Segeln mit Kindern – das klingt für viele nach Abenteuer, für manche nach Stress und für einige vielleicht sogar nach einem unlösbaren Wagnis. Wir haben uns mit unserer Telsche, einem Motorsegler vom Typ Fisher 30 Northeaster, auf diesen Weg gemacht. Seit Ende 2022 sind wir als fünfköpfige Crew auf der Ostsee Rund Rügen unterwegs und erleben dabei all die Höhen und Tiefen, die das Familiensegeln mit sich bringt.
In diesem Beitrag wollen wir unsere Erfahrungen teilen, praktische Tipps geben und Mut machen, dass Segeln mit Kindern nicht nur möglich ist, sondern eine der schönsten Arten, als Familie Zeit miteinander zu verbringen.

Inhaltsverzeichnis
Unsere segelnde Familie
Wir sind eine Crew aus fünf Köpfen – Kinder, Eltern, die Oma und gelegentlich Gäste. Telsche ist so ausgelegt, dass sie auch einhand gesegelt werden kann, aber wir erleben immer wieder, dass gerade die Kinder mit voller Begeisterung anpacken. Sie helfen beim An- und Ablegen, üben Knoten mit den Leinen oder gehen unter Aufsicht selbst ans Ruder – und machen das oft erstaunlich souverän.
Bevor wir die Ostsee eroberten, lag Telsche ein Jahr lang in Berlin. Ohne Mast, aber mit viel Zeit, das Boot kennenzulernen und zu refitten. Diese Monate waren ideal, um die Abläufe als Familie einzuüben und herauszufinden, wie sich das Bordleben mit Kindern gestalten lässt.



Warum Segeln mit Kindern so besonders ist
Segeln mit Kindern ist kein „normaler“ Urlaub – es ist intensiver, direkter und lehrreicher als jeder Pauschaltrip. Für uns sind es vor allem diese Dinge, die das Leben an Bord so besonders machen:
Neugier & Entdecken – Neue Häfen, Inseln und Orte sind jedes Mal kleine Abenteuer. Schon der erste Schritt an Land wird zum Erlebnis.
Abenteuer & Freiheit – Kinder sehen das Boot als Abenteuerspielplatz. Leinen, Luken, Rettungsinseln – alles wird neugierig erkundet.
Natur hautnah – Der Rhythmus von Wind und Wellen prägt die Tage. Seekrankheit gehört dazu, aber sie lehrt auch, auf den Körper zu hören und Pausen einzulegen.
Teamgeist & Verantwortung – Schon die Jüngsten helfen mit, halten Leinen, steuern oder machen die Seekarten bunt. Das stärkt das Wir-Gefühl.
Entschleunigung – Segeln zwingt uns, langsamer zu werden. Für Kinder bedeutet das: Zeit zum Spielen, Staunen und Fragenstellen.

Praktische Tipps aus unserer Erfahrung
Sicherheit geht vor
Kinder an Bord brauchen klare Regeln und eine gute Erklärung. Wir haben gelernt: Es reicht nicht, Schwimmwesten zur Pflicht zu machen. Kinder verstehen Gefahren, wenn man sie ihnen sachlich und greifbar erklärt – und passen dann selbst besser auf. Dazu gehört für uns auch eine kleine Sicherheitsübung: Jeder an Bord weiß, was im Notfall zu tun ist, wo Rettungsmittel liegen und wann beim Segeln mit Kindern sogar die Kleinsten im Notfall roten Knopf am Funkgerät drücken dürfen.

Das richtige Boot für Familien
Unser Motorsegler hat einen entscheidenden Vorteil: das Steuerhaus. Dort können die Kinder sicher sitzen, nach draußen schauen und trotzdem geschützt sein, wenn das Wetter ungemütlich wird. Bei längeren Schlägen legen sie sich hin – das hilft auch bei Seekrankheit. Segeln mit Kindern kann selbstverständlich mit vielen unterschiedlichen Bootstypen durchgeführt werden. Beim Kauf von Telsche war allerdings das Steuerhaus und das ungewöhnlich hohe Schanzkleid von Telsche in der Tat mit Hinblick auf das Segeln mit Kinden eines der wichtigsten Kriterien.

Kurze Etappen & flexible Planung
Wir haben schnell gelernt: kurze Schläge mit spannenden Zielen sind besser als lange Törns. Ein Hafen mit Eisladen, ein kleiner Strand oder einfach eine Insel zum Erkunden sind oft die schönsten Momente. Kinder lieben es außerdem, bei der Törnplanung mitzumachen. Sie stecken Routen auf der Karte ab und fiebern mit, wenn es heißt: „Da wollen wir hin.“

Beschäftigung an Bord
Wir haben Spiele, Bücher und Bastelsachen an Bord – aber oft reichen schon die Leinen zum Knoten üben oder die Seekarte zum Planen. Ein Fernglas für Kindern sollte auch immer mit an Bord sein. An jeder Küste gibt es so unendlich viel zu entdecken. Langeweile ist selten das Problem beim Segeln mit Kindern – eher Seekrankheit, wenn zu lange nach unten geguckt wird. Dann gilt: raus an die frische Luft oder hinlegen und einfach mal die Augen zu machen.
Alltag & Routinen
Essen, Schlafen, kleine Pausen – Kinder brauchen feste Strukturen, auch an Bord. Snacks sind wichtig, genauso wie kleine Ruheinseln. Wir merken: Wenn die Kinder beschäftigt und entspannt sind, geht es auch uns Eltern besser.
Und gerade bei längeren Törns versuchen wir beim Segeln mit Kindern einen Rythmus zu finden, wo wir nur wenige Stunden jeden Tag wirklich auf dem Boot sind, sondern uns vor allem viel an Land aufhalten. Sollte man einen zu ehrgeizigen Skipper mit an Bord haben, der vor allem jeden Tag Meilen machen will, ist das definitiv nicht die richtige Crew dafür.

