drehen im Wind einfach aufstoppt.

Diese Reise war ja auch erstmalig geprägt davon, dass wir endlich Funk an Bord haben. Kanal 16 war natürlich permanent eingestellt und ich könnte mich immer wieder darüber beömmeln wie weit hier Theorie und Praxis auseinander liegen. Was mussten wir für diese Funkzeugnisse alles lernen und wie wenig hält sich in der Praxis jemand an diese formalen Prozeduren.

Der Funkverkehr der stattfindet ist häufig wirklich schwer zu verstehen, extrem kryptisch und meisten schaut man nur verwundert aufs Funkgerät und denkt sich: „was war das jetzt wieder?“

Das Wetter war heute ansonsten eher bescheiden. Bis in den Nachmittag war es stark bewölkt und immer noch leicht nebelig in Ufer Nähe. Erst später bahnten sich erste Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Immerhin bekam ich noch einen hervorragenden Sonnenuntergang im Hafen präsentiert.

Doch zuvor musste noch die Box bezwungen werden. Ich hatte mich für die Taktik entschieden einfach seitlich an die eigene Box ranzufahren und dann letztendlich eine Leine von Achtern gemütlich über die Dalbe zu legen und mir diese mittig an meine Winsch auf höhe der Türen vom Deckshaus zu holen., Wenn man dann rückwärts eindampft dreht sich das Boot langsam um die Dalbe.

Sobald man mit dem Heck in der Box ist einfach noch eine Leine von achtern über die andere Seite ausbringen und dann stand ich im Prinzip im Deckshaus mit zwei Leinen in der Hand, die über meine Winschen liefen, hatte den Rückwärtsgang eingekoppelt und konnte spielend einfach Telsche super kontrolliert alleine in die Box steuern, indem ich langsam immer mehr Leinen gegeben habe.

Sobald ich dann mit dem Heck fast am Steg war, beide Leinen kurz belegen. Zum Heck gehen. In Ruhe zwei leinen an Land festmachen. Dann vorwärts Einkoppeln und den Druck auf die gerade angebrachten Leinen geben. Dann einfach die Hilfsleinen entfernen und die richtigen Leinen vom Bug über die Dalben. Und fertig! Alleine in der Box.

Das hat heute entgegen meiner Befürchtung so dermaßen gut funktioniert, dass ich erstmal ein kleines Freudentänzchen auf dem Steg abgehalten habe. Gibt doch nichts schöneres wie ein gelungenes Einhand Anlegemanöver!

Und damit kommt auch leider diese Reise ihrem Ende entgegen. Wir haben alle wieder unwahrscheinlich viel gelernt auf diesem Törn und ich kann es kaum erwarten diese Saison endlich die Ostsee zu erkunden. Aus Bornholm wurde im ersten Anlauf zwar noch nix, aber das steht diesen Sommer fest auf dem Reiseplan.

Wir werden sicher viel Rund um Rügen unterwegs sein, Dänemark erkunden, vielleicht schon mal einen Abstecher nach Schweden wagen und der nächste konkrete Trip steht schon bald an: ein Treffen von deutschen Fisher Besitzern in Laboe. Das wird vermutlich mein erster mehrtägiger Einhand Törn rund um Pfingsten.

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