Mir war beim Kauf von Telsche von Anfang an klar, dass eine der größten Herausforderungen es sein wird die gesamte Elektrik an Bord zu erneuern.
Diese war zwar in einem Top gepflegten Zustand, hervorragend dokumentiert und funktionierte einwandfrei – sie war aber auch noch auf dem Stand der 70iger Jahre und wurde seit dem nie wirklich überholt.
Das verbaute Radargerät und Echolot hätten sich auch auf dem Millenium Falken in Star Wars gut gemacht und mir war klar, dass ich all diese wichtigen Geräte wie GPS, AIS, Kartenplotter, Funkgerät, Radar, Selbststeueranlage und mehr gegen aktuelle Geräte von Raymarine austauschen möchte.

Genauso war es mir wichtig einen Wechselrichter an Bord zu installieren und somit für die Familie etwas mehr Komfort zu ermöglichen in Form von HD Fernseher, Spielekonsolen, Toaster, AirFryer, Fön und einfach 230 Volt Steckdosen in denen man problemlos Geräte mit Netzteil wie z.B. einen Laptop laden könnte.
Ob man sowas alles wirklich braucht, sei mal dahin gestellt … und ja, da geht zwar auch sehr viel mit 12V und USB Steckdosen – aber mit 230 Volt Steckdosen + Wechselrichter ist man einfach flexibler.
Die Basics der Elektrik erneuern
Während ich über das Refit all dieser neuen Geräte ein andermal schreiben werde, geht es heute darum, dass ich dafür erstmal die Grundlagen schaffen musste:
- Die wichtigsten Kabel austauschen und erneuern
- Die Batterie Klemmen an den Polen überholen
- Alle alten Kfz Schmelzsicherungen gegen neue Sicherungsautomaten und andere Sicherungen austauschen
- einen Wechselrichter und neues Ladegerät installieren
- das Trennrelais gegen einen aktuellen Ladebooster austauschen
- ein Shunt installieren, um exakt den Stromverbrauch überwachen zu können
- Solarzellen auf dem Dach vom Steuerhaus ausrüsten
- Die alten Zigarettenanzündern Steckdosen gegen USB-C Steckdosen austauschen
… und vieles vieles mehr. Wenn man einmal damit anfängt wird die Liste immer länger. Komplett unter dem Einfluss stehend, dass offensichtlich „jeder“ die Geräte von Victron Energy und Philippi auf seinem Boot verbaut hat, standen mir erstmal lange Abende der Recherche bevor, um überhaupt die Range der Produkte zu verstehen,
Mein Ansatz: zwei Systeme für den Übergang
Da es mir zu gruselig war gleich den totalen Kahlschlag zu wagen und einmal alles rauszureißen und neu zu machen, habe ich mich dazu entschieden ein parallel System aufzubauen. Ich habe einen neuen Ort für alle Geräte, Verteiler und Sicherungen ausgesucht, der genug Platz bietet und vor allem auch einfach für mich erreichbar ist (unter der Backbord Sitzbank im Steuerhaus) und dann dort angefangen ein neues System aufzubauen und somit Schritt für Schritt Verbraucher vom alten großen Stromkreislauf auf den neuen umzuhängen.





Ich hatte mir einen ganzen Winter Zeit für den Umbau gegeben und es hat sich schnell gezeigt, dass mein Ansatz eine kluge Idee war: ich bin nämlich nicht fertig geworden 😉
Das neue System im Schnelldurchlauf
Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, hier eine Übersicht dessen was ich gemacht habe und welche Geräte verbaut wurden (werden):
Cerbo GX + 4G LTE Modem
Mit dem Boot drei Stunden entfernt an der Ostsee liegend war die Idee extrem reizvoll, dass ich über das VRM Portal von Victron alle wichtige Daten vom Boot remote einsehen kann und sogar über Relais Geräte aus der Ferne schalten könnte.


