Der 1. Mai stand vor der Tür und der Wetterbericht sagte strahlenden Sonnenschein bei 3-4 Windstärken in Böen 5 aus Nord-Ost vor. Da konnten wir nicht widerstehen und unternahmen einen Törn mit Familiencrew in das von Lauterbach nur 10 Seemeilen entfernte Thiessow für einen Strandspaziergang..
Die einzige Irritation die ich für den Tag hatte waren die Wellenangaben von Windy. Aus unserer Perspektive war der Wind aus Nord-Ost ablandig und es fing morgens bei gemütlichen 8-10 Knoten an und sollte dann am Nachmittag auf gut 15-18 Knoten mit Böen über 22 Knoten ansteigen.
Windy zeigte mir aber 0,8 Meter Welle direkt an der Küste an. Das konnte irgendwie nicht stimmen und liess mich aber auch auf Grund der Erfahrung von unserem Wochenendtörn kurz zweifeln, ob der Trip eine gute Idee ist und die Crew das ohne Seekrankheit packen wird.

Der Tag began dann sehr ruhig. Man merkte zwar wie stetig der Wind auffrischte, aber während Windy behauptete draussen seien 0,8 Meter Welle, sah ich mit meinem eigenen Auge das Gegenteil. Also Leinen los und schauen was passiert. Die Crew war mit Druckarmbändern versorgt und die Superprep lagen auch bereit.
Zu unserer großen Freude lag Windy dann wirklich komplett falsch. Ich vermute, dass einfach die Wetter Modelle so eine Situation nicht gut vorhersagen können und diese kleine Landmasse vom Mönchgut an der wir uns entlang gehangelt haben nicht richtig berücksichtigt.
Im Hafen von Thiessow war jede Menge Platz und so machten wir kurzer Hand an der Kai Mauer fest und genossen erstmal ein leckeres Mittagessen an Bord.

Dann ging es auf zum Strand. Das hier sah schon viel mehr nach 0,8 Welle bei für die Nordseite vom Mönchgut auflandigen Wind aus. Wir streiften den Strand hinab Richtung des östlichen Endes, wo das Ufer von einem Wall aus Steinen vor den Wellen geschützt wird.
Die Strandkörbe standen alle noch brav in Reih und Glied am Strand und nur wenige wurden gedreht und waren von anderen 1. Mai Spaziergänger besetzt. Wesentlich mehr los war da am Strandcafe aus dessen Richtung ein Song von Westernhagen rüber schallte und sich dazu Paare ab 60 aufwärts Tanzend über die Terrasse bewegten, während der Rest der Meute mitsang.

Wir entschlossen uns dann lieber Kaffee und Kuchen später im Hafen zu geniessen und jetzt erstmal den alten Lotsenturm zu erklimmen. Das Konzept eines Lotsenturms ist schon faszinierend. Dort hat man oben Ausschau nach Schiffen gehalten, die Kurs auf den Greifswalder Bodden gesetzt halten, um dann mit einer Glocke Alarm zu schlagen und einen Lotsen im Dorf zu wecken, der sich dann auf macht mit seinem Lotsenboot dem Schiff entgegen zu kommen und es durch den Schwer zu navigierenden Bodden zu begleiten.
Wer jemals in Thiessow ist und gutes Wetter mit weiter Sicht hat, muss dringend sich die Mühe machen und da hoch zu klettern. Der Blick ist einfach phänomenal und zeigt die einzigartige Schönheit des hügeligen Mönchguts. Unsere Fotos werden dem nur schwer gerecht.


Wir machten uns danach auf zurück in den Hafen, genossen noch einen Eisbecher und Kaffee, dösten noch ein wenig in der Sonne und machten uns dann auf Richtung Heimathafen.
Der Wind hatte jetzt deutlich aufgefrischt und ich beschloss von vornherein das Großsegel gar nicht erst zu setzen und nur mit Genua und Besan den Heimweg anzutreten. Und das war genau die richtige Idee.
Wir segelten mit gut 5 Knoten Richtung Vilm und der Wellengang war jetzt durchaus höher als am Vormittag, aber gerade noch so am Limit, dass die Crew es unbeschadet ohne Seekrankheit überstehen konnte.
Im Hafenbecken von Lauterbach Pfiff dann nur so der Wind und mit einigem Rückenwind wurde Telsche die Gasse Richtung ihres Liegeplatzes geschoben. Ich konnte aber Telsche rechtzeitig aufstoppen und wir haben uns gut in die Box bugsiert.
Das war ein toller Törn. Jeweils ca. 2,5 Stunden für eine Richtung gebraucht. Ich denke diesen Törn werden wir noch einige Male wiederholen.
Ein Gedanke zu “Ein Tagestörn nach Thiessow zum alten Lotsenturm”