Telsche

Logbuch eines Motorseglers

Schilfgürtel am Boddenufer der Schaabe, dahinter der Breeger Bodden mit Schwänen und dem bewaldeten Gegenufer

Breeger Bodden

Das Boddenufer der Schaabe: Wo Schilf steht, ist Verlandungsbereich – ein gesetzlich geschütztes Biotop, an dem man nicht anlandet.

Foto: Leonhard Lenz, CC0, via Wikimedia Commons

Noch nicht selbst gelegen Ankern erlaubt Umlegen auf die Luvseite jederzeit möglich Hafen Breege nebenan
Sebastian Küpers
Sebastian Küpers 16.08.2026 · 4 Min. Lesezeit

Der Breeger Bodden gehört zum System des Großen Jasmunder Boddens und wird in Reviersbeschreibungen ausdrücklich als gut zum Ankern geeignet geführt. Der Grund dafür ist eine Eigenschaft, die man erst schätzt, wenn der Wind nachts dreht: Man kann hier schnell auf die andere Seite umlegen.

Der praktische Vorteil

In einem offenen Seegebiet bedeutet eine Winddrehung, dass man den Platz verliert und weiterfahren muss. In einem rundum von Land umschlossenen Bodden bedeutet sie, dass man den Anker aufnimmt, eine halbe Stunde fährt und auf der neuen Luvseite wieder ankert. Das ist der Unterschied zwischen einer unruhigen Nacht und einer Verlegung vor dem Frühstück.

Dazu kommt: Auch hier gilt das Ankerverbot des Nationalparks nicht, weil die Gegend östlich von Tonne 52 im Rassower Strom liegt. Wer im Boddenrevier legal vor Anker übernachten will, hat zwischen Wieker Bodden, Breeger Bodden und Großem Jasmunder Bodden die freieste Auswahl.

Mit dem Beiboot an die Schaabe

Von hier liegt die Schaabe östlich gegenüber – die schmale Nehrung, die Jasmund mit Wittow verbindet und auf der Ostseeseite den längsten Strand der Insel trägt. Die naheliegende Frage: Kommt man mit dem Dinghi hin und hinüber?

Grundsätzlich ja. Auf vielen Seiten liest man, die Schaabe stehe komplett unter Naturschutz – das stimmt so nicht: In der Liste der Naturschutzgebiete des Landkreises Vorpommern-Rügen taucht sie nicht auf. Und das Betreten der freien Landschaft „auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung“ ist nach § 59 des Bundesnaturschutzgesetzes allen gestattet. Ein Strand ist eine solche Fläche.

Zwei Einschränkungen gibt es trotzdem, und die sind wichtiger als ein Schild:

  • Nicht ins Röhricht. Das Boddenufer der Schaabe wechselt zwischen Sandabschnitten, Schilf und Wald. Wo Schilf steht, ist es Verlandungsbereich – und der ist nach § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes ein gesetzlich geschütztes Biotop. Man sucht sich also eine Sandstelle, nicht die nächstbeste Lücke.
  • Nicht durch die Dünen. Küstendünen und Strandwälle stehen in derselben Vorschrift. Wer auf die Ostseeseite will, nimmt einen vorhandenen Weg und trampelt keinen neuen.

Dieselbe Vorschrift nennt übrigens auch Seegraswiesen als geschütztes Biotop – ein guter Grund, den Anker nicht ins Grüne fallen zu lassen. Mehr dazu im Artikel Naturschutz rund Rügen.

Das beantwortet, ob es ginge. Die bessere Frage ist, ob man es sollte – und da spricht einiges dagegen. Nach Norden liegt das Steinfeld der Saalsteine, das Ufer läuft flach aus, und hinter dem Strand steht der Küstenschutzwald, durch den von der Boddenseite kein Weg führt.

Deshalb ist der naheliegende Weg ein anderer: mit dem Dinghi nach Breege in den Hafen und von dort zu Fuß. Vom Ankerplatz sind es rund eine Seemeile nach Nordwesten bis zum Hafen, dort gibt es einen Steg statt einer Sandkante – und vom Hafen bis zum Strand von Juliusruh sind es knapp zwei Kilometer nach Ostnordost. Das ist ein Spaziergang, kein Unternehmen.

Unterm Strich: Direkt an der Schaabe anlanden ist erlaubt, wenn man eine Sandstelle findet und die Dünen in Ruhe lässt. Bequem ist es nicht. Wer an den Strand will, nimmt Breege.

Rückversicherung an Land

Der Ort Breege liegt mit seinem Hafen direkt nebenan – die naheliegende Adresse, wenn aus der ruhigen Nacht doch nichts wird. Und in Breege sitzt eine Station der Seenotretter, was für dieses abgelegene Eck des Reviers beruhigender ist, als es klingt.

Zur Tiefe gilt, was für das ganze Boddenrevier gilt: flach, und die Karte ist verbindlicher als jede Beschreibung. Die Ansteuerung führt über den Rassower Strom; die Betonnung ist strikt einzuhalten.

Häufige Fragen

Darf man im Breeger Bodden ankern?

Ja, und man darf dort auch vor Anker übernachten – die Gegend liegt östlich von Tonne 52 im Rassower Strom und damit außerhalb des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft.

Was macht den Breeger Bodden als Ankerplatz besonders?

Dass man bei einer Winddrehung einfach auf die andere Seite umlegen kann. Weil der Bodden rundum von Land umschlossen ist, findet man bei fast jeder Richtung eine ruhige Luvseite – das ersparen einem offene Wieken nicht.

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