Eine Fisher 30 unter Deck hat definitiv ein ungewöhnliches Layout, welches Kompromisse eingeht, die man mögen muss. Wer allerdings Teak Holz liebt wird sich auf einem Motorsegler wie meiner Fisher 30 Northeaster mehr als wohlfühlen!
Es fängt selbstverständlich damit an, dass „unter Deck“ bei einem Motorsegler wie Telsche eigentlich nicht wirklich treffend ist, da das Steuerhaus bei Telsche schlichtweg den zentralen Bereich des Innenraums darstellt – und dieser liegt selbstverständlich über Deck.

Inhaltsverzeichnis
Die Raumaufteilung
Eine Fisher 30 Northeaster unter Deck teilt sich im Kern in vier Bereiche auf: Es gibt jeweils eine Kabine vorne und eine achtern, die beide mit V-Kojen ausgestattet sind. Das Steuerhaus mit 360 Grad Rundumsicht, Schiebetüren und Schiebedach bietet den Zugang direkt zur Achterkabine und führt runter in den Salon mit Kombüse und angrenzender Nasszelle.






Die Kabinen und Kojen
Als ich mich für Telsche entschieden habe hat das Raumangebot auf ihren 30 Fuss und die geplante Nutzung als Familie mit zwei Erwachsenen, drei Kindern und ggf. einer mitreisenden Oma eine entscheiden Rolle gespielt.
Es gibt tatsächlich rein theoretisch genug Platz für sechs Passagiere unter Deck einer Fisher 30 – bestehend aus drei Kindern und drei Erwachsenen – aber die Betonung liegt hier klar auf „theoretisch“.
Die Kojen in der Achterkabine sind über 2 Meter lang, ausreichend breit und durch einen Einsatz kann man in der Tat die Achterkabine in eine große Liegewiese umfunktionieren, wo zwei Erwachsene mit einem Kind bis zu 4-6 Jahre alt gemütlich in der „Familienkoje“ schlafen können.

Bei der Kabine vorne sieht die Situation schon anders aus. Hier befinden sich auch zwei Kojen in V-Anordnung – diese sind ab er lediglich 1,80 lang und auch an sich etwas schmaler. Es sind perfekte Kojen für Kinder bis ins frühe Teenager Alter. Für zwei Erwachsene wird es aber definitiv sehr eng.
Im Salon der Fisher gibt es dann durchaus optional Platz für entweder einen weiteren Erwachsenen oder zwei Kinder. Die Sitzbank im Salon ist über 2 Meter lang und der Tisch kann entsprechend abgesenkt werden, um die Liegefläche zu verbreitern. Wirklich übernachtet hat dort noch keiner, aber als Hundekoje für lange Überfahrten ist dieser mittig und tief liegende Schlafplatz hervorragend geeignet.
Das Steuerhaus
Das Steuerhaus bildet den Dreh- und Angelpunkt einer Fisher 30 Northeaster und ist auf Telsche ein absolut durchdachter Raum, der locker Platz für vier Erwachsene und zur Not auch für bis zu sechs Personen bietet, wenn man es kuschelig mag.



Öffnet man die Schiebetüren auf Backbord und Steuerbord hat man direkten Zugang zu den beiden Genua Winschen, den Schoten von Großsegel und Besen inkl. entsprechenden Curryklemmen, sowie zu jeweils zwei Klampen auf beiden Seiten, um entweder die vier Schoten zu belegen, oder um bei einem seitlichen Anlegemanöver einfach vom Steuerstand mittschiffs den ersten Festmacher zu fixieren, bevor man sich um den Rest kümmert.
Es gibt dann zwei Sitzpositionen für den Steuermann und wenn man so möchte für einen Navigator oder Co-Skipper. Man sitzt hier erhöht direkt an den Türen, hat eine sehr gute Sicht nach vorn und alles in Reichweite was man braucht. Steuerrad, Funkgerät, Kartenplotter, Instrumente, Gashebel, Nebelhorn und mehr.

Daran schliessen sich zwei Sitzbänke, die definitiv wesentlich kürzer sind, als entsprechender Counterparts in der Plicht eines klassischen Seglers. Nebeneinander sitzend, können hier aber durchaus jeweils zwei Erwachsene Platz finden. Stellt man den „Cockpit“-Tisch auf, kann man hier rundum mit zwei Erwachsenen und drei Kindern irgendwie Platz finden – um zum Beispiel vor Anker liegend eine Mahlzeit zu sich zu nehmen.
Ein großer Kompromiss
Einer der größten Kompromisse die man bei einer Fisher 30 Northeaster eingeht, ist dass es keine Plicht / Cockpit gibt, da diese für die geräumige Achterkabine geopfert wurde.
Bei warmen Temperaturen kann man aber für extrem viel Belüftung im Steuerhaus sorgen. Die Schiebetüren werden geöffnet, das große Schiebedach mit Blick auf das Großsegel wird komplett geöffnet, die seitlichen Fenster aufgeschoben und auch vorne lässt sich ein Fenster nach unten schieben. Das sorgt nicht nur für ordentlich Durchzug, sondern auch für ein wenig „Draußen-Feeling“ mit garantiertem Sonnenschutz.
Salon, Kombüse und Nasszelle
Vergleicht man den Salon dieses Fisher 30 Northeaster mit dem Salon einer klassischen 30 Fuss Segelyacht, ist dieser extrem klein und stellt damit den zweiten großen Kompromiss auf dem Boot da.
Es gibt eine Sitzecke Backbord mit Tisch und L-förmiger Sitzbank, unter der sich unter anderem eine große Kühlbox verbirgt, und dieser Sitzecke befindetet sich auf Steuerbord gegenüber eine sehr kleine Kombüse mit durchaus angemessener Nasszelle direkt daneben.
An dem Tisch kann man bequem zu dritt sitzen. Ursprünglich sogar eigentlich zu viert – doch aus der „Serien mäßigen“ U-förmigen Sitzgelegenheit wurde hier ein „L“ und der gewonnene Platz für einen Refleks Dieselofen geopfert.

