Wer einen gebrauchten Motorsegler kaufen möchte, schaut zuerst auf den Kaufpreis und weniger auf die Folgekosten. Verständlich – schließlich liegen die Angebote zwischen „scheinbar günstig“ und „fast schon wie neu“. Doch der Kaufpreis ist nur die halbe Wahrheit. Die wahren Kosten entstehen in den Jahren nach dem Kauf: Wartung, Erneuerungen, Upgrades.
Eine Faustregel aus der Praxis: Plane rund 10 % des Bootswertes pro Jahr für Unterhalt und Instandhaltung ein. Das klingt nach viel, trifft aber erstaunlich oft zu. Denn ein Motorsegler ist kein Wertgegenstand, den man einfach einmal kauft und dann behält – er lebt, altert, und braucht Aufmerksamkeit. Aber diese 10% reichen gerade einmal für die „Kleinigkeiten“. Ich habe einmal kalkuliert, dass mich jeder Tag an Bord von Telsche in einer aktiven Saison 300 Euro kosten.
Bei einem gebrauchten Boot müssen auch häufig größere Dinge erneuert werden, die dann die 10% Grenze durchaus sprengen. In diesem Artikel zeige ich dir, welche großen Kostenpunkte dich realistisch über die jährliche Instandhaltung hinaus erwarten, in welchen Intervallen sie auftreten und mit welchen Budgets du kalkulieren solltest.

Inhaltsverzeichnis
Die Segelgarderobe Erneuern
Segel sind Verbrauchsmaterial – auch wenn sie auf den ersten Blick oft noch „gut“ aussehen. Beim Kauf von Telsche sahen meine Segel zwar aus, als wären sie im hervorragenden Zustand, aber sie waren über 20 Jahre alt und ich stellte dann auf einem Törn nach Kopenhagen bei Starkwind fest, dass sich die Nähte von Jahrzehnten der UV Einstrahlung einfach auflösten.
- Lebensdauer: Bei Fahrtenseglern sind 5–10 Jahre realistisch. Bei intensiver Nutzung (Langfahrt, Charter) auch kürzer.
- Kosten: Für einen Motorsegler um die 30–35 Fuß musst du mit 5.000–8.000 € für Großsegel und Genua rechnen. Hochwertigere Laminatsegel können deutlich mehr kosten. Wer eine Ketch hat braucht noch ein Besan.
- Weiteres: Wer die Segel nach wirklich sehr langer Zeit tauscht so wie ich, braucht vermutlich auch neue Leinen, Schoten, Blöcke und ggf. eine neue Persenning oder neue Lazyjacks oder -bags und auch hier kommt schnell noch mal über 1.000 – 3.000 € hinzu.
- Tipp: Segel trocken und locker lagern, unbedgint die UV-Schutzstreifen erneuern – das verlängert die Nutzungsdauer erheblich.

Das stehende Gut Erneuern
Das stehende Gut (Wanten und Stagen) ist sicherheitskritisch – ein Mastbruch kann nicht nur den Törn, sondern das ganze Schiff ruinieren. Auf meinem Boot drücke ich mich im Moment noch vor der Erneuerung, obwohl sie längst überfällig ist – aber in 2026 steht es oben auf der Liste er Erneuerungen.
- Lebensdauer: Die Faustregel liegt bei 10–15 Jahren oder 20.000 Seemeilen. Viele Versicherer verlangen einen Nachweis, dass das Rigg in diesem Zeitraum überprüft oder erneuert wurde.
- Kosten:
- 30 Fuß: 2.500–4.000 €
- 35 Fuß: 4.000–7.000 €
- Wenn zusätzlich Kettenplatten, Rollen oder Mastbeschläge ersetzt werden müssen, können die Kosten noch deutlich steigen.
- Rollanlagen: wer Rollanlage an den Vorderstagen verbaut hat muss mit höheren Kosten rechnen. Mehr Arbeitszeit und ggf. muss ebenfalls eine in die Jahre gekommende Rollanlage getauscht werden.
Es gehört für mich zu einer jährlichen Routine jede Saison einmal mein Rigg gründlich zu untersuchen und alle Stagen, Wanten, Terminals, Spanner auf Risse, Korrosion und Materialermüdung hin zu untersuchen.

