Das erste Mal bei bis zu 7 Beaufort mit Telsche auf dem Bodden unterwegs

Bei sieben Windstärken spricht man von einem „steifen Wind“. Dann kommt direkt der stürmische Wind bei 8 und der richtige Sturm geht ab Windstärke 9 los. Schon als ich in der Marina ankam war klar: so laut war es hier noch nie. Der Wind heulte nur so durch die Masten und Telsche lag bei Böen bereits leicht gekränkt in der Box mit voller Spannung auf den Festmacher Leinen.

Trotzdem traumhaftes Wetter. Strahlender Sonnenschein und herrlich blauer Himmel. Wenn man sich in einem windstillen Fleckchen aufhielt wurde es sofort heiß und sobald man im Wind stand fing man an zu frieren.

Die sieben Windstärken in der Vorhersage von Windy bezogen sich rein auf die Böen. Der Tag startete mit 5 Windstärken und wurde dann im Laufe des Tages eine 6. Ich hatte keine Zweifel daran, dass wir heute rausfahren und unseren Trip mit einer Crew von Arbeitskollegen rüber nach Thiessow erfolgreich und sicher absolvieren würden.

Telsche ist wie gemacht als Boot für solche Bedingungen. Das Ketsch Rigg mit Roll Genua gibt uns super viel Flexibilität zu Reffen und damit die Segelfläche entsprechend klein zu halten. Der Langkieler, mit seinen 6,5 Tonnen auf 30 Fuss, dem Kanuheck und ihrem hohes Schanzkleid würden mit den Wellen hervorragend klarkommen.

Es gibt keinen Grund sich vor Böen mit Windstärke 7 zu fürchten, wenn man sich von vornherein darauf richtig einstellt. Es war einzig und alleine eine Frage von wieviel Segelfläche wir heute setzen werden und da der Wind wieder stark aus Ost Nordost kam und wir somit zwischen Lauterbach und Mönchsgut relativ gut unter Landdeckung sind, würde der Wellengang zwar sicher bis zu einem Meter ansteigen, aber aus der Erfahrung vom letzten Mal, deutlich geringer als auf der offenen Ostsee ausfallen.

Somit legten wir souverän unter dem Einsatz einiger Leinen bei starkem Seitenwind ab und hatten auf dem Hinweg einen Halbwind bis Amwind Kurs. Ich entschied mich mit vollem Besan und erstmal 3/4 Genua zu starten, während das Großsegeln eingepackt unter seiner Persenning blieb. Da wir am Vormittag noch bei 5 Windstärken mit Böen um die 6 lagen, hatten wir damit nicht mehr als 15 Grad Krängung und düsten trotz der stark verringerten Segelfläche zügig mit gut 5 Knoten Richtung Thiessow.

Es war die nasseste Fahrt von Telsche, die ich bisher mit ihr erlebt hatte. Wasser von gegen den Bug schlagenden Wellen spritze regelmäßig über das Schanzkleid, landete auf den Scheiben des Steuerhauses, der Scheibenwischer kam zum Einsatz und als ich einmal nach vorne ging, um etwas an der Rollgenua zu kontrollieren, hab ich natürlich erstmal eine richtige Dusche abbekommen.

Thiessow selbst war dann toll wie immer. Ich liebe einfach diesen Ort, das Mönchsgut, die Strände im Norden, Osten und Süden, den grandiosen Ausblick vom alten Lotsenturm und auch diesen kleiner Fischerhafen.

Nach einem schönen Tag und der Rückkehr auf Telsche war erstmal nicht wirklich klar, ob der Wind jetzt aufgefrischt hatte oder nicht. Aber schon in der engen Fahrrinne legte sich Telsche auf die Seite, bevor wir auch nur ein Segel gesetzt hatten und erstmal unter Motor unseren Weg aus der Bucht bahnten.

Diesmal würden wir den Wind von hinten auf einem raumen Kurs haben und ich setzte diesmal wieder das volle Besan, aber wir rollten die Genau zu maximal 50% ihrer Fläche aus. Telsche schoss sofort auf die 6 Knoten hoch und es war klar: das dürfte wohl eine Rekordfahrt heute werden.

Wie zu erwarten ging dann das großen Rollen los, als wir auf Höhe der Hagensche Wiek angekommen waren, weil hier den Wellen genug Raum bleibt, um sich entsprechend ein wenig aufzubauen.

Telsche luvte bei jeder Böe spürbar an, die Böen wurden immer stärker und wenn die Wellen schräg von hinten kommend Telsche empor hoben, hatte ich gut was am Ruder zu tun, um auf unserem gesetzten Kurs zu bleiben.

Wir waren mehrmals knapp an 30 Grad Krängung, Wasser spritze durch die offenen Türen des Steuerhauses rein und unter Deck flog auch wieder einiges quer durch den Salon. Einen dieser Momente haben wir glücklicher Weise auf Video festhalten können und schaut man aus der Tür und achtet auf den Horizont, oder auf die Schwimmweste die an Tür hängt, bekommt man einen sehr guten Eindruck davon, wieviel Bewegung im Boot war.

Wie man vielleicht im Video hört, hatten wir aber vor allem viel Spaß, fühlten uns sehr sicher und haben die 7 Windstärken ganz gut gemeistert. Der Top-Speed lag heute bei 6,5 Knoten und damit ganz knapp unter der Rumpfgeschwindigkeit.

Spannend wurde es noch mal bei der Annäherung an die Marina. Nachdem wir nämlich alle Segel gestrichen hatten, schob uns der Wind trotzdem noch mit 3 Knoten einfach weiter vor sich her. Das hatte ich auch noch nicht erlebt!

Am Ende waren wir nach an einem langen sonnigen Tag wieder in Lauterbach. Dieser Törn heute hat enorm dazu beigetragen, dass ich mich mit Telsche noch sicherer fühle, ich noch mehr Gewissheit habe, was dieses Boot locker weg steckt und ich noch mehr Zuversicht auch in meinen eigenen Fähigkeiten habe, mit Telsche alleine gut klar zu kommen.

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