Ich hatte von Anfang an den Plan, dass Telsche irgendwann eine Solar Lösung bekommen wird. Durch das Ruderhaus von Telsche hat es sich immer angeboten zu sagen, dass ich einfach Solar Panels oben auf mein Dach montieren werde – und genau das machen auch viele andere Fisher Besitzer.
Jetzt kam aber doch alles ganz anders und ich bin mehr als glücklich mit einer völlig anderen Lösung: Bei mir hängen jetzt bei Bedarf Solar Panels direkt im Besan Mast – immer perfekt Richtung Sonne ausgerichtet. Entweder am Liegeplatz, vor Anker oder auch bei bis zu 28 Knoten während des Segelns.

Alles angefangen hat es mit einem Video von Anna und Malin, die sich ebenfalls ein FLINsail gekauft haben, womit ich überhaupt erst aufmerksam auf FLIN Solar geworden bin. Soweit mir bekannt sind diese FLINsails eine Innovation von diesem kleinen deutschen Unternehmen aus Kiel, wobei sie auch viele weitere Solar Lösungen anbieten.
Ich hatte nach dem Video trotzdem noch an einer Lösung für mein Dach festgehalten. Der Platz bietet sich einfach an und vor allem treibt mich die Frage um, wie ich bei längeren Segeltörns ohne Probleme den Kühlschrank, Autopiloten, Displays und bei Nacht auch das Radar laufen lassen kann, ohne den Motor starten zu müssen, da die Batterien am Ende sind.
Ich bin zwar nur in Küsten Gewässern auf der Ostsee unterwegs, aber mein Ziel ist dennoch durchaus 24 Stunden non-stop rein segelnd unterwegs zu sein und am Ende des Törns ohne Probleme erstmal vor Anker gehen zu können, anstatt in den nächsten Hafen zum Landstrom Anschluss flüchten zu müssen, da die Batterien komplett am Limit sind.
Lasse von FLIN Solar hat mich nach einer Anfrage über WhatsApp für eine maßgeschneidertes Solar Panel für das Dach von Telsche direkt zurückgerufen und mich darüber aufgeklärt mit wieviel Verlust an Leistung man rechnen muss, wenn man ein Panel wie bei mir fest aufs Dach baut und dann nicht nur das Problem hat, dass man das Panel nicht optimal zur Sonne ausrichten kann, sondern auch noch Schatten vom Rigg und den Segeln haben wird.
Nachdem er Fotos von Telsche gesehen hat, hatte er die Idee warum ich nicht den Besan Mast für die FLINsails nutze. Dort kann man diese nämlich nicht nur bequem vor Anker setzen, sondern wenn man unterwegs Strom generieren will, kann man in der Tat durchaus auf das Besan Segel mal verzichten und in der „Tough“ Variante der FLINsails, halten diese auch bis zu 28 Knoten an Wind aus.
Kalkuliert man dann noch das Preis / Leistung Verhältnis und realisiert wieviel mehr effektive Leistung man für sein Geld bekommt, war für mich die Entscheidung schnell klar: Ein FLINsail wird bestellt!
Die Montage der FLINsails
Die patentierten Mastrutscher wurden auf Basis einer Millimeter genauen Messung meiner Mastnut extra für Telsche nach dem Eingang der Bestellung gefertigt – damit kann man die Panels einfach direkt in den Mast einklinken, ohne die Segel abnehmen zu müssen – und zwei Wochen nach Bestellung trudelte dann das Paket von FLIN bei mir zuhause ein.




Ein Laderegler von Victron, ein Durchlass von Philippi und alle benötigen Kabel waren direkt mit dabei. Die Panels kommen in einer Tasche, mit der man die Panels nicht nur transportieren und verstauen kann, sondern die auch direkt auf dem Baum mit zwei Gummibändern fixiert werden kann, um aus der Tasche heraus die Panels zu montieren und mit einem Fall am Mast wie ein Segel zu hissen.

Bei der ersten Montage der FLINsails schaut man erstmal auf einen gefühlten riesigen Salat voller Schnüre. Wie in dem Video unten zwar schön erklärt wird, ist alles gut beschriftet und im Prinzip einfach zu montieren – was in dem Video aber nicht genauer erklärt wird, ist dass man noch die Schnüre an die eigenen Begebenheiten anpassen muss. Das hat mir in der Tat einige Kopfschmerzen bereitet und eine schriftliche Erklärung in der Anleitung der FLINsails verlangt einem doch einiges an Vorstellungsvermögen ab, wie das jetzt genau gedacht ist.
Ich habe das am Ende nach 30 Minuten irritiertem Fummeln irgendwie selbst gelöst. Es sieht jetzt zwar richtig aus – ob ich es aber genau so gemacht habe, wie das eigentlich gedacht ist, weiss ich nicht wirklich. Hier wäre glaube ich noch mal hilfreich mehr Illustration oder ein weiteres Video zu bekommen, wie genau diese Anpassungen und Einstellung zu erfolgen hat.
Bei der Montage des Laderegels bin ich dann in ein weiteres Problem gerannt, was aber nichts mit FLIN wirklich zu tun hat. Und zwar hatte ich zwar Spannung von den Panels, aber der Regler hatte nicht geladen, da er der Meinung war, dass meine Batterien voll sind. Mein SmartShunt zeigte aber eine deutlich geringe Spannung an, welche ich mit einer Multimeter Messung direkt an der Batterie bestätigen konnte.
Es hat mich dann einige Zeit gekostet zu realisieren, dass wenn es irgendein Problem mit dem Anschluss vom Laderegel zur Batterie gibt, die App von Victron einfach pauschal gut 14 Volt Spannung anzeigt, anstatt eine sinnvollere Meldung auszugeben. Selbst ohne jegliches Kabel zur Batterie wird diese Spannung angezeigt.
Am Ende war ein Kabel vom Laderegel zur Batterie defekt und nachdem Austauschen funktioniere dann alles ohne Probleme.
Erste Erfahrungswerte nach einem Wochenendtörn
Ich bin dann gleich zwei Tage mit den FLINsails unterwegs gewesen und habe sie bei diesem Törn konstant bei Wind und Wetter gehisst gelassen und sehr viel rumprobiert und immer wieder geschaut, was die unterschiedlichen Wetterbedingungen und Ausrichtung der Panels für einen Einfluss auf die Leistung hat. Hier einfach eine Reihe von Beobachtungen die ich die Tage machen konnte:
In der Mittsommernacht lag ich in Glowe auf Rügen und die Sonne stand am Abend bereits sehr tief am Horizont kurz vor dem eigentlichen Sonnenuntergang. Ohne jegliches Wolkenhindernis. Durch das komplett senkrechte Ausrichten der Panele, habe ich bei 200 Watt maximaler Leistung noch eine ganze Zeit lang ca. 90 Watt Leistung aus den Panels bekommen. Ein toller Anfang! (das Foto unten entstand deutlich später)