Die Elektrik Modernisieren
Dieses Thema kann offensichtlich ein Faß ohne Boden sein was die Folgekosten bei einem gebrauchten Motorsegler angeht – hängt aber auch viel davon ab, wieviel Gadgets man auf seinem Boot verbauen möchte und welche Philosophie man verfolgt. Dennoch ist die Elektrik auch das Nervensystem deines Bootes – und oft der Bereich, in dem gebrauchte Schiffe am meisten Nachholbedarf haben was die Basics angehen.
- Batterien: AGM-Batterien halten je nach Nutzung 4–6 Jahre, Lithium (LiFePO₄) deutlich länger (bis 10 Jahre und mehr). Kostenrahmen: 1.000–4.000 € je nach Kapazität und Technologie. Wer einen gebrauchten Motorsegler baut, muss mit hoher Wahrscheinlichkeit die Batterien tauschen. E
- Sicherungen & Kabel: Moderne Absicherung nach ABYC-Standard, neue Schaltpaneele und verzinnte Kabel – dafür solltest du 2.000–3.500 € einplanen, sowie einiges an Arbeitszeit
- Moderne Geräte:
- Plotter (z. B. 9″): ~1.300–2.000 €
- Autopilot: ~2.000–3.000 €
- AIS-Transponder: ~900–1.200 €
- Komplette Sensorik (Log, Lot, Wind): ~1.000–1.500 €
- Modernes Radar: ~2.000–3.000 €
- Wechselrichter, Ladegeräte und Co.: wer einmal anfängt die Elektrik zu erneuern stolpert auch schnell über die Themen Wechselrichter, Ladegeräte, Verteiler, Batteriemonitore und mehr. Wer sich entscheidet hier grundlegend alles zu erneuern gibt schnell weitere 2.000 – 4.000 € aus.
Ein umfassendes Elektrik-Refit kann also schnell 10.000 – 20.000 € kosten – je nach Anspruch und Systemtiefe. Und hier haben wir eine Solaranlage noch gar nicht berücksichtig.

Eine Solaranlage Nachrüsten
Immer mehr Eigner rüsten ihre gebrauchten Motorsegler mit Solarpaneelen aus. Folgekosten wo man selten wirklich erneuert, sondern eher neu anschafft und aufrüstet.
Wir nutzen zwar unseren Motor – und damit auch die Lichtmaschine – häufiger als andere Boote, aber trotzdem erfreuen auch wir uns über gut geladene Batterien vor Ankern und auf längeres Törns über die Möglichkeit Kühlschrank, Plotter und Co. sorgenfrei rein unter Segeln laufen lassen zu können.
- Aufwand: Viele Nachrüstungen erfordern kleinere Umbauten (z. B. Kabeldurchführungen, neue Sicherungen). In der Regel kann man das wirklich selbst leisten. Wer eine Werft beauftragt, sollte zusätzlich mit 15–20 Stunden Arbeitszeit kalkulieren.
- Lebensdauer: Moderne Solarmodule halten 20–25 Jahre, oft mit nur geringen Leistungsverlusten.
- Leistung & Dimensionierung: Für einen Motorsegler zwischen 30 und 35 Fuß sind 200–400 Wp realistisch (zwei bis vier Module). Das reicht, um den Kühlschrank, Beleuchtung, Pumpen und Ladegeräte zu versorgen – ohne ständig den Motor laufen zu lassen.
- Kostenrahmen:
- Solarmodule: 150–250 € pro 100 Wp
- MPPT-Laderegler: 200–400 €
- Montagegestell (Reling/Heckkorb oder Bimini): 300–600 €
- Gesamtkosten: 1.500–3.000 € je nach Qualität und Einbauaufwand. Ich selbst habe mich bei Telsche für ein Flinsail entscheiden. Das sind Solarpanele die man einfach wie ein Segel am Besan-Mast hissen kann. Das ist super vor Anker, geht aber auch bei bis zu 28 Knoten währen der Fahrt und opfert dafür lediglich ein sehr kleines Besansegel und erfordert keine großen Umbaumaßnahmen.

