Wer vor der Ziegelgrabenbrücke auf die Öffnung wartet, schaut irgendwann auf das Wasser östlich des Dänholm und fragt sich, ob man da nicht einfach ankern könnte. Man kann – aber nur bei Westwind, und nur wenn man weiß, wo die Kanten sind.
Ein reiner Westwindplatz
Der Dänholm liegt westlich und nimmt den Wind aus dieser Richtung weg. Das ist der ganze Schutz. Nach Norden, Osten und Süden liegt der Strelasund offen, und dort steht bei entsprechender Lage auch Schwell – dazu der Wellenschlag der Berufsschifffahrt, die keine hundert Meter weiter östlich durchs Fahrwasser geht.
Als Wartestopp vor der Brücke bei Westwind ist das brauchbar. Als Platz für eine Nacht taugt es nur, wenn der Wind verlässlich aus Westen bleibt.
Drei Kanten, die man kennen muss
- Nördlich die Kabeltrasse. Nach § 32 der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung gilt ein Sperrradius von 300 Metern um Kabel und Leitungstrassen – das sind 0,16 Seemeilen. Wer 0,2 sm südlich der Trasse ankert, ist heraus. Der Schwojkreis muss mit hinein in diese Rechnung.
- Südlich die Hafeneinfahrt. Vor Hafeneinfahrten und Anlegestellen ist das Ankern ebenfalls untersagt. Die Vorschrift nennt hier keinen Abstand, was die Sache nicht einfacher macht – im Zweifel weiter nach Norden.
- Östlich das Fahrwasser. Im Fahrwasser ist Ankern grundsätzlich verboten. Die Tiefen dort beginnen bei knapp sechs Metern; solange man auf den 2,2 bis 2,6 Metern der Flachwasserzone bleibt, ist man weit genug westlich.
Und das, was in keiner Verordnung steht
Hier wird gefischt. Stellnetze und Reusen stehen in dieser Ecke regelmäßig, und sie sind nicht in der Seekarte eingetragen. Ein rechtlich zulässiger Ankerplatz kann trotzdem voller Fischereigerät liegen – das sieht man erst, wenn man da ist, und im Zweifel sucht man sich einen anderen Fleck.
Wer sich die Mühe nicht machen will: Die beiden Dänholm-Häfen und der Yachtclub Strelasund im Kanal liegen wenige hundert Meter entfernt, ohnehin südlich der Brücke, und sparen die Öffnung.
Bei Ostwind eine Seemeile weiter
Die beiden Ankerplätze in dieser Ecke ergänzen sich fast exakt. Hier deckt der Dänholm nach Westen und lässt den Osten offen. In der Bucht nördlich der Halbinsel Drigge ist es umgekehrt: Dort schirmt die bewaldete Halbinsel von Nordost über Süd bis Südwest ab, offen bleibt es nach West bis Nord.
Dreht der Wind, wechselt man also einfach die Seite – 1,2 Seemeilen nach Osten, gut zwanzig Minuten. Einen Haken hat es: Drigge geht nur mit wenig Tiefgang. Am Platz stehen zwei Meter, ringsum 0,4 bis 1,7. Wer mehr als anderthalb Meter zieht, bleibt besser hier und nimmt den Wellenschlag in Kauf.
Häufige Fragen
Kann man östlich vom Dänholm ankern?
Ja, wenn man die drei Kanten einhält: 300 Meter Abstand zur Kabeltrasse im Norden, weg von der Hafeneinfahrt im Süden und außerhalb des Fahrwassers im Osten. Auf der Flachwasserzone stehen 2,2 bis 2,6 Meter. Der Platz schützt allerdings nur bei Westwind, weil allein der Dänholm deckt.
Wie weit sind 300 Meter Kabelabstand in Seemeilen?
0,16 Seemeilen. Wer von der Kabeltrasse 0,2 Seemeilen nach Süden abträgt, ist sicher heraus – und muss dann noch den eigenen Schwojkreis dazurechnen, denn auch der darf nicht in den Sperrbereich hineinreichen.
Was ist die größte Gefahr an diesem Platz?
Nicht die Rechtslage, sondern das Fischereigerät. In dieser Ecke stehen regelmäßig Stellnetze und Reusen, und die sind in keiner Seekarte eingetragen. Dazu kommt der Wellenschlag der Berufsschifffahrt aus dem nahen Fahrwasser.

Kommentar verfassen