Alle Häfen dieser Übersicht haben wir mit Telsche selbst angelaufen – hier sammeln wir sie mit Seekarte, Steckbrief und unseren Törnberichten. Und darunter: unser wachsender Hafen-Guide für die Runde.
Welcher Hafen passt zu welchem Törn?
Rund Rügen gibt es erstaunlich viele Häfen auf erstaunlich wenigen Seemeilen – und sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Nach inzwischen einigen Runden mit Telsche sortiere ich sie für mich so:
Für Familien und entspannte Tage: Lauterbach ist unser Heimathafen und für uns der beste Ausgangspunkt – geschützt im Rügischen Bodden, mit dem Rasenden Roland vor der Tür und kurzen Wegen nach Putbus. Thiessow im Mönchgut ist unser Klassiker für Tagestörns: klein, flach, unaufgeregt, mit dem alten Lotsenturm als Ziel für den Landgang.
Für Stadt, Kultur und Verpflegung: Die Citymarina Stralsund liegt direkt vor der Altstadtkulisse – Ozeaneum, Backsteingotik und Fischbrötchen in Fußweite. Wer Proviant bunkern oder Crewwechsel machen will, ist hier richtig.
Für die Ostsee-Etappen: Sassnitz ist der klassische Stopp an der Ostküste – unterhalb der Kreidefelsen, mit langer Mole und der Möglichkeit, Diesel zu bunkern. Glowe an der Schaabe ist der letzte gute Halt vor Kap Arkona und hat uns schon großartige Sonnenuntergänge geschenkt.
Für die Entschleunigung: Vitte auf Hiddensee. Keine Autos, viel Himmel, und abends wird die Insel wieder den Einheimischen und Seglern gehört. Für viele – auch für uns – der Sehnsuchtsort der Runde.
Ansteuerung: Was du in den Bodden wissen musst
Brücken, die den Törnplan bestimmen
Zwei Brücken im Revier öffnen nur zu festen Zeiten – und wer sie verpasst, wartet Stunden. Beide Male lohnt es, das in die Etappenplanung einzubauen.
- Stralsund, Ziegelgrabenbrücke: täglich um 05:20, 08:20, 12:20, 15:20, 17:20 und 21:30 Uhr, jeweils höchstens 20 Minuten. Man muss sich rund zehn Minuten vorher in Leitwerknähe oder bei den Wartedalben zeigen, sonst öffnet sie nicht. Geschlossen bietet sie 6 Meter Durchfahrtshöhe.
- Greifswald-Wieck, Klappbrücke: in der Hochsaison stündlich zwischen 9 und 20 Uhr, außer um 12. Im Winter nur nach Voranmeldung am Vortag. Sie öffnet nur bei Bedarf und nur bis Windstärke 7 – und wird bis heute von Hand bedient. Die Vorfahrt regelt eine Lichtsignalanlage: zweimal Rot heißt gesperrt und Öffnung bei Bedarf, einmal Rot die eigene Seite gesperrt, einmal Grün freie Fahrt. Während des Greifswalder Fischerfests am 18. und 19. Juli 2026 öffnet sie nur viermal täglich.
Beide Angaben stammen aus den amtlichen Bekanntmachungen. Kurzfristige Änderungen kommen trotzdem vor, deshalb vor dem Törn kurz auf ELWIS schauen.
Zwei Häfen, wo man einen vermutet
Ein Detail, das kein Hafenführer sauber trennt und das schon manchen an den falschen Steg geführt hat: In Vitte gibt es zwei Häfen – den Kommunalhafen und rund 500 Meter nördlich den privaten Yachthafen Lange Ort, der eigentlich der Seglerhafen ist. Und in Lauterbach ebenso: die große im-jaich Marina und westlich davon den Stadthafen der Stadt Putbus.
Wichtig fürs Bunkern: Diesel und Fäkalienentsorgung gibt es in Lauterbach im Stadthafen, nicht in der Marina. Viele vermuten es andersherum.