Holz und Teak aufarbeiten
Nichts prägt den Charakter eines Motorseglers so sehr wie sein Holz. Doch Holz altert – ob Teakdeck oder Mahagoni-Innenausbau.
- Teakdeck:
- Lebensdauer: 20–30 Jahre, bei guter Pflege länger.
- Neubeplankung für 30–35 Fuß: 20.000–30.000 €.
- Fugensanierung oder partielle Reparaturen sind günstiger, aber arbeitsintensiv.
- Weiteres Teak: Telsche hat nur Flexi-Teak an Deck, aber trotzdem sehr viel Teak z.B. an Handläufen, den Türen, dem Mastfuss und am Schanzkleid verbaut. Auch das braucht Pflege, insbesondere wenn es lackiert ist. Wer keine Zeit hat selbst Hand an zu legen gibt schnell jedes Jahr 3.000 – 5.000 € aus, um das Holz in Schuss zu halten.
- Innenausbau (Lack/Öl): Ein komplettes Neuaufarbeiten kann schnell 100+ Arbeitsstunden bedeuten. Ich liebe das viele Holz unter Deck. Aber wenn dieses im schlechten Zustand ist, muss man sich klar sein worauf man sich da wirklich einlässt. Bei Vergabe an eine Werft würden hier schnell ein fünf-stelliger Betrag fällig.

Rumpf und Lack pflegen
Das Unterwasserschiff bestimmt Performance und Werterhalt. Während jedem klar sein sollte, dass jedes Jahr das Antifouling zu erneuern ist, sollte sich fragen ob ggf. auch der Rumpf einmal neu lackiert werden muss.
- Antifouling: Jährlich fällig. Materialkosten für 30–35 Fuß: 300–600 €, plus ggf. Kran und Werft.
- Osmose-Sanierung (bei GFK): Wenn sie ansteht, ein Großprojekt (5.000–10.000 €+ je nach Schaden). Aber dieses Risiko hat man hoffentlich schon beim Kauf im Vorfeld ausgeschlossen und sich nicht ans Bein gebunden.
- Lack/Topside-Aufarbeitung: Ein professionelles Neulackieren liegt schnell bei 300 €/Fuß. Für einen 30-Fuß-Rumpf also 9.000 € und je nach Anspruch, Lack, Schichten und Kosten für die Werft auch gerne deutlich drüber.
Ich habe meinen Rumpf erst versucht rein durch Polieren in Schuss zu halten, musste aber dann einsehen, dass eine komplette Neulackieren zwingend notwendig ist und sich gewisse Dinge durch Polieren nicht mehr gelöst werden konnten.

Schläuche und Pumpen austauschen
Schläuche und Pumpen sind unscheinbar, aber entscheidend für Sicherheit, Hygiene und Komfort an Bord. Viele gebrauchte Motorsegler haben in diesem Bereich erheblichen Nachholbedarf und Folgekosten – nicht selten sind Schläuche verhärtet, riechen oder haben feine Risse. Ein Schaden hier kann von unangenehmen Gerüchen bis hin zu Wassereinbruch reichen.
Sanitärschläuche
- Lebensdauer: Gute Schläuche halten 8–12 Jahre, danach härten sie aus und beginnen, Gerüche durchzulassen.
- Kosten: Geruchsresistente Premium-Schläuche (z. B. Trident, Vetus) liegen bei 10–20 €/m. Für einen kompletten Tausch (WC, Abwassertank, Seeventile) musst du 500–1.000 € rechnen.
- Tipp: Immer mit doppelten Schlauchschellen unter der Wasserlinie sichern.
Frischwasserschläuche & Pumpen
- Schläuche: Werden oft vergessen, setzen aber mit der Zeit Biofilm oder Kalk an. Austausch alle 10 Jahre ist sinnvoll.
- Druckwasserpumpen: Lebensdauer meist 5–10 Jahre. Ersatz kostet 150–300 €, je nach Förderleistung. Ersatzteile (Membranen, Schalter) gibt es günstiger.
- Filter: Ein Vorfilter verlängert die Lebensdauer und reduziert Geräusche.
Bilgepumpen
- Manuell: Pflichtausrüstung, aber oft verschlissen. Neue Handpumpen kosten 100–200 €.
- Elektrisch: Automatische Bilgepumpen sind Standard. Kostenrahmen 100–400 €, je nach Förderleistung. Wichtig: regelmäßige Funktionsprüfung, da sich Haare, Öl oder Schmutz absetzen.
Seewasserpumpen (Motor & Borddurchlässe)
- Impellerpumpen: Der Impeller sollte jährlich kontrolliert und im Zweifel ersetzt werden. Ersatzteile kosten nur 20–50 €, können aber einen Motorschaden verhindern.
- See- und Kühlwasserschläuche: Harte Lebensumgebungen – Austausch alle 8–10 Jahre ratsam.
Ein Schlauch- und Pumpen-Refit kostet keine Unsummen im Vergleich zu Segeln oder Teakdecks – aber die Folgen veralteter Schläuche können teuer und gefährlich werden. Wer hier investiert, kauft Sicherheit und Ruhe.