Ein Rat für die Eltern: In der Ruhe liegt die Kraft
Das größte Geheimnis zu einem Stress freien Segeln mit Kindern liegt wohl witziger Weise bei den Eltern selbst. Wir wissen das Segeln auch schnell mal eine Beziehungskrise zwischen Erwachsenen auslösen kann wenn plötzlich Stress aufkommt.
Wer hat nicht schon mal im Hafen dabei zugesehen wie eine Familien-Crew oder ein Paar ablegt und der Mann am Ruder steht, während er mit seiner Frau mehr brüllend als sprechend kommuniziert, um sie von Leine zu Leine übers Deck zu scheuchen.

Mein Tipp für alle Männer die gerne am Ruder stehen und Kommandos geben: einfach mal das Steuer und den Gashebel der Partnerin überlassen und selbst die langen Wege über Steg und Deck zurücklegen. Wie man einkuppelt und auskuppelt und Ruder legt ist schnell erklärt und einfach unmissverständlich zu kommunizieren.
Und ab einem gewissen Alter können das auch ganz hervorragend Kindern machen, ohne sich dabei in Gefahr zu begeben ins Hafenbecken zu fallen.
Alle Manöver immer Einhand planen
Auch wenn man eine wissbegierige und eifrige Crew mit an Bord hat gilt für mich als Skipper immer: beim Segeln mit Kindern plane ich trotzdem jedes Manöver als wäre ich alleine Einhand unterwegs.
Selbst wenn man die Matrosen an Bord mit in die Manöver einbindet, aber alles so vorbereitet hat als wäre man alleine unterwegs, hat man immer das Fallback sofort zur Hand sollte doch mal ein Mißverständnis oder unerwartetes Problem auftreten.
Gerade die Hafenmanöver fahre ich immer genauso mit meinen Leinen als wäre ich alleine unterwegs.

Geschichten einer Familien-Crew
Wir haben einige unserer Abentuer mit der Familien Crew auf diesem Blog nieder geschrieben und so manchen anderen Rat niedergeschrieben. Vom Segeln mit Kindern bei plötzlichem Ruderschaden, über die Sicherheit an Bord bis zum idyllischen Wochendtörn:
- Mit der Notpinne in den Sonnenuntergang gesegelt
- Mein Boot, das Haus am Meer für kleines Geld?
- Sicherheit an Bord in Küstennähe
- Ein Tagestörn nach Thiessow zum Lotsenturm
- Unser erster Wochentörn nach Greifswald Wieck
Wer alle unsere Abenteuer entdecken möchte, schaut einfach in Telsches Logbuch. Wem das Thema Seekrankheit bei Kindern beschäftigt empfehle ich meine 5 Ratschläge für Skipper.
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FAQ – Häufig gestellte Fragen
Ab welchem Alter können Kinder mitsegeln?
Schon Babys können mit, wenn die Sicherheitsmaßnahmen stimmen. Wichtig ist weniger das Alter der Kinder als die Gelassenheit der Eltern.
Welche Ausrüstung ist unverzichtbar?
Rettungswesten in passender Größe, Sonnenschutz, warme Kleidung im Zwiebellook, Erste-Hilfe-Set, viele kleine Snacks – und das Funkgerät für den Notfall.
Welche Reviere sind kinderfreundlich?
Für den Einstieg eignen sich Ostsee und vor allem die Boddengewässer: kurze Etappen, sichere Häfen, ruhige Ankerplätze – alles in Küstennähe. Später darf es auch das Mittelmeer oder das offene Meer sein, wenn alles stimmt.
Wie verhindert man Langeweile an Bord?
Kinder brauchen Aufgaben. Leinen halten, Routen mitplanen, ins Logbuch malen – kleine Jobs machen den Unterschied.
Fazit – Segeln mit Kindern lohnt sich
Segeln mit Kindern bedeutet manchmal Chaos, manchmal Seekrankheit und fast immer unerwartete Wendungen. Aber genau darin liegt die Magie: Jede Fahrt wird zu einem gemeinsamen Abenteuer, das zusammenschweißt.
Unsere Erfahrung zeigt: Kinder brauchen keine perfekte Yacht, kein Traumrevier und auch kein Dauerprogramm – sie brauchen ein sicheres Boot, verständliche Regeln und Eltern, die sie ernst nehmen. Alles andere entsteht unterwegs: die Freude am Steuern, die Neugier auf neue Häfen, die Begeisterung für Knoten oder das Staunen beim Blick in den Sonnenuntergang.
Segeln mit Kindern ist nicht immer einfach – aber es ist eine der intensivsten und schönsten Arten, als Familie Zeit zu verbringen. Für uns ist klar: Jeder Törn mit Telsche schenkt Erinnerungen, die bleiben.