Daher habe ich ein CerboGX in Kombi mit einem 4G LTE Modem installiert. An dem Gerät hängen eine Reihe von Ruuvi Temperatur Sensoren, Sensoren für die Wasser und Diesel Tanks, Alarme für die Bilgenpumpen, alle anderen Victron Geräte und perspektivisch gesehen auch noch ein Türalarm.
All diese Daten sind nicht nur über das VRM Portal remote einsehbar, sondern werden auch in mein NMEA2000 Netzwerk eingespeist und sind damit über die Axiom Kartenplotter einsehbar.
Meine Idee ist im Winter remote eine Heizung über das Credo GX schalten zu können und somit Telsche vorzuheizen, während ich auf dem Weg zum Boot bin. Das ist aber noch nicht umgesetzt.
Lynx Distributor und Philippi Reihenklemme + Stromkreisverteiler
Anstatt Busbars mit Midi/Mega Sicherungen einzeln zu kaufen, habe ich mich dazu entschlossen einen Lynx Distributor mit integrierten Sicherungen zu installieren. Es ist vielleicht etwas overpowered im Moment, aber es macht das Setup sehr kompakt und auch perspektivisch sinnvoll.



Dazu habe ich einen klassische Reihenklemme von Philippi installiert in Kombination mit einem Stromkreisverteiler, den ich jetzt ganz einfach direkt im Steuerhaus sehen kann und im Zugriff habe.
Ungwöhnlicher Weise hatte Telsche vorher auch unter Deck keine Schalttafel, um die wichtigsten elektrischen Systeme einfach ein- und auszuschalten. Somit ist das eine enorme Verbesserung und bringt zusätzlich mehr Ordnung und Sicherungsautomaten, statt alte Kfz Schmelzsicherungen.
Multiplus, Ladebooster und Solar Laderegler
Ich habe bestimmt Wochen lang darüber nachgedacht wieviel Watt mein Wechselrichter haben sollte und welchen Multiplus ich daher in Telsche verbaue. Ich habe mich jetzt vorerst für lediglich 1200 Watt entschieden und konnte damit einen sehr kompakten Multiplus verbauen, der auch gut in den dafür vorgesehen Raum passt.
Das schliesst zwar viele Geräte wie z.B. eine Espresso Maschine erstmal aus, passt aber zu unseren Plänen und was wir wirklich brauchen an Bord.
Telsche hatte noch ein klassischen Trennrelais verbaut, was ich durch einen Ladebooster ersetzt habe und perspektivisch gesehen sollen noch Solarpanele auf das Dach vom Steuerhaus und der Platz für den passenden Laderegel ist schon reserviert.
SmartShunt
Was ich noch vergessen habe ist das SmartShunt. Das war in der Tat das aller erste Gerät von Victron was ich verbaut habe und es hat einen riesigen Unterschied gemacht.
Darauf angewiesen zu sein auf Basis der Spannung auf der Batterie ihren Ladezustand abzulesen, war mir einfach zu abstrakt. Jetzt kann ich genau sehen wieviel Strom verbraucht wird, wie die Batterien geladen sind und mit wieviel Ampere gerade die Lichtmaschine lädt.

Pläne für die Zukunft: neue Batterien
Die für mich größte offene Frage ist noch, ob ich auf Lithiumbatterien wechseln werde. Im Moment habe ich lediglich 80 Ah Stunden effektiv nutzbare Batteriekapazität und mit all der neuen Elektronik von Raymarine ist diese vermutlich zu knapp, wenn ich längere Segeltörns an der Küsten machen sollte.
Ich möchte mindestens 24 Stunden unabhängig rein unter Segeln unterwegs sein können und das bei laufendem Autopilot, Kartenplottern, Funkgerät, Radar & Beleuchtung in der Nacht und den ganzen kleinen Verbrauchern.
Das haut jetzt schon nicht wirklich hin. Sollte man dann doch mal vor Anker gehen wollen, anstatt immer von Marina zu Marina zu machen, muss ich die Batterie Kapazität voraussichtlich alsbald erweitern.
Das sei soweit der grobe Überblick. Ich gehe davon aus, dass ich über einzelne Aspekte in Zukunft noch mal berichten werde.
Erfahre mehr über das Boot an sich auf dieser Seite.
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2 Gedanken zu “Elektrik: Alles auf Neu mit Victron Energy und Philippi”