Die Polsterung erneuern
Die Polsterung an Bord ist weit mehr als eine Frage der Optik. Sie beeinflusst Komfort, Wohngefühl und sogar Wiederverkaufswert eines Motorseglers. Gerade bei älteren Booten sind Polster oft durchgesessen, riechen nach Feuchtigkeit oder passen stilistisch nicht mehr zum gewünschten Gesamtbild.
- Lebensdauer: Schaumstoffkerne verliren nach 10–15 Jahren spürbar an Elastizität und Stützkraft.
- Bezüge: Stoffe sind oft schon nach 5–10 Jahren ausgebleicht oder zeigen Flecken und Abnutzung. Kunstleder hält meist länger, neigt aber bei Hitze und Feuchtigkeit zum Reißen.
- Kosten: je nachdem wieviel man hier selbst machen kann und für welche Stoffe und Polster man sich entscheidet sind hier schnell zwischen 3.000 – 7.000 € in die Erneuerung der Polster investiert.

Sicherheitsausrüstung aktualisieren
Selbst wenn man einen gebrauchten Motorsegler kauft, der schon viel Sicherheitsausrütung an Bord hat, muss man sich darüber klar sein, dass vermutlich nichts davon mehr gebraucht werden kann, wenn es bereits ein paar Jahre auf dem Buckel hat.
Telsche hatte Funkgerät, EPIRB, Fackeln, Feuerlöscher, Rettungsringe und vieles mehr an Board. Aber alles Jahrzehnte alt. Ich konnte das alles einmal entsorgen und neu anschaffen.
- Rettungsinsel: Service alle 3 Jahre, Kosten 500–800 €; Neukauf je nach Größe 2.000–4.000 €.
- Automatikwesten: Wartung alle 2 Jahre, Kosten pro Service 30–50 €; Ersatzpatronen ~20 €.
- Signalmittel (Fackeln, Rauch): Haltbarkeit meist 3 Jahre; ein Set kostet 100–200 €.
- EPIRB: Batterie nach ca. 5 Jahren erneuern (ca. 200–300 €), Neukauf 400–800 €.
- Feuerlöscher: Prüfintervall 5 Jahre, Austausch spätestens nach 10–12 Jahren. Kosten 30–60 € pro Gerät.

Fazit: Sicherheit und Substanz zuerst
Ein gebrauchter Motorsegler kann ein wunderbares Schiff für viele Jahre sein. Doch wer nur auf den Kaufpreis schaut, macht sich etwas vor. Segel, Rigg, Elektrik, Teak, Rumpf, Schläuche, Polster und Sicherheitsmittel – all das summiert sich schnell auf fünfstellige Beträge.
Meine Empfehlung:
- Sicherheit zuerst: Rigg, Schläuche, Elektrik, Rettungsmittel.
- Substanz als Nächstes: Segel, Batterien, Pumpen.
- Komfort zuletzt: Polster, Lack, kosmetische Details.
So vermeidest du böse Überraschungen – und machst aus deinem gebrauchten Motorsegler ein Schiff, das zuverlässig und sicher viele Jahre Freude bereitet.
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FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wie hoch sind die jährlichen Unterhaltskosten für einen gebrauchten Motorsegler?
Als Faustregel gilt: Plane ca. 10 % des Bootswertes pro Jahr für Unterhalt und Instandhaltung ein. Bei einem 50.000-€-Boot also rund 5.000 € jährlich – abhängig von Revier, Nutzung und Zustand.
Wie oft müssen Segel erneuert werden?
Segel halten im Schnitt 5–10 Jahre, bei intensiver Nutzung auch kürzer. Für Großsegel und Genua einer 30–35 Fuß Yacht solltest du mit 3.000–5.000 € rechnen.
Wann muss das Rigg ausgetauscht werden?
Das stehende Gut sollte alle 10–15 Jahre erneuert werden. Versicherer fordern teils Nachweise. Kosten: 4.000–7.000 € für eine 35-Fuß Yacht, mehr mit Rollanlage.
Was kostet es, die Elektrik auf den neuesten Stand zu bringen?
Ein komplettes Elektrik-Refit mit neuen Batterien, Sicherungen und moderner Navigation (Plotter, Autopilot, AIS) kann 5.000–10.000 € kosten.
Wie lange hält ein Teakdeck?
Ein Teakdeck hat eine Lebensdauer von 20–30 Jahren, bei guter Pflege länger. Ein Neudeck für 30–35 Fuß kostet schnell 20.000–30.000 €.
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