Sicherheit an Bord in Küstennähe

Als ich letztes Jahr began Telsche für die Ostsee vorzubereiten stellte sich mir die Frage, welche Sicherheitsausrüstung ich wirklich brauchen würde, um auch mit der Familie gut gerüstet zu sein für jede eventuelle Notlage auf See. 

Was sind realistische Gefahren

Feuer an Bord. Durch den Dieselofen, Gasherd, Kabelbrand oder andere Ursachen ausgelöst. Definitiv eine Gefahr mit der man immer rechnen muss und daher sind entsprechende Rauchmelder, Feuerlöscher und Decken eh schon immer an Bord von Telsche und in jeder Kabine griffbereit. 

Wasser Einbruch. Um ehrlich zu sein meinte größte Sorge, damit einmal konfrontiert zu sein. Ich habe ganze fünf Durchlässe am Rumpf und mir graut es immer wieder davor, dass hier eines Tages was passiert. Natürlich checke ich die Ventile und Anschlüsse regelmäßig. 

Kollision mit Treibgut, einem Unterwasser Felsen oder anderem Schiff ist eher unwahrscheinlich meines Erachtens. Mastbruch und ein damit verbundener Schaden am Rumpf wäre aber auch grundsätzlich denkbar. 

Klar, ich bin in Kustennähe unterwegs und nicht mitten auf dem Ozean. Die Ostsee ist voller Häfen und die Dichte an Seenotrettungskreuzern ist so hoch, dass man immer davon ausgehen kann, dass sehr schnell Hilfe kommen wird, wenn man in Seenot gerät. Ich sehe vor Rügen sogar regelmäßig auf dem AIS einen Kreuzer auf Bereitschaft vor der Küste liegen. 

Für die Seenotretter spende ich übrigens bereits jeden Monat seit über einem Jahr. Selbstredend. 

Ein Funkgerät hat höchste Priorität

Mir war klar, dass ein Funkgerät erstmal das größte Plus an Sicherheit bringen wird. Ein zuverlässiger und schneller Weg Hilfe zu holen und zu kommunizieren. 

Letzten Sommer hatte ich eine Beneteau Swift Trawler mit der Familie gechartert und bin einmal um Rügen gefahren. Ohne Funkgerät an Bord. Als ich dann ums Kap Arkona fuhr und etwas weiter draußen auf dem Meer war, merkte ich dass ich keinen Empfang mehr auf dem Handy hatte. Kein gutes Gefühl. Es ist definitiv keine Option sich auf ein Handy zu verlassen. Wird einem ja eh beim Schein machen von Anfang an klar und deutlich gesagt. 

Fünf Sekunden den roten Knopf am Funkgerät drücken und Gewissheit haben, dass Bremen Rescue und alle Boote in der Nähe alarmiert werden und auch automatisch meine Position haben, ist einfach so viel besser. Auch sollte ich selbst mal über Bord gehen und meine Frau oder die Kinder müssten eine Rettung einleiten, ist das kinderleicht. 

Zur Redundanz und auch auch für den Fall, dass man das Schiff aufgeben müsste gibt es zwei weitere Geräte an Bord: einmal eine Handfunke die schwimmen kann. Und einmal ein PLB.

Der PLB ist an meiner Schwimmweste befestigt und ist damit Schutz für mich persönlich wenn ich Einhand unterwegs bin und über Bord gehen sollte – als auch ist es damit automatisch immer dabei wenn wir in die Rettungsinsel flüchten sollten. 

Diese Redundanz mit drei Geräten war mich das mit Abstand Wichtigste. Die Elektrik kann aus unterschiedlichen Gründen im Ernstfall ausfallen und man will auch nach Verlassen des Bootes noch kommunizieren können.

Ich wollte ursprünglich ein EPIRB zusätzlich kaufen, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass mir der PLB einfach reicht und vielseitiger zu nutzen ist, da er immer am Körper getragen werden kann. 

Sicheres Navigieren mit Plotter, AIS und Radar 

An zweiter Stelle stand für mich klar das Radar, mit Kartenplotter und zumindest ein passives AIS, um die großen Pötte zu erkennen.

Mir war von Anfang klar dass wir auch Nachtfahrten machen werden und dass Nebel nicht ausgeschlossen werden kann. Oder sogar beides gleichzeitig kommt, wie unser Überführungstörn zeigen sollte

Die Kosten sind zwar nicht unerheblich für die gesamte Kombi aus Radar, Plotter und AIS (bei mir Teil der Funkanlage), aber alle drei Dinge tragen enorm zur Kollisionsverhütung bei und geben mir ein gutes Gefühl wenn die Sicht schlecht ist.

Man verhindert damit überhaupt in eine gefährliche Situation zu geraten. Redundanzen kann ich mir hier aber nicht leisten und wären für mein Boot und das Revier auch einfach Overkill.

Die einzige Redundanz die ich habe sind zwei Kartenplotter. Das aber eher aus Komfort Gründen, anstatt bewusste Redundanz. 

Die Rettungsinsel mit Grab-Bag

Ich habe lange überlegt ob man in Küstengebieten wirklich zwingend eine teure Rettungsinsel braucht. Hilfe ist schnell verfügbar und es muss wirklich sehr viel schief gehen, dass jegliche Alarmierung versagt und man lange unentdeckt auf der Ostsee treiben würde. 

Mit vier oder mehr Personen an Bord ist aber ein Dingi keine Option. Wenn man hier wirklich bei ordentlichem Wellengang das Boot verlassen muss, wird man eh unweigerlich schnell kentern und hat auch einfach nicht genug Platz.

Ich habe mich daher am Ende für eine relativ günstige 4 Personen Insel in einer Tasche + Grab Bag mit Proviant und Wasser entschieden. Beides steht am Niedergang zur Achterkabine und kann vom Steuerhaus schnell gegriffen werden. Ich hoffe wirklich sehr sie niemals benutzen zu müssen. Aber sie gibt einem enorm viel “Peace of Mind”, da man weiß zur Not hat man eine Alternative und kann sich vom Boot in Sicherheit bringen und auf Hilfe warten.

Weitere Hilfsmittel

Und dann gibt es diesen ganzen Ratenschwanz an weiteren Hilfsmittel. Der Treibanker zum Beidrehen im Sturm, die Signal Pistole und Fackeln für mehr Aufmerksamkeit, die Axt um Leinen zu Kappen, der Wanten Schneider um den gebrochenen Mast loszuwerden, die Holzkeile, Dichtmittel und Notstopfen zum Bekämpfen von Wassereinbruch, die langen Leinen um abgeschleppt zu werden, der Erste Hilfe Kasten und selbstverständlich genug Rettungswesten, Sorgleine und Rettungsringe. 

Ich kann sagen: für mehr Sicherheit zu sorgen war eine teure Angelegenheit die einige tausend Euro am Ende des Tages verschlungen hat, bis ich alles zusammen hatte.

Ich hatte das definitiv vollkommen unterschätzt. Aber jetzt bin ich jedes mal froh zu wissen, dass ich alles an Bord habe was man braucht und dass es im Kontext meines Küstenreviers auch ausreichend ist.

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