Die Idee ist schnell erzählt: zwei Wochen, kein Steg, keine Liegegebühr, kein Landgang. Nur Anker auf, Anker ab. Was dabei zuerst auffällt, ist nicht die Romantik, sondern eine juristische Grenze – und sie verändert die Route grundlegend.
Die Runde geht – aber sie hat ein langes Glied
Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist das Ankern mit der Absicht zu übernachten untersagt. Das Nationalparkamt formuliert es in seiner Broschüre genau so, und die Grundlage steht in § 6 Abs. 1 Nr. 13 der Nationalparkverordnung: Das Nächtigen außerhalb fester Gebäude ist verboten. Damit fällt das gesamte westrügensche Boddenrevier als Ankerrevier aus – Schaproder Bodden, Vitter Bodden, Kubitzer Bodden und das Umfeld von Hiddensee.
Die Runde bricht daran aber nicht. Nördlich der Nationalparkgrenze wird es wieder frei: Wieker Bodden, Breetzer und Breeger Bodden und der Große Jasmunder Bodden liegen alle außerhalb – die Grenze quert den Bug auf Höhe Eckort und läuft von dort zur Tonne 52 im Rassower Strom. Auch Dranske, die Tromper Wiek, die Schaabe vor Glowe und die Prorer Wiek sind nicht betroffen. Man kommt also einmal herum.
Was bleibt, ist ein langes Glied in der Kette. Zwischen dem letzten legalen Ankerplatz im Strelasund bei Stralsund und dem ersten im Wieker Bodden liegen grob dreißig Seemeilen, davon rund fünfundzwanzig im Nationalpark. Das ist ein langer Tag, aber ein machbarer – und wer ihn nicht am Stück fahren will, unterbricht in einem Hafen: Schaprode, Kloster, Vitte, Neuendorf und Barhöft liegen alle auf dem Weg. Dann ist es an dieser einen Nacht kein reiner Ankertörn mehr – aber die Runde ist zu.
Zwei Stationen der Liste sind rechtlich weniger klar, als Revierführer sie darstellen, und das sagen wir lieber deutlich. Vor der Kreideküste reicht der Nationalpark Jasmund rund fünfhundert Meter auf die Ostsee hinaus – eine Ankernacht ist dort keine Option. Und für die Having wie für den Zicker See gilt im Biosphärenreservat Südost-Rügen dasselbe Nächtigungsverbot; ob es das Übernachten an Bord erfasst, ist nicht geklärt. Auf beiden Ortsseiten steht, was belegt ist und was offen.
Die übrigen Einzelheiten – rote und grüne Zonen, die 300-Meter-Regel um Kabel, wo die Grenzen verlaufen – stehen im Ankerplatz-Guide. Zur Bock-Reede: Sie liegt im Nationalpark, ist als Reede vom Befahrensverbot der Schutzzone I aber ausdrücklich ausgenommen und betonnt. Ob sie damit auch als ausgewiesener Ankerplatz im Sinne des Nationalparkamts gilt, konnten wir nicht belegen – die Nachfrage lohnt, denn sie würde das lange Glied um rund acht Seemeilen verkürzen.
Was „kein Fuß an Land" praktisch bedeutet
Es ist weniger eine Frage der Disziplin als eine der Logistik. Drei Dinge muss man vorher lösen:
- Wasser. Für zwei Wochen. Wer keinen großen Tank hat, plant kürzer oder unterbricht das Vorhaben einmal bewusst.
- Proviant. Vollständig vorher an Bord. Der Brötchenwagen am Steg fällt hier definitionsgemäß aus.
- Abwasser. Fäkalientank vor dem Start leeren. Abpumpanlagen gibt es nur in Häfen – wer unterwegs muss, bricht das Thema des Törns.
Für wen das nichts ist
Für Crews, die schlechtes Wetter nicht mögen. Mehrere der schönsten Plätze – die Steilküste bei Groß Zicker, die Kreideküste, Vitt – sind reine Schönwetterplätze und bei auflandigem Wind unhaltbar. Der Törn braucht eine stabile Lage und die Bereitschaft, die Reihenfolge zu ändern.
Dafür bekommt man etwas, das im Revier selten geworden ist: zwei Wochen, in denen niemand nach der Bootslänge fragt.
Das hier ist kein Törnplan
Diese Seite ist eine Idee, kein Fahrplan. Die Stationen sind nach einem Kriterium ausgewählt und in eine Reihenfolge gebracht, die sich anbietet – wie viele davon in deinen Törn passen, hängt von deiner Zeit, deinem Tiefgang und vor allem vom Wind ab. Die Angaben zu Dauer und Distanz im Steckbrief sind Größenordnungen zum Abschätzen, keine Vorgabe.
- Bei diesem Törn gilt es doppelt: Ein Ankertörn lässt sich grundsätzlich nicht vorplanen. Welche der fünfzehn Buchten an einem Tag hält, sagt der Wind am Morgen – die Liste ist eine Auswahl, aus der man sich je nach Lage bedient.
- Abbrechen ist keine Niederlage: Zu jedem Platz gibt es einen Hafen in Reichweite. Wer nach zehn Tagen genug hat, hört auf – die Idee ist trotzdem aufgegangen.
- Wie man daraus einen eigenen Törn baut – Zeit, Tiefgang, Startpunkt, Brücken – steht im Törn-Guide. Dort steht auch, wie sich die vier Ideen mischen lassen.

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