Es ist eine alte Frage, die Segler bis heute bewegt: Motorsegler vs Segelyacht. Wo liegen die großen Unterschiede?
Die einen wollen das pure Segelgefühl, die anderen schätzen Sicherheit und Komfort – und manchmal entscheidet schlicht das Revier oder die Lebensphase. Um diese Unterschiede greifbar zu machen, lohnt es sich, zwei Klassiker aus den 70er Jahren gegeneinander antreten zu lassen: die Fisher 30 Northeaster, einer der populärsten Motorsegler ihrer Zeit, und die Vindö 32, eine klassische skandinavische Segelyacht.

Beide Boote stammen aus der gleichen Ära, beide sind rund 30 Fuß lang – und doch könnten ihre Konzepte kaum unterschiedlicher sein. Man mag heute im Vergleich zu heutigen Segel-Yachten kaum noch die Vorteile eines Motorseglers erkennen. Will man die Historie von Motorseglern besser verstehen, sieht man in diesem direkten Vergleich sehr deutlich, warum Motorsegler damals so populär gewesen sind.

Inhaltsverzeichnis
Zwei Philosophien
Die Fisher 30 Northeaster ist ein kompromissloser Motorsegler.
Gebaut für Sicherheit, Reichweite und Komfort – mit ihrem Steuerhaus, ihrem kräftigen Motor und den großen Tanks. Man fährt sie, wenn man unabhängig vom Wind sein möchte und Wert auf ein ruhiges, geschütztes Bordleben legt.
Die Vindö 32 dagegen ist eine typische schwedische Segelyacht: schlank, elegant und segelstark. Sie belohnt den, der Segeln um des Segelns willen liebt. Weniger Motor, weniger Tankvolumen – dafür ein Boot, das auch bei leichtem Wind Freude macht.
Die harten Fakten: Motorsegler vs. Segelyacht
Ein Blick auf die nackten Zahlen zeigt schnell, wie unterschiedlich beide Yachten ausgelegt sind:
| Kennzahl | Fisher 30 Northeaster | Vindö 32 |
|---|---|---|
| Länge ü. A. (LOA) | 9,14 m | 8,95 m |
| LWL | 7,50 m | 6,90 m |
| Breite | 3,15 m | 2,74 m |
| Tiefgang | 1,30 m | 1,40 m |
| Verdrängung | 6.604 kg | 3.946 kg |
| Ballast | ~3.000 kg | 1.599 kg |
| Segelfläche | 30,65 m² | 35,21 m² |
| SA/D | 8,9 | 14,4 |
| Comfort Ratio | 38,3 | 29,2 |
| Motor (original) | 36 PS | 10 PS |
| Treibstofftank | 227 L | 57 L |
| Frischwasser | 227 L | 114 L |
| Kojen | 6 | 4–5 |
Schon in der Tabelle steckt die Botschaft: Die Fisher ist doppelt so schwer, breiter, hat viel größere Tanks und einen kräftigen Motor. Die Vindö ist leichter, segelt mehr Segelfläche pro Gewicht und verspricht damit mehr Lebendigkeit.
Auf dem Wasser
Auf der Fisher 30 Northeaster fühlt man sich sicher. Das Steuerhaus schützt, die Bewegungen sind ruhig (Comfort Ratio fast 40!), und selbst bei ruppigem Wetter bleibt das Boot beherrschbar. Der Motor schiebt auch gegen Strom und Wind, man ist nie ausgeliefert.

Die Vindö 32 segelt lebhafter. Mit einer SA/D von über 14 beschleunigt sie schneller und zeigt mehr Spiel im Ruder. Sie wirkt lebendig, fast sportlich, auch wenn sie ein Langkieler bleibt. Wer den Wind direkt im Segel spüren will, fühlt sich hier zuhause.
Alltag und Langfahrt
Im Bordalltag liegen Welten zwischen den beiden:
- Die Fisher bietet sechs Kojen, große Tanks, Stauraum und das Gefühl, ein schwimmendes Ferienhaus zu haben. Für lange Reisen, Familien und schlechtes Wetter ist das ein unschlagbares Argument.
- Die Vindö ist enger, hat weniger Reichweite und eher 4–5 Kojen. Sie passt perfekt für Paare oder kleine Crews, die ein klassisches Segelerlebnis suchen – aber weniger für wochenlange Törns ohne Infrastruktur.
Unter Deck – mehr Kojen oder mehr Raumgefühl?
Auf dem Papier sind Fisher 30 und Vindö 32 fast gleich lang – beide rund neun Meter. Doch wer die Niedergangsstufen hinuntersteigt, merkt sofort, wie unterschiedlich der Raum genutzt wird.




