Nicht jeder hat zwei Wochen. Wer freitags nach der Arbeit losfährt und sonntagabends wieder am Steg liegen muss, hat auf Rügen trotzdem mehr Möglichkeiten als in den meisten deutschen Revieren – vorausgesetzt, man legt die Achse richtig.
Warum Nord-Süd der Trick ist
Der Wind kommt hier meistens aus West oder aus Ost – aus Nord oder Süd weht es selten. Wer sein Wochenende auf einer Nord-Süd-Achse plant, hat ihn deshalb fast immer quer, und zwar auf beiden Schenkeln. Man muss am Freitag nicht wissen, was am Sonntag weht: Beide häufigen Richtungen liegen halbwind.
Entscheidend ist dabei das oder. Bei einer verlässlichen Westlage könnte man auch nach Westen aufbrechen und hätte den Rückweg raum. Weil hier aber beide Richtungen vorkommen, wird eine Ost-West-Achse zum Glücksspiel – und bei drei Tagen kostet eine Kreuz sofort einen davon. Der Sonntag ist der Tag, an dem man ankommen muss.
Der Freitag ist kurz
Von Lauterbach nach Thiessow sind es rund zehn Seemeilen quer über den Greifswalder Bodden. Das ist eine Strecke, die man auch mit spätem Start noch bei Licht schafft. Zwei Dinge sprechen für Lauterbach als Ausgangspunkt: Es liegt gleich am tiefen Wasser, und man fährt ohne Brücke los – anders als in Stralsund, wo die Ziegelgrabenbrücke den ersten Tag bestimmt.
Die Ansteuerung von Thiessow ist die anspruchsvollste des Törns: schmales Fahrwasser, gemeldete Mindertiefen. Ab 1,90 Metern Tiefgang läuft man dort nur bei steigendem Wasser an – wer tiefer geht, nimmt Gager oder ankert im Zicker See.
Der Samstag trägt den Törn
Von Mönchgut nach Greifswald-Wieck sind es rund siebzehn Seemeilen über den Bodden. Wieck ist ein Fischerdorf an der Mündung des Ryck: hölzerne Klappbrücke von 1887, Räucherei und Kutter am Kai, Fischrestaurants direkt am Hafen. Es war das Ziel unseres allerersten Wochenendtörns mit Telsche, und dafür ist es bis heute die richtige Adresse.
Der entscheidende Punkt: Gastlieger machen vor der Brücke fest. Man braucht also keine einzige Öffnung – und genau deshalb steht hier Wieck und nicht der Museumshafen. Der ist mit über fünfzig historischen Schiffen die schönere Adresse, liegt aber hinter der Klappbrücke und fünf Kilometer den Ryck hinauf. Auf einem Wochenende bedeutet das: warten auf die Öffnung, hin, und am Sonntagmorgen dasselbe zurück. Das kostet einen halben Tag von dreien. Wer die Zeit hat, hängt ihn dran – wer sie nicht hat, bleibt in Wieck und fährt mit dem Rad in einer Viertelstunde am Ryck entlang in die Altstadt.
Wem auch Wieck noch zu viel Hafen ist, der ankert in der Dänischen Wiek – schöner Platz, aber kein Abend an Land. Zum Tanken taugt beides nicht: Für Greifswald-Wieck ließ sich eine Bootstankstelle nicht belegen, das Hafenamt nennt nur Frischwasser. Wer Diesel braucht, plant Stralsund oder Kröslin ein – siehe unseren Überblick zum Tanken auf Rügen.
Der Sonntag ist der kürzeste
Zurück nach Lauterbach sind es rund siebzehn Seemeilen, und man kann losfahren, wann man will – keine Brücke, auf die man warten müsste. Das ist bewusst so gelegt: Der Rückweg soll der Tag sein, an dem nichts schiefgehen kann. Wer früh los ist, liegt am Nachmittag am Steg.
Das hier ist kein Törnplan
Diese Seite ist eine Idee, kein Fahrplan. Die Stationen sind nach einem Kriterium ausgewählt und in eine Reihenfolge gebracht, die sich anbietet – wie viele davon in deinen Törn passen, hängt von deiner Zeit, deinem Tiefgang und vor allem vom Wind ab. Die Angaben zu Dauer und Distanz im Steckbrief sind Größenordnungen zum Abschätzen, keine Vorgabe.
- Umdrehen: Bei Ostwind lohnt es, den Törn andersherum zu fahren – erst Wieck, dann Thiessow. Die Achse bleibt dieselbe, der Halbwindkurs auch.
- Verlängern: Wer den Montag noch hat, nimmt die Brückenöffnung und den Museumshafen doch mit – oder schiebt Seedorf dazwischen. Aus dem Wochenende wird dann eine kleine Runde durch den Südosten.
- Wie man daraus einen eigenen Törn baut – Zeit, Tiefgang, Startpunkt, Brücken – steht im Törn-Guide. Dort steht auch, wie sich die vier Ideen mischen lassen.

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