Bei der Fisher 30 unter Deck ist die Fläche der Kombüse gerade so groß, um einen Gasherd und ein Waschbecken nebeneinander zu platzieren. Der Platz reicht für einen Küstensegler, aber er zwingt einen enorm zum Ordnung halten und mitdenken wo und wie man was wann abstellt.
Stauraum gibt es in der Tat reichlich – auf dem gesamten Schiff – ich denke er reicht nicht für die ganz große Fahrt, aber ein Schiff wie Telsche nutzt man an der Küste, wo man immer wieder Zugang zu Land hat und damit auch nicht Unmengen an Proviant verstauen muss.
Die Nasszelle ist Tatsache so gestaltet, dass sie eine Dusche beinhaltet. Aber das ist vielleicht für sehr kleine und dünne Menschen praktikabel – aber nicht mehr bei 1,80 und 90 Kilo auf der Waage.
Das Raumgefühl
Was mich von Anfang bei der Fisher 30 unter Deck überzeugt hat ist das Raumgefühl. Es ist zwar alles eng und ein paar Tage auf Telsche zu sein bedeutet irgendwie immer Muskelkater und ein paar neue Schrammen, da es wirklich eng ist und man sich sehr geschickt an Bord von A nach B bewegen muss – es ist aber gleichzeitig unwahrscheinlich wohnlich und gemütlich.
Das reichlich verbaute Teak Holz strahlt enorm viel Wärme und Charme aus, der Ofen kann in der kalten Jahreszeit kuschelige Temperaturen erzeugen (wenn er denn läuft) und man fühlt sich in Summe sehr geborgen und sicher.
Telsche wurde gekauft, um auf Nord- und Ostsee zu segeln. Und das nicht nur die paar sonnigen Wochen im Jahr, sondern ganzjährig. Der Schutz vor Wind und Wetter und damit auch die geringe Gefahr für kleinen wie große Crew-Mitglieder über Bord zu gehen, haben dazu beigetragen, dass wir gerne die Plicht gegen ein Steuerhaus getauscht haben.
Keine Frage: wenn die Sonne im Sommer scheint und der Platz draußen an Deck zum sitzen und liegen begrenzt ist, weint man manchmal einem offenen großem Cockpit eine Träne nach. Aber für die anderen 345 Tage im Jahr ist man immer wieder froh geschützt, warm und trocken am Steuern stehen zu können.
Weitere spannende Artikel
- Fisher 30 Northeaster: Alles über den seltenen Motorsegler-Klassiker
- Motorsegler vs. Segelyacht – eine Fisher 30 im Vergleich mit der Vindö 32
- Fisher Motorsegler – die Geschichte eines Klassikers
- Motorsegler gebraucht kaufen – 10 Dinge, auf die man achten muss
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wie ist die Raumaufteilung einer Fisher 30 unter Deck?
Die Fisher 30 Northeaster hat vorne eine V-Koje, hinten eine Achterkabine mit Liegewiese-Option, dazwischen den Salon mit kleiner Kombüse und Nasszelle. Das Steuerhaus ersetzt das klassische Cockpit und ist der zentrale Aufenthaltsraum.
Wie viele Personen können auf einer Fisher 30 unter Deck schlafen?
Insgesamt gibt es Schlafplätze für bis zu 6 Personen – praktisch ist das Boot aber eher für 4–5 Crewmitglieder geeignet. Zwei Erwachsene finden bequem Platz in der Achterkabine, während die V-Koje eher für Kinder oder schmalere Erwachsene ausgelegt ist.
Gibt es bei der Fisher 30 eine Dusche unter Deck?
a, die Nasszelle der Fisher 30 Northeaster verfügt über eine Dusche. In der Praxis ist diese aber eher für kleinere Personen geeignet und weniger komfortabel für große oder kräftige Crewmitglieder.
Worin unterscheidet sich der Innenraum einer Fisher 30 von einer klassischen Segelyacht?
Im Vergleich zu einer Segelyacht gleicher Größe ist der Salon deutlich kleiner, da Platz für das Steuerhaus und die Achterkabine eingeplant wurde. Dafür bietet das Steuerhaus mehr Komfort, Schutz und Rundumsicht – ein typischer Vorteil von Motorseglern.
Ist der Innenraum einer Fisher 30 für Familien geeignet?
Ja, besonders für Familien mit Kindern ist die Raumaufteilung praktisch. Die Achterkabine kann zur großen Familienkoje umgebaut werden, während die V-Koje für Kinder ideal ist. Der begrenzte Platz im Salon erfordert jedoch etwas Organisation.
3 Gedanken zu “Fisher 30 unter Deck – Innenraum, Kabinen & Erfahrungen mit einem Klassiker aus Teak”