Die Fisher 30 Northeaster bietet offiziell sechs Kojen. Möglich wird das durch die breite Bauform und die clever verteilten Schlafplätze im Vorschiff, Salon und Heck. Allerdings nimmt das großzügige Steuerhaus viel Platz ein, der bei klassischen Yachten für den Salon und teilweise Cockpit vorgesehen ist.
Unter Deck wirkt die Fisher dadurch kompakter: der Salon ist kleiner, das Gefühl intimer – das Steuerhaus muss hier als Teil des Raumkonzeptes betrachtet werden und de-facto verbringen wir hier die meisten Zeit auch vor Anker oder im Hafen, da man auch nur hier mit 4 Leuten wirklich Platz finden und an einem Tisch (der optional aufgestellt wird) den Abend mit Blick nach draußen geniessen kann.

Die Vindö 32 ist dagegen schmaler geschnitten und bietet meist vier feste Kojen. Doch weil kein Steuerhaus Raum beansprucht, entfaltet sich im Salon ein ganz anderes Raumgefühl: offener, heller, luftiger. Zwei gegenüber liegende Sitzbänke die in Kojen umfunktioniert werden, schaffen mehr geselligen Raum für die Crew unter Deck, wo auch mal 4 Leute einen geselligen Abend verbringen können. Hier zeigt sich der Fokus der klassischen Segelyacht – lange Abende im Salon, gemeinsames Kochen und Geselligkeit unter Deck.
Motorsegler vs. Segelyacht – der faire Schlagabtausch
Die Stärken des Motorseglers (Fisher 30 Northeaster):
- Unabhängigkeit vom Wind dank kräftigem Motor
- Sicheres Steuerhaus für nasse Tage
- Große Tanks und Reichweite für Langfahrt
- Ruhiges Seeverhalten, hoher Komfortfaktor
Die Stärken der Segelyacht (Vindö 32):
- Mehr Segelfreude und Performance
- Elegantes, schlankes Design
- Einfacher in Hafenmanövern und Unterhalt
- Segeln aus Leidenschaft, auch bei Leichtwind
Es ist kein „besser oder schlechter“, sondern eine Frage der Haltung: Will ich segeln, oder will ich unterwegs sein?
Fazit – Eine Frage der Prioritäten
Der Vergleich Motorsegler vs. Segelyacht zeigt sehr schön, warum Motorsegler in den 70ern so populär waren. Sie gaben Fahrtenseglern Sicherheit, Komfort und Reichweite – Eigenschaften, die viele klassische Segelyachten damals noch nicht in dieser Form boten.
Heute ist die Frage immer noch aktuell. Manche Segler schwören auf das direkte, pure Segeln einer Yacht wie der Vindö 32. Andere genießen die Gelassenheit, mit einem Motorsegler wie der Fisher 30 auch dann weiterzukommen, wenn der Wind nicht mitspielt.
Und für mich persönlich?
Meine Telsche, eine Fisher 30 Northeaster, zeigt mir jeden Sommer aufs Neue, warum dieser Bootstyp eine ganze Generation von Seglern begeistert hat – und warum er auch heute noch seinen Platz auf Nord- und Ostsee verdient.
Dennoch muss ich sagen: sollte ich mir jemals noch im Leben eine Segelyacht kaufen wollen, um etwas sportlicher unterwegs zu sein und um bei tollem Wetter draußen unter freiem Himmel sitzen zu können, würde ich mich definitiv für eine Vindö 32 entscheiden.
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FAQ – Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Motorsegler und einer Segelyacht?
Ein Motorsegler ist breiter, schwerer und mit einem stärkeren Motor ausgestattet. Er bietet oft ein Steuerhaus und mehr Komfort, während eine klassische Segelyacht leichter und segelstärker ist und das pure Segelerlebnis in den Vordergrund stellt.
Ist die Fisher 30 Northeaster eher ein Motorboot oder ein Segelboot?
Die Fisher 30 Northeaster ist ein typischer Motorsegler. Sie lässt sich ordentlich segeln, ist aber auf Komfort und Sicherheit ausgelegt – mit großem Motor, Tanks und einem Steuerhaus. Unter Segeln ist sie gemächlicher als eine reine Segelyacht.
Wie unterscheidet sich die Vindö 32 von der Fisher 30?
Die Vindö 32 ist eine klassische Segelyacht mit schlankem Rumpf und mehr Segelfläche pro Gewicht. Sie segelt lebendiger und direkter als die Fisher 30, bietet aber weniger Komfort, Kojen und Tankvolumen.
Warum waren Motorsegler in den 70er Jahren so populär?
Damals suchten viele Fahrtensegler nach Komfort und Sicherheit für die Familie. Motorsegler wie die Fisher 30 vereinten robuste Technik mit Wohnkomfort und wurden so zu einer beliebten Alternative zur klassischen Segelyacht.
Welches Boot ist besser: Motorsegler oder Segelyacht?
Das hängt vom Segelstil ab. Wer Unabhängigkeit, Komfort und Sicherheit sucht, ist mit einem Motorsegler glücklich. Wer das pure Segeln und die sportliche Erfahrung liebt, wird eher bei einer klassischen Segelyacht wie der Vindö 32 fündig.
5 Gedanken zu “Motorsegler vs. Segelyacht – eine Fisher 30 im Vergleich mit der Vindö 32”