Am nächsten morgen war der Himmel komplett aber nur leicht bewölkt. Die Sonne stand gegen 11 Uhr schon recht hoch, war aber hinter der Wolkendecke nur sehr schwach auszumachen. Die Panels waren jetzt komplett horizontal ausgerichtet und ich bekam zwischen 50-80 Watt Leistungen.
Später klarte der Himmel auf und wir liefen gegen frühen Nachmittag direkt auf die Sonne zu. Ich hatte die Erwartung, dass jetzt die Leistung deutlich steigen müsste, war aber nicht in der Lage über 100 Watt zu kommen. Mir fiel dann auf, dass unser Kurs und der Winkel zur Sonne exakt einen Schatten vom Mast auf die Panels geworfen hat und dies wohl die Leistung verständlicher Weise beschränkt hat.
Am Abend dann Regen und Böen bis 20 Knoten am Liegeplatz auf Hiddensee. Ich habe die Panels die ganze Zeit draussen gelassen und nur irgendwann die Tasche reingeholt. Diese hält auf meinem sehr dünnen Baum trotz der Spanngurte nur recht schlecht und wird aber auch nicht wirklich gebraucht. Die Leistung ging dann wie zu erwarten runter auf 10-20 Watt – wenn überhaupt.
Am nächsten Tag gelang dann der Durchbruch: Auf dem Strelasund hatten wir nicht nur strahlenden Sonnenschein am Nachmittag, sondern auch Wind mit bis zu 25 Knoten – bei dem wir 7,5 Knoten Fahrt mit Telsche über Grund gemacht haben. Die Panels saßen nicht nur fest und sicher am Besan Mast, sondern generierten nun auch bis zu 180 Watt an Leistung während der Fahrt. So hatte ich mir das vorgestellt!
Im Summe kann ich sagen, dass ich mit laufendem Kühlschrank und eigentlich stetigem Laden von irgendwelchen iPhones und dem Anschluss vom Laptop zum Fußball schauen unterwegs + die gesamte Standard Elektronik inklusive zwei Raymarine MFDs unterwegs fast acht Stunden am Stück fast(!) neutral unterwegs gewesen bin. Normaler Weise hätte das meine Batterie schon massiv in die Knie gezwungen. (habe 200AH LiFePO4) – ich bin mit 84% an dem Tag auf Hiddensee gestartet und mit 83% am Abend in Lauterbach angekommen.
Die Panels haben an einem Tag an dem das Wetter durchaus wechselhaft gewesen ist, genug Strom generiert, um diesen Verbrauch auszugleichen. Das war alles ohne Autopilot und ohne Radar. Der Motor lief nur kurz, beim Anlegen, Ablegen und als wir die Ziegelgrabenbrücke in Stralsund passiert haben. Aber trotzdem genau das Ergebnis was ich mir gewünscht und erhofft habe.
Ich bin dabei in der Tat mehrmals am Tag raus um die Panele an die Sonne immer wieder anzupassen. Was wirklich in Sekunden schnelle problemlos funktioniert. Und man sieht auch sofort was es für einen riesigen Unterschied es macht. Ich kann grob über den Daumen gepeilt sagen, dass sobald die Panels nicht mehr optimal ausgerichtet sind, sie fast 50% ihrer Leistung verlieren.
Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ich mir für das fast gleiche Geld Panels für das Dach gekauft hätte, die dann wesentlich weniger Leistungen machen würden, kann ich nur sagen: alles richtig gemacht!
Mir ist klar, dass dies nur sehr individuell Beobachtungen genau von diesem einen Tag sind und man kann dies nicht pauschalisieren. Aber trotzdem habe ich jetzt einfach das Gefühl: „das passt!“ Mir reichen die 200 Watt völlig aus. Mit 200Ah in den Batterien habe ich damit genau die Reserve die ich für meine Anwendungsfälle brauche. Auch wenn ich dann mal länger Nachts mit Radar unterwegs bin, oder ein 1-2 Nächte vor Anker liege.
Und auf dem Dach von Telsche kann man eh besser Sonnenbaden, wenn das Wetter passt!

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2 Gedanken zu “Erste Erfahrungen mit dem FLINsail als Solar Lösung für Telsche”