Das Revier rund Rügen ist flach – und genau das macht es so geschützt und familienfreundlich. Mit Telsches 1,30 Meter Tiefgang kommen wir fast überall hin, aber ein paar Dinge haben wir gelernt:
- Im Fahrwasser bleiben: Die Bodden sind gut betonnt, aber außerhalb der Fahrwasser wird es schnell einstellig in Dezimetern. Die Karte ist hier kein Vorschlag, sondern Pflicht.
- Brückenzeiten Stralsund einplanen: Die Ziegelgrabenbrücke öffnet zu festen Zeiten – wer die Öffnung verpasst, wartet. Wir kennen das Warten vor der Brücke inzwischen gut; aktuelle Öffnungszeiten vorher prüfen.
- Wind gegen Bodden: Bei auflandigem Starkwind bauen die flachen Bodden eine kurze, steile Welle auf. Wir waren mit Telsche schon bei 7 Beaufort unterwegs – machbar, aber nichts, was man sich zweimal wünscht.
- Hochsaison heißt voll: In Vitte und Sassnitz kann es im Juli und August eng werden. Früh ankommen oder flexibel bleiben.
Gastliegeplätze & Ausstattung
Die Preise liegen im für die Ostsee üblichen Rahmen und hängen von Saison und Bootslänge ab – konkrete Zahlen ändern sich jährlich, deshalb stehen sie hier bewusst nicht. Grundsätzlich gilt: Sanitär, Strom und Wasser gehören überall zum Standard, die Unterschiede liegen im Drumherum. In Lauterbach gibt es die Wasserferienwelt mit schwimmenden Ferienhäusern, in Stralsund die Stadt, in Vitte die Insel. In den kleinen Häfen wie Thiessow gilt: freie Box mit grünem Schild suchen, festmachen, beim Hafenmeister melden – unkomplizierter geht es kaum.
Die beste Zeit für die Häfen rund Rügen
Unsere Saison läuft von April bis Oktober. Mai, Juni und September sind für uns die schönsten Monate: Die Häfen sind entspannt, die Preise oft günstiger, und das Licht über den Bodden ist ohnehin unbezahlbar. Der Juli und August sind lebendig und voll – auch schön, aber anders. Und wer wie wir gern in der Vor- und Nachsaison unterwegs ist, sollte prüfen, welche Hafenmeister und Sanitärgebäude schon oder noch geöffnet sind.
Häufige Fragen
Welcher ist der schönste Hafen auf Rügen?
Das hängt davon ab, was du suchst: Für uns ist Lauterbach als Heimathafen gesetzt, Vitte auf Hiddensee der Sehnsuchtsort und Thiessow der schönste kleine Hafen für einen Tagestörn. Stadtgefühl gibt es in Stralsund, Ostsee-Atmosphäre in Sassnitz.
Wie viele Häfen gibt es rund um Rügen?
Je nach Zählweise über ein Dutzend – von großen Marinas wie Stralsund bis zu kleinen Anlegern im Mönchgut. In unserem Verzeichnis oben führen wir alle Häfen auf, die wir mit Telsche selbst angelaufen haben, und ergänzen laufend.
Wo kann man auf Rügen Diesel bunkern?
Am verlässlichsten in den größeren Häfen wie Sassnitz und Stralsund. In den kleinen Bodden-Häfen gibt es meist keine Tankstelle – wir planen das Bunkern deshalb immer in die Etappen ein.
Sind die Häfen rund Rügen für Anfänger geeignet?
Ja – die Bodden sind geschützt, die Fahrwasser gut betonnt und die Etappen kurz. Genau deshalb segeln wir hier mit Kindern. Respekt verdienen die Brückenzeiten in Stralsund, die Flachs außerhalb der Fahrwasser und die Außenküste bei auflandigem Wind.
